Hanau für Familien

Sommer-Schließungszeiten der städtischen Kindertageseinrichtungen
„Familientagesbetreuung hoch geschätzt“
Die ersten Zeitbrücken hat Hanau gebaut
Weiss-Thiel: Betreuungsgeld ist Geldverschwendung
Familien- und Jugendberatung genießt viel Vertrauen

Sommer-Schließungszeiten der städtischen Kindertageseinrichtungen

  Sommer-Schließungszeiten 2012 Dateigröße
Dateisymbol Schließung der Einrichtungen während der Sommerferien 2012 11.5kb

„Familientagesbetreuung hoch geschätzt“

Zehn neue Tagesmütter und -väter qualifiziert – Stadtweit ingesamt 186 Plätze
„Wir brauchen beim Ausbau der U3-Plätze in Hanau Ihre Unterstützung“. Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel äußerte bei der Übergabe der Zertifikate an zehn neue Tagesmütter und -väter seine Wertschätzung für die wichtige Arbeit mit den Jüngsten. 62 Frauen und Männer stellen jetzt stadtweit insgesamt 186 Plätze in der Familientagesbetreuung sicher.
Von einem „wunderbaren Netzwerk, in dem die Kinder und ihre Familien die Hauptrolle spielen“, sprach Brigitte Rodriguez, Leiterin des Eigenbetriebs Kindertagesbetreuung. Bei der Betreuung von Kindern unter Drei fährt die Stadt Hanau zweigleisig. Berufstätige Eltern und Alleinerziehende können ihre Sprösslinge zu einer der 58 Tagesmütter oder einem der vier Tagesväter oder in eine städtische Betreuungseinrichtung geben. „Sie zahlen jeweils die gleichen Gebühren“, sagte Stadtrat Axel Weiss-Thiel „und bekommen dafür Betreuung von hoher Qualität.“
Stadtrat Axel Weiss-Thiel inmitten der neuen Tagesmütter und Tagesväter und ihren Schützlingen im Garten der Familientagesstätte Steinheim
Stadtrat Axel Weiss-Thiel inmitten der neuen Tagesmütter und Tagesväter und ihren Schützlingen im Garten der Familientagesstätte Steinheim.

Seit die Kindertagespflege im Jahr 2005 per Gesetz neu strukturiert wurde, sind auch die Anforderungen an die Qualifizierung der Betreuungspersonen gestiegen. „Unsere Messlatte liegt dabei immer ganz oben“, betonte der Sozialdezernent. 182 Unterrichtseinheiten mussten die jüngst ausgebildeten Frauen und Männer absolvieren. Bildungsträger mit Gütesiegel war die Volkshochschule Offenbach, die sich an den bundesweit anerkannten Qualitätsstandards des Deutschen Jugendinstituts orientiert, einem sozialwissenschaftlichen Forschungsinstitut im Bereich Kinder, Jugendliche und Familien.
Der Grundkurs umfasst Themen wie frühkindliche Entwicklung und Bildung, Gesundheit, Ernährung und Pflege und schließt mit einer Prüfung ab. Das Servicebüro Familientagesbetreuung überprüft vor dem Erteilen der Pflegeerlaubnis unter anderem den Wohn- und Lebensraum für die künftigen Schützlinge. Die Tagesbetreuungspersonen bilden örtliche Stadtteilgruppen, die fachlich vom Servicebüro begleitet werden und außerdem mit ausgewählten Kindertagesstätten kooperieren, in denen sie sich zum regelmäßigen Erfahrungsaustausch treffen.
„Wir verlangen viel von Ihnen“, so der Stadtrat, „Qualität, Verbindlichkeit, Kooperationsbereitschaft und ein großes Herz für Kinder.“ Denn wenn sich eine aufstrebenden Stadt wie Hanau Familienfreundlichkeit auf die Fahne schreibe, „müssen wir qualitativ hochwertige Strukturen anbieten, in denen sich Beruf und Familie gut vereinbaren lassen“. Die Kosten von rund 18.000 Euro für die jüngste Qualifizierung seien gut angelegt. Der Eigenbetrieb freut sich über eine Zuwendung von 7500 Euro aus dem Aktionsprogramm Kindertagespflege des Bundesfamilienministeriums und des Europäischen Sozialfonds.
Das Servicebüro ist stets an Frauen und auch Männern interessiert, die sich in der Familientagesbetreuung engagieren wollen. Ansprechpartnerinnen sind Claudia Joachim (06181/6101912), Marianne Lindenau (06181/6101911) und Maria Weismantel (06181/6101913).

