Die Berliner Goldschmiede Emil Lettre und Herbert Zeitner

Eine Brosche aus Platin in der Form eines Füllhorns. Das Füllhorn ist verziert mit Smaragden, aus der
Emil Lettré, Füllhornbrosche, 1926-27, Foto: Tina Eberwein

Emil Lettré (1876-1954) und Herbert Zeitner (1900-1988) leisteten in den 1920er Jahren einen wesentlichen Beitrag zur deutschen Schmuck- und Gerätgestaltung in der kulturellen Metropole des Deutschen Reiches.
Beide haben enge Verbindungen zur Goldschmiedestadt Hanau – Lettré wurde hier geboren und ausgebildet und leitete kurzzeitig 1933/34 die Staatliche Zeichenakademie, Zeitner übersiedelte als Kind nach Hanau und besuchte ebenfalls die hiesige Ausbildungsstätte für Goldschmiede.
Eine silberne Schale mit Fuß. Der Fuß ist verziert mit musizierenden Engelsfiguren, Amethysten und Turmalinen.
Herbert Zeitner, Obstschale mit Figuren, 1932-1935, Foto: Thomas Goldschmidt

Das Experimentieren mit geometrischen Segmenten, das Miteinbeziehen kleiner Figuren, Blüten und Blattwerk stehen im Mittelpunkt von Zeitners Schaffen, Edelsteine setzen sparsame farbige Akzente. Die im Frühwerk angelegte „Figurine“ durchzieht das gesamte Oeuvre des Künstlers. Die „Abstrakta“ der Nachkriegszeit nennt Zeitner „Malereien in Metall mit hinten einer Nadel dran“. In erster Linie als Schmuckgestalter tätig, widmete er sich aber auch der Anfertigung von silbernem Tafelgerät, Accessoires und sakralen Objekten.
Eine kleine Dose (Silber, vergoldet) mit pyramidenförmigen Muster.
Emil Lettré, Dose, 1930er Jahre, Foto: Tina Eberwein

Während Zeitner den stilistischen Entwicklungen der aufbrechenden Moderne neugierig und offen gegenüberstand, hielt Emil Lettré an der handwerklichen Tradition und klassizistischen Formensprache fest: Vor allem beim Silbergerät, den Prunkvasen und Ehrenpreisen hatte die aufwendige Oberflächengestaltung höchste Priorität, der griechische Akanthus und die Florentiner Lilie kommen sowohl im Juwelenschmuck wie auch im Tafelsilber immer wieder zur Anwendung.
Ein Anhänger (Silber, vergoldet) mit Kette in Vierpass-Form, in der Mitte ein Hirsch, verziert mit Turmalinen.
Herbert Zeitner, Anhänger mit Kette, um 1938, Foto: Thomas Goldschmidt

In seiner Werkstatt „Unter den Linden“ arbeiteten der Silberschmied Bodechtel, der Silberschmied Braun und der Ziseleur Wittmann, für die Fertigung des Juwelenschmucks war Carl Ruder zuständig. Lettré selbst kümmerte sich ausschließlich um die Entwürfe.
Die Ausstellung mit über 200 Exponaten zeigt Schmuck, Gerät, Fotos und
Entwürfe der beiden Künstler aus Privatbesitz, die von Leihgaben des Badischen Landesmuseums Karlsruhe, des Schmuckmuseums Pforzheim sowie der Staatlichen Zeichenakademie Hanau ergänzt werden.

Zu Herbert Zeitner erscheint ein Katalog, der zum Preis von 18,00 € über das Deutsche Goldschmiedehaus Hanau bezogen werden kann.

Die Ausstellung ist bis Sonntag, den 01. August 2010 im Deutschen Goldschmiedehaus zu sehen.
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