Gesellschaft & Soziales
Im Miteinander Vorurteile abbauen
Religion steht bei ihnen auf dem Stundenplan. Doch richtig begreifbar werden Christentum und Islam erst in der Begegnung mit den Menschen, die diese Religionen im Alltag leben – und sich gegenseitigen Respekt wünschen. Diese Erfahrung machen 18 muslimische und katholische Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren, die an einem Integrationsprojekt teilnehmen, das von der Stadt und der Pfarrgemeinde Heilig Geist im Stadtteil Lamboy-Tümpelgarten initiiert wurde. Für Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel sind die jungen Leute „vorbildhafte Brückenbauer, die den sozialen Zusammenhalt in unserer Stadtgesellschaft fördern“.
„Die Kirchengemeinde und der Lamboypark sind nur wenige Meter voneinander entfernt und doch kannten wir uns nicht, hatten keinen Kontakt, waren uns fremd“, erinnert sich die Initiatorin Undine Möbus. Sie ist Sozialarbeiterin in der städtischen Jugendeinrichtung und zusammen mit der katholischen Gemeindereferentin Brigitte Tabor für das Projekt verantwortlich. Unterstützt werden sie dabei von der Stabsstelle Prävention.
Seit gut einem Jahr tauschen sich muslimische Jugendliche und Messdiener der katholischen Kirche Heilig Geist regelmäßig über Geschichten, Rituale und Konfliktpotenziale ihrer jeweiligen Religion aus, lesen gemeinsam im Koran und in der Bibel. Sie besuchten eine Moschee und einen katholischen Gottesdienst, einen buddhistischen Tempel und die Synagoge in Hanau und Frankfurt. „Nur was ich kenne, kann ich respektieren“, sagt Mehmet. Wie Menschen anderer Kulturen ihren Glauben praktizieren, welche Feste sie feiern, das interessiert die Jugendlichen. Für Kevin, der in eine Klasse mit vielen Nationen geht – „mein bester Freund ist Türke“ - ist die Erkenntnis wichtig, „dass nur das Wissen übereinander Vorurteile abbauen hilft.“ Für ihn war es „total spannend“, in eine Moschee zu gehen. Das habe ihn immer schon gereizt, aber er habe sich nicht getraut, seinen Freund deswegen anzusprechen.
Im Gegenzug staunten die Anderen in der Jugendgruppe nicht schlecht, als ihnen Kevin im Messdiener-Gewand seine Aufgaben erläuterte. Mizgin mischt sich manchmal auf dem Pausenhof ein, „wenn schlecht über Türken geredet wird. Ich habe deshalb schon mal erklärt, dass es die zehn Gebote im Christentum und im Islam gibt“, erzählt die 14-Jährige. „Sie haben mir interessiert zugehört““, stellte sie mit Erstaunen fest. Für Stadtrat Weiss-Thiel sind es genau diese Begegnungen, „die dazu beitragen, Ressentiments gegenüber dem vermeintlich Fremden abzubauen. Und dazu braucht es das Reden miteinander und nicht übereinander.“ Kindertagesstätten, Schulen, Sport- und Spielplätze seien Räume, in denen sich ein Klima gegenseitiger Achtung und Toleranz entwickeln könne. „Die jungen Leuten aus dem Lamboy sind der Beweis, dass es möglich ist.“
Das Vertrauen zwischen den Jugendlichen, die sich alle als religiös bezeichnen, ist in dem einen Jahr gewachsen. Sei es beim Schlittschuhlaufen oder bei einem Fußballspiel gegen Hanauer Polizeibeamten im Vorfeld einer Gesprächsrunde über Jugendkriminalität. Mizigin, Lokman, Mehmet, Kevin, Xemgin und Stephanie, die sich vor dem Projekt „nur so vom Sehen“ kannten, brechen im Mai mit weiteren Gruppenmitgliedern sowie Undine Möbus und Brigitte Tabor zu einer Bildungsreise nach Berlin auf. Fünf Tage Politik, Kultur und Spaß in der Bundeshauptstadt, selbst finanziert, wie sie betonen. Beispielsweise beim Verkauf von Weihnachtsplätzen vor der Kirche Heilig Geist oder beim Gestalten einer Sitzgruppe im Lamboypark, für die sie einen kleinen Stundenlohn kassierten.
Durch das Integrationsprojekt hat sich nicht nur die Einstellung der Jugendlichen gegenüber fremden Kulturen verändert. Auch Brigitte Tabor hat „neue Einsichten gewonnen“, wie sie sagt. Bereichernd fand sie das Treffen mit muslimischen Frauen, die sie im Rahmen der Hanauer Frauenwochen einluden, über das christliche Frauenbild zu sprechen. „Dazu habe ich dann auch eine Ordensschwester mitgenommen.“ Die Gemeindereferentin erinnert sich an den „respektvollen Umgang miteinander, das aufmerksame Zuhören“. Eine Diskussion sei an diesem Abend zwar noch nicht zustande gekommen, doch für das nächste Jahr fest vereinbart worden.
