Theaterpädagogik
Wie bereits in der Festspielsaison 2009 gibt es in diesem Jahr ein theaterpädagogisches Angebot der Brüder Grimm Märchenfestspiele für Schulen und Kindergärten. Die Festspiele wollen damit ihrer großen Verantwortung dem Theaterpublikum, sowie den Märchen gegenüber, gerecht werden. In Zeiten von schnellen, jederzeit abrufbaren Medien wird der Raum für Theater enger. Deshalb ist es wichtig, darauf zu achten, dass Märchen in ihrer Aktualität wahrgenommen werden. Als Theater ist es uns somit wichtig, für die heutige Gesellschaft interessant und greifbar zu bleiben, ohne das Produkt "Brüder Grimm Märchenfestspiele" zu verlieren. Die Theaterpädagogik sehen wir dafür als gutes Sprachrohr und verbindendes Medium. Sie öffnet für das Publikum Erfahrungs- und Gestaltungsräume in den eigenen Lebensphasen. Theaterpädagogik verdeutlicht jedem Einzelnen, was Theater bzw. Märchen für ihn persönlich bedeuten kann.
Wir möchten unsere Zuschauer mit theaterpädagogischen Mitteln persönlich ansprechen und ihre Neugier wecken. Der Zuschauer kann dadurch intensiv in die Welt des Theaters eintauchen und mehr Theaterzauber, Theatererlebnisse und Verständnis für Theater mit nach Hause nehmen. Aber auch die Brüder Grimm Märchenfestspiele als Theater haben die Möglichkeit, ihr Publikum besser kennen zu lernen und seine Bedürfnisse und Wünsche genauer zu erfahren.
Theaterpädagogik trägt dazu bei, die Arbeit unserer Festspiele und unsere Philosophie transparenter zu machen. Der stumme und einseitige Austausch zwischen Publikum und Theater bzw. Akteuren soll bei den Märchenfestspielen zu einem aktiven und lebendigen Austausch beider Seiten werden.
Wir sind gespannt auf Ihre Fragen, Anregungen und Kritik rund um das Thema Theaterpädagogik in unserem Hause.
Wir sehen uns im Theater.
Dieter Gring
Festspielleiter
Ulrike Leithner
Theaterpädagogin
Theaterpädagogische Angebote zu den Festspielinszenierungen
Im Rahmen unserer theaterpädagogischen Arbeit möchten wir Ihnen unsere Materialmappen vorstellen. Die Materialmappen sind zur Vorbereitung auf den jeweiligen Theaterbesuch gedacht.
Es gibt zwei Materialmappen zu jedem Märchen, die von unserer Theaterpädagogin erstellt wurden. Inhaltlich wird darauf geachtet, die unterschiedlichen Jahrgänge altersgerecht zu bedienen. Eine Mappe wendet sich an Kindergartenkinder und Schüler der Grundschule, die zweite Mappe an Schüler ab der 5. Klasse, jeweils mit einem anderen Schwerpunkt als im letzten Jahr. Während die Theaterpädagogin im letzten Jahr Material zum Thema Märchen zusammengestellt hat, können sich die Schülerinnen und Schüler in diesem Jahr mit dem Thema Wirklichkeit und Fiktion beschäftigen. Die Kindergartenkinder und Grundschüler erwartet unter anderem eine Zaubershow, die Schüler ab der 5. Klasse können sich im Theater spielen versuchen und erhalten eine Anleitung für den Bau eines Schattentheaters. Dazu gibt es Interviews mit dem Bühnenbildner Tobias von Wolffersdorff und der Kostümbildnerin Ulla Röhrs der Märchenfestspiele.
Unter theaterpaedagogik@dieleithners.de können Sie die für Sie relevante Mappe anfordern, wir senden Ihnen dann gerne ein PDF zu. Unsere Theaterpädagogin steht Ihnen gern auch telefonisch unter der Nummer 0176-21542560 zur Verfügung.
Wahrnehmungsschulung
"Nichts ist im Verstand, was nicht vorher in den Sinnen." John Locke
Der englische Philosoph und Politiker John Locke wusste dies schon vor ein paar hundert Jahren und ist mit seiner Aussage aktueller den je. Durch das Handeln werden die Sinne berührt und stimuliert. Der Verstand setzt ein, speichert, bewertet, entscheidet. Die Intensität dieses Prozesses ist bei jedem unterschiedlich. In der Theaterarbeit lassen sich Handlungen inszenieren und somit die Sinne und der Verstand schulen.
Die Wahrnehmung ist ein großes Thema. Jeder nimmt unterschiedlich wahr und das ist gut. Nur ist der Einzelne sich dessen bewusst? Was nimmt er wahr? Wie nimmt er wahr? Was passiert mit der eigenen Wahrnehmung in Bezug zu anderen, wenn die sich mit ihrer Wahrnehmung geäußert haben?
Zu diesem Thema gibt es schon für die ganz Kleinen wunderbare, einfache und alte Spiele. „Ich sehe was, was ihr nicht seht...!“ oder auch „Topf schlagen!“, auch „Taler, Taler du musst wandern!“. So gibt es für jedes Alter Spiele, die die Sinne schulen. Eines meiner Lieblingsspiele ist das Folgende.
Gestenkanon (Rob Wilson)
Es werden sechs einfache Gesten festgelegt: Kopf rechts. Kopf links. Rechtes Bein über linkes Bein. Linkes Bein über rechtes Bein. Drei Schritt nach vorne und einen stummen Schrei machen. Ohren zuhalten.
Drei Personen sitzen auf Stühlen auf der Bühne in einer Reihe. Wahllos machen sie die sechs Gesten. Wichtig hierbei ist, dass sie die Gesten ohne Emotion machen. Die Gesten sollen einfach pur als Geste gesetzt werden.
Der Spielleiter eröffnet das Spiel mit den Worten „Vorhang auf!“ und beendet es nach einer Weile mit den Worten „Vorhang zu!“.
Die Zuschauer sollen nun sagen, was sie gesehen haben. Hierbei ergeben sich unterschiedliche Geschichten durch die verschiedenen Wahrnehmungen.
