Bildung & Wissenschaft
Kompetenznetzwerk für gute Bildung
Stadtrat Axel Weiss-Thiel auf Tour in den 30 Schulen der Stadt
Einen ganzheitlichen Blick auf die Hanauer Schullandschaft verschafft sich Stadtrat Axel Weiss-Thiel bei seiner Besuchstour durch die 30 Schulen im Stadtgebiet. Als neuer Schuldezernent strebt er für Hanau ein Kompetenznetzwerk aus starken Partner an, die sich mit konkreten Ziele und innovativen Denk- und Arbeitsansätzen gemeinsam für optimale Bildungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche engagieren. „Schule muss Lern- und Lebensort sein – im Grundschulbereich perspektivisch bis 17 Uhr.“
Die Stadt Hanau setzt auf ein enges Zusammenspiel mit den Schulgemeinden – also mit Schulleitungen, Lehrerkollegien, Eltern, Schülern und dem staatlichen Schulamt. Axel Weiss-Thiel, der mit der Umstrukturierung seines Sozialdezernats in den neuen Fachbereich Bildung, Soziale Dienste und Integration auch für die Schulen zuständig ist, betonte bei seinen Schulbesuchen, die bisherige „hervorragende Zusammenarbeit“ seines Kollegen Stadtrat Dr. Ralf-Rainer Piesold mit den Schulen fortzuführen, aber auch neue Akzente zu setzen.
In der städtische Schulentwicklungsplanung richtet Axel Weiss-Thiel den Fokus langfristig auf ein flächendeckendes und den heutigen Bedürfnissen der Eltern entsprechendes Ganztagsangebot an Grundschulen. „Ein erster Meilenstein wäre erreicht, wenn in jedem Stadtteil mindestens eine Grundschule existiert, an der an fünf Tagen in der Woche bis 17 Uhr ein Bildungs- und Betreuungsangebot etabliert ist.“
Um Potenziale zu bündeln und Synergieeffekte zu erzielen, denkt der Stadtrat an eine Kooperation mit Trägern der Kinder- und Jugendhilfe.
„Bildung und Bildungsangebote sind in Zeiten von Globalisierung und demografischem Wandel ein ernst zu nehmender Standortvorteil für unsere Stadt“, so Weiss-Thiel. Der Ausbau der ökonomischen Basis Hanaus durch den Stadtumbau und die Ansiedlung neuer Arbeitsplätze müsse deshalb mit der Weiterentwicklung der Bildungslandschaft einhergehen. „Wir haben derzeit keinen Grund zu Sorge, dass die Bevölkerung und damit auch die Zahl der Schulkinder schrumpft“, gibt sich Weiss-Thiel optimistisch. Die positive Stadtentwicklung habe seit Januar 2010 zu einem Zuzug von rund 1500 Menschen geführt. „Wir rechnen in den kommenden Jahren vor allem in den Stadtteilen Lamboy Tümpelgarten und Großauheim-Wolfgang mit einem Plus von rund 500 Kindern und Jugendlichen.“
Damit sich Schülerinnen und Schüler an ihrem Lern- und Lebensort wohlfühlen, komme die Stadt um baulichen Modernisierungen nicht herum. Bei seinen Schulbesuchen überzeugte sich der Stadtrat davon, wie der Eigenbetrieb Immobilien- und Baumanagement das Konjunkturprogramm in den vergangenen zwei Jahren umgesetzt hat, sei es durch den Bau einer neuen Turnhalle an der Pestalozzischule, der Mensa samt Bibliothek an der Karl-Rehbein-Schule oder die Sanierung der naturwissenschaftlichen Räume in der Otto-Hahn-Schule. Insgesamt flossen im Rahmen des Konjunkturprogramms 21,5 Millionen Euro an Landes- und Bundeszuschüssen in bauliche Maßnahmen an Schulen und 2,1 Millionen Euro in deren Ausstattung. „Die Investitionen werden fortgesetzt“, verkündete Axel Weiss-Thiel den Schulleitungen. Doch das sei nicht einfach, denn die politisch Verantwortlichen müssten angesichts der zu erwartenden „finanziellen Kraftanstrengungen immer auch die Gesamtbalance des Haushalts im Auge behalten“.
Für ihn ist es eine Zukunftsaufgabe, die knappen öffentlichen Ressourcen mit bestmöglicher Effektivität allen Kindern und Jugendlichen zugute kommen zu lassen – unabhängig von ihrer sozialen oder kulturellen Herkunft, ob mit oder ohne Behinderung. Die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention sei ohne eine gute Kooperation von Land, Stadt und Schule unmöglich. Für Hanau strebt Weiss-Thiel inklusive Schwerpunktschulen zunächst im Grundschulbereich an.
