Inklusion

Stadtrat Weiss-Thiel initiiert Inklusionsbeirat
Barrieren im Kopf abbauen
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Stadtrat Weiss-Thiel initiiert Inklusionsbeirat

Arbeitsgruppen beschäftigen sich mit Bildung und Mobilität
Wie aufgeräumt muss eine Fußgängerzone sein, damit sich in ihr auch Blinde und Rollstuhlfahrer gefahrlos bewegen können? Welche personellen und baulichen Voraussetzungen braucht eine Schule, in der Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam lernen können? Mit diesen und vielen anderen Fragen beschäftigt sich der Inklusionsbeirat, den Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel für die Stadt Hanau initiiert hat.
„Wir können Inklusion in Hanau nur umsetzen, wenn wir Verbände und Interessenvertretungen mit ins Boot holen, um das Thema mit ihnen zu diskutieren und von ihrer Fachkompetenz zu profitieren“, betonte Stadtrat Weiss-Thiel beim ersten Treffen des Inklusionsbeirats im Jugendbildungs- und Kulturzentrum Hans Böckler.
Stadtrat Axel Weiss-Thiel Stadtrat Axel Weiss-Thiel

Die Akteure aus Stadtverwaltung, Eigenbetrieben und Staatlichem Schulamt wollen sich gemeinsam mit Behindertenvertretungen, Sozialverbänden, den Kirchen, der Agentur für Arbeit und Kommunalpolitikern auf den Weg machen, dass Menschen mit und ohne Behinderung an der Gesellschaft teilhaben können, sich eingeschlossen (lateinisch inclusio) und dazu gehörig fühlen.
Aus dem Entwurf des Hessischen Aktionsplans zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention ergeben sich für Kommunen Arbeitsaufträge für die nächsten Jahre und Jahrzehnte. „Wir stehen beim Thema Inklusion erst am Anfang eines Prozesses, an dessen Ende“, so die Hoffnung von Axel Weiss-Thiel, „eine barrierefreie Lebenswelt steht“.
Der Inklusionsbeirat konzentriert sich zunächst in zwei Arbeitsgruppen auf die Bereiche Bildung und Schule sowie Mobilität und öffentlichen Straßenraum. Alle Schulen in kürzester Zeit in inklusive Schulen umzuwandeln hält der Stadtrat für nicht realisierbar. Er favorisiert sogenannte Schwerpunktschulen, wie sie auch im Aktionsplan beschrieben sind und wird deshalb den Eigenbetrieb Immobilien und Baumanagement beauftragen, den Sachstand zu ermitteln, an welchen der 15 Grundschulen durch Umbaumaßnahmen inklusiver Unterricht möglich wäre. Nicht zu vergessen die Klärung, welches Kollegium bereit wäre, sich auf den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern einzulassen.
Beim Staatlichen Schulamt gebe es schon eine entsprechende Arbeitsgruppe, berichtete Schulamtsdirektorin Sylvia Ruppel. „Wir wollen eine kooperative Zusammenarbeit zwischen Staatlichem Schulamt und den Schulträgern Hanau und Main-Kinzig-Kreis.“
Die Neuauflage des Schulentwicklungsplans für die Jahre 2012 bis 2017 und des Entwicklungsplans zur Kindertagesbetreuung 2013 bis 2018 sind nach den Worten Weiss-Thiels „zwei große Planungsprozesse, in denen die Fachkompetenz des Inklusionsbeirats ebenfalls gefragt ist“.
Das gilt auch für den Nahverkehrsplan 2013 bis 2018, an dem die Arbeitsgruppe Mobilität und öffentlicher Straßenraum mitwirken soll. „Barrierefreiheit ist in der Städteplanung längst Standard“, versicherte der Leiter des Stadtplanungsamtes, Hans-Ulrich Weicker, in seinem Impulsreferat zum Umbau der Hanauer Innenstadt. Für Axel Weiss-Thiel ist es dennoch wichtig, dass bei der Gestaltung der Straßen, Wege und Plätze, dem Zugang zu Gebäuden und dem Öffentlichen Personennahverkehr „auch noch der besondere Blick der Betroffenen und Sachverständigen in den Interessensvertretungen berücksichtigt wird“.

