Die Neueinrichtung der Kunstabteilung im Museum Großauheim
Das 1983 für regionale Volkskunde, Landwirtschaft und Industriegeschichte eingerichtete und 1992 um einen Kunstbereich erweiterte Museum Großauheim eröffnete im Herbst 2010 nach zweieinhalbjähriger Umbauzeit seine neugestaltete Kunstabteilung. Im Gebäude des ehemaligen öffentlichen Badehauses von 1906 im Pfortenwingert sind dem gebürtigen Großauheimer Bildhauer und Mitglied der Berliner Sezession August Gaul sowie dem Künstler August Peukert nun beide Ausstellungsebenen gewidmet. Was vorher dicht beieinander hing, ist jetzt großzügig auf zwei Etagen verteilt.
Die Innenarchitektur der neu gestalteten Abteilung „August Gaul - Bildhauer der Moderne“ im Erdgeschoss kann sich mittels geöffneten und akzentuierenden Rundbögen harmonisch mit der Plastik August Gauls verbinden. Für die Neupräsentation wurden mehrere Bronzen restauriert, fehlende Figurensockel mit Schuppacher Marmor ersetzt und mächtige anthrazitfarbene Granitsockel gewählt. Für das Hauptwerk Gauls, der „Stehenden Löwin“ konnte im Eingangsbereich des Museums Großauheim - angelehnt an die Turiner Ausstellung 1902 - eine „Sala della Lionessa“ geschaffen werden. Mit der Einrichtung dieses separaten Raumes konnte nach vielen Jahren eine angemessene Präsentationsform für eine der wichtigsten Plastiken der Moderne gefunden werden. Ein weiteres Ziel der Neukonzeption wurde mit der Darstellung der Zusammenhänge von monumentaler Skulptur und Kleinplastik umgesetzt.
Im Obergeschoss des ehemaligen Badehauses wurde mit dem Öffnen von Blickachsen und farblicher Rhythmisierung eine geräumige Galerienetage geschaffen, die den zweiten Teil der Kunstabteilung mit Werken von August Peukert beherbergt. August Peukert zählt zu den bedeutenden Hanauer Künstlern der Nachkriegszeit. Mit der Gestaltung von großformatigen Farbglasfenstern, Mosaiken und Sgraffiti für über dreißig Kirchen, Kapellen, öffentliche und private Gebäude im Hanauer Raum und Mittelhessen erlangte er in den 1950er und 1960er Jahren überregionale Bedeutung. Ölgemälde und Grafiken von August Peukert konnten in der Ausstellung mit Farbglasfenstern und Kleinmosaiken erweitert werden.
Tiefe Einblicke in die Werke erlauben in beiden Abteilungen chronologisch aufgebaute und kommentierte Rundgänge mit rund 35 Plastiken von August Gaul und 46 Werken von August Peukert. Es erfolgte eine grafische Umsetzung von Zeichnungen von August Gaul auf Glaswänden; Zitate von Zeitgenossen und Experten ergänzen die Präsentation in beiden Bereichen.
Vorrangige Ziele des Umbaus waren die Standards einer zeitgemäßen musealen Präsentation mit entsprechender Infrastruktur, eine bessere Ausnutzung der bestehenden Räume mit Erweiterung, die Schaffung eines Werkraums für Museumspädagogik, die Umgestaltung eines großzügigen Museumseingangs, nach Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts bis Ende 2011 ein barrierefreies Haus im Erdgeschoss sowie zusätzliche Räume für Sonderausstellungen.
Das neugestaltete Museum Großauheim definiert sich als Museum für Kunst und Industriegeschichte und gehört zu den Ankerpunkten der Route Industriekultur Rhein-Main. Die industriegeschichtliche Abteilung des Museums wird im zweiten Teil der Baumaßnahme aufbereitet, indem der Sammlung ausgewählte Beispiele von Hanauer Industrieerzeugnissen hinzugefügt werden. Darüber hinaus bietet das Museum Großauheim mit seiner Themenvielfalt sowohl im Bereich Kunst als auch künftig in der Industriegeschichte einen attraktiven Lernort für Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen, für Erwachsene und Senioren. Mit neu geschaffenen Wechselausstellungsräumen kann zudem ein lebendiges Ausstellungsprogramm angeboten werden.
