Umsiedelung Mauereidechse

Vom Kinzigbogen in der Brüder-Grimm-Stadt in die ehemaligen Steinbrüche nach Mühlheim-Dietesheim: Podarcis muralis, gemeinhin besser als Mauereidechse bekannt, musste umziehen. Seit 2008 wurden knapp 3000 der besonders geschützten Tiere auf dem Gelände des ehemaligen Gleisbauhofes gefangen und in den Steinbrüchen wieder ausgesetzt.

Die Mauereidechse, ein Portrait
Was passierte mit den Eidechsen?
Mauereidechsen erobern Hanau
2011: erneute Sammelaktion vor Baubeginn
Hanauer Mauereidechsen wachsen und gedeihen

Die Mauereidechse, ein Portrait

Seltener Gast in Hanau: Die Mauereidechse
Seltener Gast in Hanau: Die Mauereidechse

Das wärmeliebende kleine Reptil ist in Deutschland als bestandsgefährdete Rarität eingestuft und kommt normalerweise nur in besonders warmen Weinbaugegenden vor, wie etwa im Kaiserstuhl, am Pfälzer Wald und den berühmten Weinlagen an Mosel, Nahe und Mittelrhein.
In Hanau und dem Umland kam die Mauereidechse bisher nicht vor. Sie ist aber, wie schon die Funde am Frankfurter Güterbahnhof im Jahr 1997 und an Bahngleisen im Bereich Bergstrasse und Gießen 2003 zeigen, offensichtlich auf dem Vormarsch.
Mauereidechse Gleisschotter
Gleisschotterbetten bilden einen idealen Lebensraum für die wärmeliebenden Mauereidechsen

Das trockene und heiße Kleinklima der Schotterbetten der Bahndämme in Zusammenhang mit den warmen Sommern der Vorjahre war offensichtlich für die Ausbreitung der Tiere mit ursprünglicher mediterraner Herkunft sehr förderlich. Höchstwahrscheinlich werden die Eidechsen sogar als blinde Passagiere auf Bahnwaggons - in der Fracht verborgen - transportiert.
Mauereidechsen gehören nach den neuen europäischen Naturschutzgesetzen zu den streng geschützten Tierarten.
Weil der ehemalige Gleisbauhof zum Gewerbegebiet "Kinzigbogen" entwickelt wurde, war es zwingend erforderlich die Tiere vor Baubeginn in einen geeigneten Lebensraum umzusiedeln.

Was passierte mit den Eidechsen?

Schwamm-Fangmethode
Schwamm-Fangmethode

Neue Heimat wurde das Gelände der alten Basaltsteinbrüche in Mühlheim-Dietesheim. Diese bieten sich in idealer Weise für das Umsiedlungsvorhaben an, weisen doch die stillgelegten Steinbrüche warme, sonnenenbeschienene Steilfelsen auf, die ein perfektes neues Eidechsen-Quartier abgeben.
Im Frühjahr 2008 wurde durch ein Biologenteam in aufwändigen und spannenden Fangaktionen knapp 2000 Eidechsen gefangen. Haushaltsschwämme oder Angeln mit Fangschlingen und viel Geduld waren wichtige Helfer beim verletzungsfreien Eidechsenfang. Die Tiere wurden an mehreren Stellen in den ehemaligen Balsaltsteinbrüchen ausgesetzt. Weitere Tiere wurden in 2011, vor Beginn der Erschließungsarbeiten eigefangen.
Somit wurde durch die Hanauer Naturschutzbehörde sichergestellt, dass bei den Bauarbeiten keine Echsen „unter die Räder“ kommen und eine wirklich lebensfähige, große Startpopulation in den Steinbrüchen Fuß fassen kann.
Dietesheimer Steinbrueche
Die ehemaligen Basaltsteinbrüche bieten einen optimalen Lebensraum

Beobachtungen zeigten schon im Sommer 2008, unmittelbar nach den Umsetzungen, dass sich die flinken Tiere gut in ihrer neuen Heimat, den Dietesheimer Steinbrüchen eingelebt hatten. Spaziergänger konnten die Eidechsen an ihren Sonnenplätzen in den Steilwänden des Steinbruchs bei geeigneten Wetterbedingungen beim Sonnenbaden beobachten.
Sie hatten sich bereits kurze Zeit später selbständig optimale Liegeplätze erobert, die bis zu fünfhundert Meter von den Aussetz-Stellen entfernt waren.

Mauereidechsen erobern Hanau

Mauereidechse
Mauereidechse sonnt sich am Straßenrand in der Ruhrstraße

Einige Mauereidechsen des Gleisbauhofes sind dem Umzug zuvorgekommen. Beobachtungen im August 2008 zeigten, dass sich die Mauereidechsen entlang der Schienentrassen im Hanauer Stadtgebiet ausbreiten. Am Nordbahnhof und auch unter einer Bahnbrücke an der Kinzig wurden die seltenen Tiere bereits im Schotterbett der Gleise gesichtet.
So scheint sich das Hanauer Stadtgebiet mit seinem milden Klima zu einem neuen Lebensraum für eine besonders geschützte Tierart zu entwickeln.



2011: erneute Sammelaktion vor Baubeginn

Mauereidechse an den Steinbrüchen
Mauereidechse an den Steinbrüchen

Nach einer zeitlichen Verzögerung bei der Entwicklung des Kinzigbogens wurde im Sommer 2011 mit den Erschließungsarbeiten begonnen. Zuvor jedoch sammelte ein Biologenteam noch einmal rund 1000 Tiere aus den Gleisschotterbetten und setzte sie ebenfalls an den Dietesheimer Steinbrüchen aus.
So wurden seit 2008 rund 3000 Mauereidechsen eingefangen und umgesiedelt. Ein über Jahre durchgeführtes Monitoring durch Biologen eines beauftragten Fachbüros hat nun das klare Ergebnis erbracht:

Hanauer Mauereidechsen wachsen und gedeihen

Mauereidechsen in Mauerritzen
Mauereidechsen in Mauerritzen

Die Umsiedlungsaktion ist sehr erfolgreich verlaufen, die Mauereidechsen haben sich in ihrer neuen Steinbruch-Heimat fortgepflanzt und die Population entwickelt sich kräftig weiter aufwärts !
Bei den Kontrollen der Steinbruchwände konnte wiederholt eine große Zahl von alten und auch jungen Tieren festgestellt werden. Besonders im Jahr 2012 konnten sehr viele Jungechsen beobachtet werden, was belegt, dass der gesamte Steinbruch als neuer Lebensraum akzeptiert und besetzt wurde.

Aber auch in Hanau sind noch Mauereidechsen verblieben.
So konnten Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde die kleinen Echsen sogar an den sonnigen Sandstein-Mauern des technischen Rathauses am Hessen-Homburg-Platz beobachten, wo sie ihrem Namen alle Ehre machen…
Auf dem verbliebenen Gleisbauhof der Bahn wurden spezielle Schotter-Drahtkörbe aufgestellt, um auch hier die Vermehrung der verbliebenen Tiere zu unterstützen.

Die Hanauer Mauereidechsen sind in Fachkreisen mittlerweile so „berühmt“, dass sie sogar in der wissenschaftlich Fachliteratur gewürdigt werden.
Wir stellen Ihnen hier die kompletten Mauereidechsen-Monitoring-Berichte als Download zur Verfügung.
  Umsiedlung der Mauereidechsen und Monitoringberichte Dateigröße
Dateisymbol Monitoring 2012 843.9kb
Dateisymbol Monitoring 2011 1423.2kb
Dateisymbol Mauereidechsenfang am Kinzigbogen in 2011 884.4kb
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