Erfolgreiche Bildungsbiographien ließen sich nur dann schreiben, wenn Kinder in eine Lebenswelt eingebettet seien, in der die ganze Vielfalt aus Familie, Nachbarschaft, Kindertagesstätte, Schule, Vereinen und Institutionen wirke. Oder wie es ein afrikanisches Sprichwort sage, so Axel Weiss-Thiel: Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen. Auch vor dem Hintergrund des wachsenden Fachkräftemangels „dürfen wir kein Kind, keinen Jugendlichen auf seinem Bildungsweg verlieren. Für einen guten Start biete die Stadt eine möglichst frühe Förderung der Bildungschancen und der sozialen Kompetenzen an, betont Uwe Triebel, Leiter des neuen Fachbereichs Bildung, Soziale Dienste und Integration. „Für gute Rahmenbedingungen von Anfang an“ sorgen seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Bereichen Familienbildung und Frühe Hilfen, Familien- und Jugendarbeit, Familien- und Jugendberatung, Kommunaler Sozialer Dienst, Sozial- und Wohnhilfe, Schulverwaltungsamt und Volkshochschule.
Geld für Jugendberufshilfe ist sehr gut angelegt
Sozialdezernent Weiss-Thiel lobt Vernetzung der Freien Träger mit Hanauer Schulen
Seit nunmehr sechs Jahren unterstützt die Stadt Hanau benachteiligte Jugendliche an allen Hanauer Haupt-, Förder- und Berufsbildenden Schulen im Übergang von der Schule in den Beruf. „Die 250.000 Euro für die Jugendberufshilfe sind sehr gut investiert“, attestierte Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel den Freien Trägern nach den obligatorischen Jahresgesprächen. Die in den achten Klassen ansetzende Berufswegeplanung trage deutlich dazu bei, die Chancen junger Menschen auf einen Ausbildungsplatz zu erhöhen.
„Angesichts des demografischen Wandels und des wachsenden Fachkräftemangels können wir es uns nicht mehr leisten“, so Stadtrat Weiss-Thiel, „dass junge Erwachsene die Schule ohne Abschluss verlassen.“ Für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Weiterentwicklung „sind wir auf das Potenzial der jungen Generation angewiesen“. Damit sich das voll entfalten könne, sie es wichtig, dass sich nicht allein eine Kommune, sondern auch die Wirtschaft zukünftig noch stärker für Bildung und Ausbildung engagiere.
Die Stadt Hanau leistet diesen Beitrag trotz knapper Finanzen. Ziel der Jugendberufshilfe ist es, Jugendliche dabei zu unterstützen, dass sie die Schule selbstbewusst mit möglichst klaren Vorstellungen ihres Berufswunsches und dem Wissen um ihre Stärken beenden. Das verfolgen im Auftrag der Stadt Hanau die Gesellschaft für Wirtschaftskunde (GfW), der Internationale Bund (IB), die Jugendwerkstatt Hanau und die Evangelische Fachstelle Jugendberufshilfe Hanau PILOT. Zentrale Informations- und Beratungsstelle sind die Hanauer Joblotsen im Jugendbildungs- und Kulturzentrum (JuBiKuz) Hans Böckler.
Das Angebot der Berufswegeplanung habe sich in den Schulen, Jugendeinrichtungen und Stadtteilzentren etabliert und werde von Schülern, Eltern und Lehrern geschätzt, nimmt Stadtrat Weiss-Thiel als Rückmeldungen wahr. Am Jahresende prüfe die Stadt als Geldgeberin gemeinsam mit den Kooperationspartner, „ob das Netzwerk trägt und gut in das System Schule eingebunden ist“. Auch für 2011 gab es wieder gute Noten für die Freien Träger, die insgesamt 2200 junge Leute in Gruppen- und Einzelgesprächen erreichten.
Eingebettet in die Schulgemeinde und vernetzt mit den anderen Akteuren in Sachen Berufswahl – insbesondere mit der Agentur für Arbeit – erhalten die Jugendlichen eine bedarfsgerechte Unterstützung. Dazu gehört unter anderem, mit ihnen ein individuelles Leistungs- und Eignungsprofil zu erstellen, Berufs- und Ausbildungswege aufzuzeigen sowie ein Bewerbungstraining. Ergänzt werden die dezentralen Angebote von den Hanauer Joblotsen im JuBiKuz, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis 27 Jahren bei der Berufsorientierung helfen, Praktika, Freiwilligendienste oder Weiterbildungsangebote im In- und Ausland vermitteln.