Für Undine Möbus , die schon viele Jahre Integrationsarbeit im Lamboypark und im Nachbarschaftshaus Lamboy Tümpelgarten leistet, ist das Projekt inzwischen „Alltag und eine Herzenssache“.
„Wir sind bei den Menschen im Quartier angekommen“
Mehrgenerationenhaus Fallbach für das Aktionsprogramm II des Bundes ausgewählt
Das im Frühjahr 2010 eröffnete Mehrgenerationenhaus (MGH) Fallbach gehört zu den 450 Einrichtungen bundesweit, die auch im kommenden Jahr wieder vom Bundesfamilienministerium mit 30 000 Euro aus dem Aktionsprogramm II gefördert werden. Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel freut sich, „dass wir durch diesen Zuschuss die Angebote in den zwei wichtigen Bereichen Bildung und Entlastung von Angehörigen von Demenzkranken weiter ausbauen können“.
Das Haus in der Reichenberger Straße ist das jüngste kommunale Stadtteilzentrum in Hanau und das erste, das sich neben der Bildungsarbeit als zweitem Schwerpunkt im Aktionsprogramm dem Themenfeld Demenz widmet. Im Café Auszeit bietet ein von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft geschultes Team seit Mai 2010 einmal im Monat Angehörigen von Demenzkranken den Raum, sich auszutauschen, während die von der Krankheit Betroffenen professionell betreut werden. Neu aufgestellt wird für 2012 ein Betreuungsangebot jeden Dienstag von 15 bis 17.30 Uhr, um pflegende Angehörige zu entlasten. Die Kosten können mit den Pflegekassen abgerechnet werden.
Das barrierefreie Mehrgenerationenhaus in der Reichenberger Straße 59 im Stadtteil Nordwest „ist bei den Menschen im Quartier angekommen“, nimmt dessen Leiter Dieter Kliem wahr. 150 bis 200 Gäste gehen jede Woche ein und aus, die jüngsten können gerade krabbeln, der ältesten sind fast 90 Jahre alt und mögen besonders die gemütliche Atmosphäre im von Licht durchfluteten Kaffeehaus. Der Anteil der Besucher mit ausländischen Wurzeln liegt bei knapp 60 Prozent. „Das hängt mit den vielen Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund zusammen, die aus den umliegenden Wohnblocks zu uns kommen“, erklärt Dieter Kliem.
Deren Mütter und Väter schätzen vor allem die Bildungsangebote im Mehrgenerationenhaus wie die sozialpädagogische Hausaufgabenbetreuung für Fünft- bis Neuntklässler dreimal in der Woche. Grundschülern hilft das Team im benachbarten evangelischen Kinderhaus Regenbogen. Weil der Bedarf an Unterstützung in Mathematik und Deutsch vor allem in den Klassen drei und vier sowie sieben und acht groß ist, steckt das MGH-Team Geld aus dem Aktionsprogramm II in spezielle Lernwochen in den Sommer- und Weihnachtsferien. „Die Rückmeldungen nach dem ersten fünftägigen Intensivkurs waren positiv“, sagt Kliem.
Noch ausbaufähig ist die Zahl der Teilnehmerinnen im Deutschkurs für Migrantinnen. Acht Mütter lernen alltagstaugliches Deutsch. Der Kontakt zu ihnen kam in den Vorlaufkursen der Erich-Kästner-Schule zustande. Gut vernetzt ist das MGH auch mit dem städtischen Seniorenbüro, das unter anderem das beliebte Erzählcafé organisiert. Für die im Haus verortete Nachbarschaftshilfe Nordwest werden weitere Akteure gesucht.
Ein wichtiges Merkmal eines Mehrgenerationenhauses ist das Einbeziehen freiwillig Engagierter aller Generationen. „Das Potenzial im Quartier Nordwest ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft“, ist sich Axel Weiss-Thiel sicher. „Die Menschen in dem in der Vergangenheit von einer hohen Fluktuation geprägten Viertel finden erst allmählich zueinander“, vermutet Stadtrat Weiss-Thiel. Das Mehrgenerationenhaus sei ein Ort der Begegnung, in dem sich Hauptamtliche und Ehrenamtliche für ein Wir-Gefühl im Quartier einsetzten, in dem es generationsübergreifende, aber auch altersspezifische Angebote gebe sowie Rat und Unterstützung bei familiären Problemen.
Wenn Not an Mann oder Frau ist, sei es um eine kaputte Lampe an einem Fahrrad zu reparieren, ältere Menschen zum Arzt zu begleiten oder ihnen die Gardinen aufzuhängen, können Dieter Kliem und seine Kolleginnen Greta Rebentisch, Silke May, Bianca Gleim und Anne Gieles in den meisten Fällen auf Freiwillige zurückgreifen, die solche kleinen Dienste gerne übernehmen. „Stadtteilarbeit ist Beziehungsarbeit“, sagt Kliem. „Und wir spüren, dass unsere Arbeit Früchte trägt.“
Das im Frühjahr 2010 eröffnete Mehrgenerationenhaus (MGH) Fallbach gehört zu den 450 Einrichtungen bundesweit, die auch im kommenden Jahr wieder vom Bundesfamilienministerium mit 30 000 Euro aus dem Aktionsprogramm II gefördert werden. Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel freut sich, „dass wir durch diesen Zuschuss die Angebote in den zwei wichtigen Bereichen Bildung und Entlastung von Angehörigen von Demenzkranken weiter ausbauen können“.