Barrieren im Kopf abbauen

Neue Behindertenvertretung setzt Schwerpunkte in Bildung, Wohnungsbau und Straßenraum
Sie engagieren sich schon Jahrzehnte für die Teilhabe von Menschen mit besonderen Bedürfnissen - für die nächsten fünf Jahre auch im Auftrag der Stadt Hanau: Udo Lentz, Hartmut Stollewerk und Peter Wasatsch sind auf Vorschlag der Hanauer Sozialverbände vom Magistrat als Behindertenvertreter benannt worden. Die drei Männer verstehen sich als Team, in dem jeder seine eigenen Schwerpunkte setzt.
Die neuen Behindertenvertreter Peter Wasatsch, Hartmut Stollewerk und Udo Lentz.
Die neuen Behindertenvertreter Peter Wasatsch, Hartmut Stollewerk und Udo Lentz.

Udo Lentz (75), Mitglied beim VdK Stadtverband Hanau und seit 1997 ohne Unterbrechung städtischer Behindertenvertreter, hat sich in der Vergangenheit immer wieder eingeklinkt, wenn es um Themen wie Barrierefreiheit in kommunalen Gebäuden ging, beispielsweise bei der Errichtung des rollstuhlgerechten Jugendbildungs- und Kulturzentrums Hans Böckler. Sein Augenmerk gilt dem Wohnungsmarkt. Aus seiner bisherigen Arbeit weiß er, „dass es in Hanau an barrierefreien Wohnungen mangelt“. Er setzt seine Hoffnungen auf die derzeitige Stadtentwicklung, durch die an vielen Stellen in Hanau neuer Wohnraum entsteht. Als Mitglied des Lokalen Beirats begleitet er den Innenstadt-Umbau mit großem Interesse. „Ich habe ein gutes Gefühl, dass bei den Planungen die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen berücksichtigt wurden“, sagt Udo Lentz. „Barrierefreiheit beim Bau “, so glaubt er, „ist in den Köpfen der Planer angekommen“.
„Aber noch nicht in den Köpfen der Bevölkerung“. Darin sind sich die Drei einig. Peter Wasatsch (63) nennt ein Beispiel: „In den Stadtteilen, wo die Ordnungspolizisten nicht so präsent sind wie in der Hanauer Innenstadt, sind die Bürgersteige oft so zugeparkt, dass Menschen mit Kinderwagen oder Rollator auf die Straße ausweichen müssen.“ Der Klein-Auheimer, der dem VdK-Ortsverband angehört, möchte in allen Stadteilen die Ortsbeiräte ansprechen, um sie für diese Problematik zu sensibilisieren.
„Mein Thema ist ganz klar die Inklusion in Schulen.“ Hartmut Stollewerk (75) engagiert sich seit 1989 unter anderem beim Verein Lebenshilfe Hanau und ist aktuell dessen zweiter Vorsitzender. Außerdem ist er Mitglied im Behindertenwerk Main-Kinzig und in dessen Stiftung, in der Lebenshilfe Main-Kinzig und im Betreuungsverein Main-Kinzig. Die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung in allen Lebensbereichen, „die Wertschätzung ihrer Besonderheiten“, ist ihm ein Anliegen. Die Integration behinderter Kinder in die Hanauer Kindertagesstätten werde bereits umgesetzt. „Doch nach dem sechsten Lebensjahr gibt es einen Bruch“, bedauert er. „Eltern sehen im Raum Hanau derzeit keine Chance, ihr behindertes Kind in einer Regelschule unterzubringen.“ Der vor kurzem begründete Elterninitiative, die sich für eine Schule für behinderte und nicht behinderte Kinder einsetzt, will er deshalb als „Prozessbegleiter“ zur Seite stehen.
Udo Lentz, Peter Wasatsch und Hartmut Stollewerk möchten in ihrem Ehrenamt daran mitwirken, dass in der Brüder-Grimm-Stadt Strukturen ausgebaut und neu geschaffen werden, in der Inklusion gelebt werden kann, in der Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Behinderung eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben möglich ist.
„Es geht zum einen um einen Bewusstseinwandel in der Gesellschaft“, betont Stollewerk. Und zum anderen um Rat und Tat im Alltag, um körperlich und geistig eingeschränkten Menschen das Leben zu erleichtern, sei es die Befreiung von der Rundfunkgebühr oder Unterstützung bei der Suche nach rollstuhlgerechtem Wohnraum.
Udo Lentz, Hartmut Stollewerk und Peter Wasatsch bieten zweimal im Monat im Haus am Steinheimer Tor Sprechstunden für Betroffene und deren Angehörigen an: jeden zweiten Dienstag von 9 bis 11 Uhr und jeden vierten Dienstag von 14.30 bis 16.30 Uhr. Telefonisch sind die Männer zu diesen Zeiten unter der Nummer 06181/66820-38 erreichbar.

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