„Die Jugendberufshilfe bietet die Chance“, betont Axel Weiss-Thiel, „Jugendlichen als auch Eltern zu vermitteln, dass eine frühzeitige Berufsorientierung notwendig ist, um den Einstieg in die Arbeitswelt gut vorzubereiten.“ Die Beratungsangebote sind fester Bestandteil von Schule. Die pädagogischen Fachkräfte der Freien Träger sind in den Schulalltag integriert. Sie bringen ihre Kompetenz in Konferenzen ein und informieren bei Elternabenden. „Systematik, Professionalität, hohe Fachlichkeit sowie personelle Kontinuität sind der Garant für diesen Erfolg“, sagt Axel Weiss-Thiel. „Daran wollen wir zukünftig engagiert weiterarbeiten.“
Städtische Berufswegeplanung ist ein Erfolgsmodell
Die Förderung junger Menschen beim Übergang von der Schule in den Beruf liegt der Stadt Hanau besonders am Herzen. Deshalb gibt es seit fünf Jahren die städtische Berufswegeplanung, um Heranwachsende in den Schulen gezielt auf den Schritt in eine Berufsausbildung vorzubereiten.
Bildungs- und Beratungsangebote werden strukturiert, systematisch und kontinuierlich an die Klassen acht und neun an Haupt- und Förderschulen sowie an Berufsbildenden Schulen im Hanauer Stadtgebiet herangetragen, erste Kontakte bereits in den siebten Klassen geknüpft. Die Stadt Hanau gibt dafür jährlich rund 250.000 Euro aus. Sie finanziert mit diesem Geld auch die zentrale Informations- und Beratungsstelle „hanauer joblotsen“ mit Sitz im Jugendbildungs- und Kulturzentrum Hans Böckler am Sandeldamm.
Die Angebote werden professionell umgesetzt von der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung (GfW), dem Internationalen Bund (IB), der Jugendwerkstatt Hanau e.V. und der Evangelischen Fachstelle Jugendberufshilfe Hanau PILOT, die unter anderem in neun Schulen, zwei Stadtteilzentren und drei Jugendeinrichtungen aktiv sind. „Es hat sich bewährt, dass die Stadt bei der Berufswegeplanung auf den Sachverstand und die hohe Fachlichkeit von Partnern setzt, deren Kernkompetenz genau im benötigten Segment liegt“, so Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel.
Die jungen Leute erhalten nicht nur vielfältige Informationen, sondern können in Einzel- und Gruppenübungen ihre persönlichen Fähigkeiten und Stärken testen. In individuellen Auswertungsgesprächen werden die Ergebnisse gemeinsam besprochen und münden beispielsweise in der Unterstützung beim Verfassen von Bewerbungen für eine Ausbildungsstelle. Mit den regionalen Angeboten werden rund 1.000 Jugendliche in Gruppengesprächen und etwa 630 in Einzelgesprächen erreicht. Die Clearingstelle „hanauer joblotsen“ hilft durchschnittlich rund 570 Jugendliche weiter.
„Die von der Stadt unterstützte Berufswegeplanung macht aber nur dann Sinn“, betont Weiss-Thiel, „wenn die Angebote mit dem System Schule kompatibel sind und bereits existierende schulische Programme sinnvoll ergänzen.“ Dass die Stadt und ihre Kooperationspartner auf einem guten Weg sind, zeige nicht zuletzt eine gelungene gemeinsame Veranstaltung der freien Träger mit Schulleitungen und den mit Berufsorientierung Betrauten der Hanauer Schulen.
Klar wurde dabei: Die Angebote sind etabliert, sei es in Schulcurricula, im Regelunterricht, in Schulkonferenzen oder der Elternarbeit. Für die positiven Erfahrungen in den Haupt- und Förderschulen sowie in den Berufsbildenden Schulen interessieren sich mittlerweile auch die Leitungen von Realschulen und Gymnasien. Aufgrund der langjährigen systematischen Arbeit im Rahmen der Berufswegeplanung wurde auch für andere qualifizierte Angebote der Berufsfindung der Weg in die Schulen geebnet.
Als ein Beispiel wurde die hessenweite Strategie „OloV“ (Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit) genannt. In einem Netzwerk mit Ausbildungspartnern, Schulen und örtlichen Akteuren werden – finanziert mit Landes- und EU Mitteln- bestehende Informations- und Angebotsstrukturen gestärkt und gehen somit „Hand in Hand“ mit der städtischen Berufswegeplanung.
Die Berufswegeplanung ist nach Einschätzung von Stadtrat Weiss-Thiel unverzichtbar. „Wir werden uns auf den bisherigen Erfolgen nicht ausruhen“, fügt er hinzu. „Ziel ist es, Jugendliche noch früher und gezielter zu erreichen, zu informieren und gemeinsam mit den Eltern an die Hand zu nehmen. Jeder junge Mensch hat eine faire Chance auf einen für ihn passenden Ausbildungsplatz, niemand soll auf der Strecke bleiben.“
Tiefergehende Ergebnisse sowohl der Auswertungsgespräche mit den freien Trägern als auch mit den beteiligten Hanauer Schulen wurden im Rahmen der Sitzung des Jugendhilfeausschusses im Jugendbildungs- und Kulturzentrum Hans Böckler den städtischen Verantwortlichen sowie der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt.
Auch Anmeldungen zu den Kursen sind über das Internet möglich.