Das Haus in der Reichenberger Straße ist das jüngste kommunale Stadtteilzentrum in Hanau und das erste, das sich neben der Bildungsarbeit als zweitem Schwerpunkt im Aktionsprogramm dem Themenfeld Demenz widmet. Im Café Auszeit bietet ein von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft geschultes Team seit Mai 2010 einmal im Monat Angehörigen von Demenzkranken den Raum, sich auszutauschen, während die von der Krankheit Betroffenen professionell betreut werden. Neu aufgestellt wird für 2012 ein Betreuungsangebot jeden Dienstag von 15 bis 17.30 Uhr, um pflegende Angehörige zu entlasten. Die Kosten können mit den Pflegekassen abgerechnet werden.
Das barrierefreie Mehrgenerationenhaus in der Reichenberger Straße 59 im Stadtteil Nordwest „ist bei den Menschen im Quartier angekommen“, nimmt dessen Leiter Dieter Kliem wahr. 150 bis 200 Gäste gehen jede Woche ein und aus, die jüngsten können gerade krabbeln, der ältesten sind fast 90 Jahre alt und mögen besonders die gemütliche Atmosphäre im von Licht durchfluteten Kaffeehaus. Der Anteil der Besucher mit ausländischen Wurzeln liegt bei knapp 60 Prozent. „Das hängt mit den vielen Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund zusammen, die aus den umliegenden Wohnblocks zu uns kommen“, erklärt Dieter Kliem.
Deren Mütter und Väter schätzen vor allem die Bildungsangebote im Mehrgenerationenhaus wie die sozialpädagogische Hausaufgabenbetreuung für Fünft- bis Neuntklässler dreimal in der Woche. Grundschülern hilft das Team im benachbarten evangelischen Kinderhaus Regenbogen. Weil der Bedarf an Unterstützung in Mathematik und Deutsch vor allem in den Klassen drei und vier sowie sieben und acht groß ist, steckt das MGH-Team Geld aus dem Aktionsprogramm II in spezielle Lernwochen in den Sommer- und Weihnachtsferien. „Die Rückmeldungen nach dem ersten fünftägigen Intensivkurs waren positiv“, sagt Kliem.
Noch ausbaufähig ist die Zahl der Teilnehmerinnen im Deutschkurs für Migrantinnen. Acht Mütter lernen alltagstaugliches Deutsch. Der Kontakt zu ihnen kam in den Vorlaufkursen der Erich-Kästner-Schule zustande. Gut vernetzt ist das MGH auch mit dem städtischen Seniorenbüro, das unter anderem das beliebte Erzählcafé organisiert. Für die im Haus verortete Nachbarschaftshilfe Nordwest werden weitere Akteure gesucht.
Ein wichtiges Merkmal eines Mehrgenerationenhauses ist das Einbeziehen freiwillig Engagierter aller Generationen. „Das Potenzial im Quartier Nordwest ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft“, ist sich Axel Weiss-Thiel sicher. „Die Menschen in dem in der Vergangenheit von einer hohen Fluktuation geprägten Viertel finden erst allmählich zueinander“, vermutet Stadtrat Weiss-Thiel. Das Mehrgenerationenhaus sei ein Ort der Begegnung, in dem sich Hauptamtliche und Ehrenamtliche für ein Wir-Gefühl im Quartier einsetzten, in dem es generationsübergreifende, aber auch altersspezifische Angebote gebe sowie Rat und Unterstützung bei familiären Problemen.
Wenn Not an Mann oder Frau ist, sei es um eine kaputte Lampe an einem Fahrrad zu reparieren, ältere Menschen zum Arzt zu begleiten oder ihnen die Gardinen aufzuhängen, können Dieter Kliem und seine Kolleginnen Greta Rebentisch, Silke May, Bianca Gleim und Anne Gieles in den meisten Fällen auf Freiwillige zurückgreifen, die solche kleinen Dienste gerne übernehmen. „Stadtteilarbeit ist Beziehungsarbeit“, sagt Kliem. „Und wir spüren, dass unsere Arbeit Früchte trägt.“
Pflegefamilien gesucht!
Pflegefamilien springen ein, wenn Vater und Mutter als Eltern ausfallen, mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert sind oder die familiären Gegebenheiten das Kindeswohl zu gefährden drohen. Der Hessische Rundfunk hat eine Hanauer Pflegefamilie interviewt, um in der Öffentlichkeit dafür zu werben, sich ebenfalls als Vater und Mutter auf Zeit zu engagieren.