Die ersten Zeitbrücken hat Hanau gebaut

Bundesweit Vorreiterin für Projekte zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie
„Wir bauen Zeitbrücken“. Dieses Motto des bundesweiten Aktionstages der Lokalen Bündnisse für Familie am 15. Mai hat seinen Ursprung in Hanau. „Wir waren die erste Kommune in Deutschland, die modellhaft Zeitbrücken entwickelt hat, damit Eltern und Alleinerziehende Beruf und Familie einigermaßen stressfrei vereinbaren zu können“, betont Oberbürgermeister Claus Kaminsky. Die Ideen und Lösungsansätze hat Hanaus Frauenbeauftragte Imke Meyer vielfach auf nationalen und internationalen Konferenzen präsentiert, erst jüngst auf Einladung des Bundesfamilienministeriums vor Stadtoberhäuptern in Berlin, in deren Kommunen das Thema Familie und Zeit modellhaft umgesetzt werden soll.
Ein Zeiten-Projekt in Italien, das die Alltagshektik vor allem für Familien mindern wollte, gab vor der Jahrtausendwende die Initialzündung für das Hanauer Frauenplenum, dieses Thema auch in der Brüder-Grimm-Stadt zu setzen. Imke Meyer gewann Menschen aus der Wirtschaft, der Industrie- und Handelskammer, aus Gewerkschaften und Wohlfahrtsverbänden dafür, gemeinsam Modelle zu entwickeln, um die verschiedenen Zeittakte des Alltags – Kindergarten, Schule, Arztbesuche, einkaufen und arbeiten - besser zu synchronisieren. Um von den Zeitnöten und -wünschen der Menschen zu erfahren, wurde im Jahr 1998 eine umfangreiche Zeituntersuchung auf den Weg gebracht. 5000 Fragebögen wurden an berufstätige Frauen verteilt. Der Rücklauf war mit 1300 überraschend groß, erinnert sich die Frauenbeauftragte. „Wir hatten offensichtlich einen Nerv der Zeit getroffen“. Die Ergebnisse verdeutlichten und fassten in Zahlen, was viele vorher gefühlt hatten: Für die große Mehrheit, insbesondere für berufstätige Frauen, ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein ständiger Hindernislauf.
Oberbürgermeister Claus Kaminsky. Oberbürgermeister Claus Kaminsky.

Nicht nur bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, auch bei den Arbeitgebern, kam das Konzept für eine „zeitbewusste Stadt“ an. Im Jahr 2000 wurde in Hanau der bundesweit erste Vertrag zwischen einer Kommune und einem Wirtschaftsunternehmen – der Firma Heraeus - geschlossen, die „Notfallbetreuung für Kindern von Beschäftigten“ anboten. In der Stadtverwaltung wurde das Audit Beruf und Familie implementiert, im Öffentlichen Personennahverkehr Anschlusszeiten besser aufeinander abgestimmt.
„Wir wurden zu einem Leuchtturm, auf den auch die Bundesregierung und die Europäische Union aufmerksam wurden“, erinnert sich der Oberbürgermeister. Das Bundesfamilienministerium und die EU-Kommission finanzierten im Jahr 2004 die Entwicklung der Modellprojekte Zeitbrücken, Zeitinseln und Zeitfenster, damit andere Städte und Gemeinden von Hanau lernen konnten. „Denn die Probleme, die wir in unserer Stadt sichtbar gemacht haben“, so Kaminsky, „gibt es in allen Kommunen mit einer ähnlichen Gesellschafsstruktur“ – mit einer hohen Zuwanderungsrate, mit vielen jungen Familien ohne soziale und familiäre Netze.
Um für berufstätige Mütter Randzeiten in der Kinderbetreuung und Zeiten für Fortbildung abzudecken, Eltern und Alleinerziehenden freie Zeit zu schenken, Familien, in denen Großeltern fehlen, Kontakte zu „Leih-Omas und -Opas“ zu ermöglichen oder pflegenden Angehörigen eine Verschnaufpause zu verschaffen, für all das braucht es Menschen, die Zeit verschenken wollen. „Wir haben Seniorinnen und Senioren gesucht und gefunden“, so Imke Meyer, „die bereit sind, die vielen Zeitlücken zu schließen, die das Leben von Familien und Alleinerziehenden erschweren.“ Erleichterung brachten auch öffentliche und private Dienstleister, die ihre Servicezeiten besser an die Bedürfnisse von Familien anpassten.
Welch hohen Stellenwert das Thema Zeit und Familie in einer zukunftsfähigen Familienpolitik hat, beweist nach Ansicht von Claus Kaminsky die Tatsache, dass im achten Familienbericht der Bundesregierung, der 2011 beschlossen wurde, inhaltlich alle Hanauer Projekte aufgegriffen wurden.

Weiss-Thiel: Betreuungsgeld ist Geldverschwendung

Kinder am Frühstückstisch
Kinderbetreuung in Hanau richtet sich nicht nach theoretischen Zielvorgaben, sondern orientiert sich an der tatsächlichen Nachfrage

Der Staat muss in qualitativ hochwertige Betreuungseinrichtungen für alle Kinder investieren, statt Betreuungsgeld nach dem Gießkannenprinzip zu verschwenden“, betont Hanaus Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel. Mit diesem „sozial- und familienpolitisch völlig verfehlten Steuerungsinstrument“, davon ist er überzeugt, würden gerade die Kinder der Kita fernbleiben, die diese am nötigsten hätten.
Einkommensstarke Schichten bedürften des Betreuungsgeldes nicht. Für normal verdienende Arbeiternehmer-Familien stünden in der Brüder-Grimm-Stadt 452 U3-Plätze zur Verfügung, darunter 154 in der Tagespflege. Der Stadtrat sieht die Gefahr, dass das Betreuungsgeld in bildungsfernen Elternhäusern den Anreiz verstärken könnte, „die Kinder im eigenen Milieu zu belassen statt sie in eine Kita mit ihrer Vielzahl von Anregungen und Fördermöglichkeiten zu schicken“. Er warnt deshalb vor einer „Prämie fürs Zuhausebleiben“.
Der Ausbau der Kinderbetreuungsplätze habe für die Stadt Hanau trotz knapper Finanzen oberste Priorität und werde stetig vorangetrieben, damit Eltern und Alleinerziehende Beruf und Familie gut vereinbaren können. So wird am 24. November die neue Kita Nordwest mit rund 100 Plätzen für Kinder zwischen drei bis 14 Jahren offiziell eröffnet .
„Wir richten uns bei unseren Ausbauplanungen nicht nach den theoretischen Zielvorgaben aus Berlin, sondern orientieren uns an der tatsächlichen Nachfrage“, so Axel Weiss-Thiel. Im Bereich unter Drei liegt der Versorgungsgrad aktuell bei knapp 19 Prozent, für 2012 werden rund 23 Prozent angestrebt, für 2013 rund 25 Prozent. Bislang habe der Bedarf nach Plätzen für Kleinkinder immer gedeckt werden können. Eine Quote von 35 Prozent mit umgerechnet 863 Plätzen in zwei Jahren zu erreichen sei ohne einen finanziellen Ausgleich durch Bund oder Land nicht zu schaffen. „Wir brauchen als Kommune mehr Freiheit im Ausbau der Plätze für die Kindertagesbetreuung und weniger kostenträchtige Vorgaben vom Gesetzgeber“, fordert der Sozialdezernent.
Der Stadtrat sieht das Problem bei der Kinderbetreuung an einer ganz anderen Stelle: „Noch können wir als attraktive Arbeitgeberin unser Erzieherinnen- und Erzieherstellen mit gut ausgebildeten Frauen und Männern besetzen. Doch irgendwann trifft auch uns der immer stärker werdende Mangel an diesen pädagogischen Fachkräften.“

Familien- und Jugendberatung genießt viel Vertrauen

„Wir wollen mit der städtischen Familien- und Jugendberatung (FJB) Elternkompetenzen stärken, ohne dabei den moralisierenden Zeigefinger zu erheben“. So umreißt Hanaus Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel das vornehmliche Ziel der städtischen Beratungsstelle. Im Jahr 2010 erreichte die FJB fast 700 Familien. Das wertet Weiss-Thiel als „Vertrauensbeweis in unser Angebot“. Dies vor allem auch deswegen, weil unter diesen Ratsuchenden einige sind, die schon als Kinder mit ihren Eltern Hilfe am Sandeldamm suchten.
Der Beratungsbedarf ist nach den Worten von FJB-Leiter Wolfgang E.K. Reis im vergangenen Jahrzehnt deutlich gestiegen, von jährlich 450 auf jetzt annährend 700 Familien - entsprechend der Einwohnerzahl übrigens verteilt auf alle Stadtteile.
Darunter sind mittlerweile fast 50 Prozent mit Wurzeln außerhalb Deutschlands. Reis erklärt dies zum einen damit, dass bei Migranten in den Familien die Probleme denen von Deutschen gleichen. Das heißt, Trennungen und Scheidungen mit Belastungen für die betroffenen Kinder nehmen zu; Grenzen- und Respektlosigkeit von Kindern und insbesondere Jugendlichen mehren sich; ein wachsender und oft kritikloser Medienkonsum „entführt“ die Heranwachsenden in eine virtuelle Welt und bringt die Gefahr mit sich, immer weniger Zeit für nötige Erfahrungen und Begegnungen in der realen Welt zu haben. Hinzu kommt, dass die FJB wegen ihrer muttersprachlich Beratenden bei Migratenfamilien Hemmschwellen abzubauen vermag.

Stadtrat Axel Weiss-Thiel Stadtrat Axel Weiss-Thiel
Eine Hauptursache für die steigende Beratungsnachfrage sieht Stadtrat Weiss-Thiel in der sich verändernden Arbeitswelt. „Wer heute Hartz IV vermeiden will und daher beispielsweise als Verkäuferin ungünstige Arbeitszeiten abends und wochenends in Kauf nehmen muss, der spürt die Auswirkungen auf die eigenen Kinder“, erklärt er. Die sind dann auf sich allein gestellt, weil es zu solchen Tageszeiten kaum noch Betreuungsangebote staatlicher oder freier Träger gibt. Und wer als Alleinerziehende erschöpft nach Hause komme, der fehle oft die Energie zur Auseinandersetzung. Die aber gehört gerade in der Pubertät zum familiären Alltag, da für Jugendliche die Eigenständigkeit und sich abgrenzen zu wollen zunehmend wichtiger wird. Der Kommentar von Weiss-Thiel: „So schön das gesellschaftliche Ziel ist, Menschen über ihre Arbeit finanziell wieder auf eigene Beine zu stellen – das hat auch seine Schattenseiten“.
Ebenso wirken sich veränderte Schulzeiten nach Ansicht von FJB-Leiter Reis teils negativ auf belastete Familien aus. G8 und Nachmittagsunterricht führten zu „immer weniger Zeit stress- und konfliktfrei miteinander in Beziehung zu treten“. Für Vereinsleben oder anderweitige Freizeitbeschäftigungen bleibe kaum noch Freiraum. Knappe Zeit erschwere zusehends auch formalisierte Kontakte zu getrennt lebenden Vätern; Besuche etwa alle zwei Wochenenden funktionieren dann häufig nicht mehr. „Wir versuchen daher, in anderen kurzen Abständen vereinbarte und vorhersehbare Treffen zu organisieren“, schildert Reis aus der alltäglichen Beratungspraxis für Familien in Trennungs- und Scheidungssituationen.
Wie aber lässt sich die Erziehungskompetenz von Eltern stärken? „Erziehung zur Selbstverantwortung heißt, immer wieder mit den eigenen Kindern Vereinbarungen auszuhandeln“, rät Reis. Das sei „mühsam, aber lohnend“. Dabei hilft die FJB vielfältig und vermittelt schon jungen Eltern in eigenen Kursen, wie die Kontaktaufnahme und eine sichere Bindung mit dem Kind gelingt.
Stadtrat Weiss-Thiel würdigt die Arbeit der FJB als „unverzichtbaren Beitrag zum sozialen Frieden in Hanau“. Dazu trage auch bei, dass sie eng mit Hanauer Kindertagesstätten, Schulen sowie anderen Beratungsstellen und Hilfeeinrichtungen zusammenarbeite. Die stets steigende Nachfrage mit dem bestehenden Personal professionell zu bewältigen, sei ein weiteres Gütesiegel. Dass hier sinnvoll gewirtschaftet und fachlich vorbildlich gearbeitet werde, habe sogar in einer vergleichenden Untersuchung der Landesrechnungshof der FJB als „Best-Practice-Beispiel“ bescheinigt.
Die Familien- und Jugendberatung am Sandeldamm 21 ist montags bis freitags von 9 bis 13 Uhr erreichbar sowie montags bis donnerstags von 14 bis 17 Uhr. Telefonische Terminvereinbarungen erfolgen unter der Nummer 06181/187530 oder per E-Mail:

E-Mail

Eine offene Sprechstunde ohne Voranmeldung findet dienstags von 9 bis 10.30 Uhr statt.
Weitere Informationen:

fjb-hanau.de

Spukie In Truhe

Familien Erlebnisführung: Auf den Spuren Spukis - Hanaus Geschichte erleben - Museen der Stadt Hanau

Auf den Spuren Spukis