Natura 2000 Gebiet Schifflache von Großauheim

Ein ehemaliger, heute z.T. vermoorter Altmainarm bietet heute vielen seltenen Pflanzen und Tieren Lebensraum.

Lage
Schutzziel
Pflanzenwelt
Tierwelt
Konflikte/Belastungen/Probleme
Erfolge/Entwicklung
Sonstiges
Verordnung vom
Literatur

Lage Nach Oben

Ffh Schifflache
FFH-Gebiet Schifflache bei Großauheim

Das Natura 2000-Gebiet besteht aus einer Altmainschlinge östlich von Großauheim. Diese liegt zwischen der B8 im Nordosten und der Eisenbahnstrecke Aschaffenburg - Hanau im Südwesten. Naturräumlich gehört es zur östlichen Untermainebene (Hanau-Seligenstädter-Senke). Der geologische Untergrund wird aus eiszeitlichen Flussterrassen des Mains gebildet. Der heute verlandete und vermoorte Altlauf hat sich bis etwa 4,5 m Tiefe in die Sand- und Kiesablagerungen eingeschnitten.

Größe: 61,3 ha

TK-Nr. 5919 Seligenstadt. Main-Kinzig-Kreis, Stadt Hanau, Gemarkung Großauheim und Gemeinde Großkrotzenburg, Gemarkung Großkrotzenburg.

Schutzziel Nach Oben

Schifflache Wasser
Wasserflächen an der Schifflache

Zweck der Unterschutzstellung ist es, den naturnah erhaltenen Erlenbruch und die ihn umgebenden Wiesen und Brachen auf dem verlandeten Altmainarm als Lebensraum bestandsgefährdeter Tier- und Pflanzenarten zu sichern und zu entwickeln. Schutz- und Pflegeziel sind die Stabilisierung des Wasserhaushalts als lebenswichtiger Faktor für die Erhaltung und Förderung des Erlenbruchwaldes.

Pflanzenwelt Nach Oben

Carex pseudocyperus (Scheinzypergras-Segge), Geum rivale (Bach-Nelkenwurz), Hottonia palustris (Wasserfeder). Leucojum vernum (Märzenbecher), Thelypteris palustris (Sumpf-Lappenfarn), Viola palustris (Sumpf-Veilchen), Anemone nemorosa (Buschwindröschen).

Tierwelt Nach Oben

Steinkauz
Steinkauz

Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus), Siebenschläfer (Glis glis), Iltis (Mustela putorius)
Mittelspecht (Dendrocopos medius), Schwarzspecht (Dryocopus martius), Eisvogel (Alcedo atthis), Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus), Steinkauz (Athene noctua), Baumfalke (Falco subbuteo), Schwarzer Milan (Milvus migrans), Weißstorch (Ciconia ciconia)
Feuersalamander (Salamandra salamandra), Kammolch (Triturus cristatus), Teichmolch (Triturus vulgaris), Bergmolch (Triturus alpestris), Knoblauchkröte (Pelobates fuscus), Erdkröte (Bufo bufo), Grasfrosch (Rana temporaria), Springfrosch (Rana dalmatina), Laubfrosch (Hyla arborea), Wasserfrosch (Rana esculenta). Blindschleiche (Anguis fragilis), Zauneidechse (Lacerta agilis), Ringelnatter (Natrix natrix), Schlingnatter (Coronella austriaca)Glänzende Binsenjungfer (Lestes dryas), Spitzenfleck (Libellula fulva), Weißrandiger Grashüpfer (Chorthippus albomarginatus), Wiesengrashüpfer (Chorthippus dorsatus), Sumpfschrecke (Stethophyma grossum)

Konflikte/Belastungen/Probleme Nach Oben

Schifflache Baeume
Bruchgewässer an der Schifflache

Das Sumpfgebiet litt in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts unter chronischem Wassermangel. Braunkohle- und Kiesabbau, der Strandbadbau, die Grundwasserförderung und viele Jahre mit unterdurchschnittlichen Niederschlägen hinterließen ihre Spuren.
Der Erlenbruch trocknete komplett aus und der verbliebene Torfboden mineralisierte.
Die Folge: Die ursprüngliche Sumpfvegetation verschwand fast vollständig und wurde durch eine Brennesselflur ersetzt.
Die Hang-Sickerquellen auf der Nordseite des Erlenbruchs zeigen allerdings eine gute Wasserqualität, ebenso wie der Ablauf aus dem See Freigericht-West (Badesee).
Im Jahr 2004 gelang die Wiederbewässerung:
Die defekte Rohrleitung, die den Ablauf des Großkrotzenburger Badesees bildet, wurde repariert und seitdem ist der Erlenbruch der Schifflache wieder ausreichend bewässert.
Die Brennesselfluren verschwanden innerhalb kurzer Zeit und es entstand erneut ein engräumiges Nebeneinander sauerstoffreicher, kühler Quelltümpel und eutropher Bruchgewässer, was sich in den letzten Jahren sehr positiv auf Artenzusammensetzung und Artenvielfalt auswirkte.
Die Amphibienbestände wuchsen sprunghaft an, Wasservögel wie Graugans, Teich-, Bläss- und Wasseralle, uns auch der Zwergtaucher brüten wieder alljährlich im Gebiet.
Seit 2011 brütet sogar der Weißstorch wieder erfolgreich !

Erfolge/Entwicklung Nach Oben

Schifflache-storch
Der Storch ist in die Schifflache zurückgekehrt
Die im Gebiet vorhandenen standortfremden Fichtenbestände sind bei einem Windwurf 1990 umgefallen. Die Flächen wurden mit standortgerechten Auwaldbaumarten wiederaufgeforstet.
In 1998 und 1999 ist je ein Amphibientümpel zur Förderung der Knoblauchkröte angrenzend an den Erlenbruch angelegt worden.
2004 erfolgreiche Wiederbewässerung des Erlenbruchs

Sonstiges Nach Oben

Schifflache Schild
Hinweisschild an der Schifflache
Die Schifflache ist in vergangener Zeit als "Großkrotzenburger Moor" bezeichnet worden. Sie war am Beginn des 20.ten Jahrhunderts ein Exkursionziel für viele Botaniker.
Sie wurde bereits 1953 als Naturschutzgebiet mit einer Größe von gut 15 ha ausgewiesen. Die hydrologischen Verhältnisse verschlechterten sich in den 1970er Jahren so drastisch, dass 1976 der Schutzstatus der Schifflache wieder aufgehoben wurde.
Erneut wurde das Gebiet 1990 wieder als NSG ausgewiesen, nachdem eine leichte Verbesserung des Wasserhaushaltes und eine Reihe schutzwürdiger Tierarten festgestellt wurde.
Der Altmainbogen ist Teil eines ganzen Systems von Altarmen, die der Main nach Austritt aus der Mittelgebirgslandschaft durch starkes Mäandrieren und häufigen Laufwechsel in der Untermainebene geschaffen hat.
Im Bereich der Schifflache gibt es zwei Grundwasserstockwerke. Das obere wird von pleistozänen Sanden und Kiesen gebildet. Die Trennschicht besteht aus tonigem bis schluffigem Material.
Von 1839 bis 1865 haben die Großauheimer im Krotzenburger Niedermoor Torf gestochen. Dadurch entstanden die wertvollen offenen Wasserstellen. Katastrophale Folgen hatte der 1940 eingestellte Braunkohlentagebau im Gebiet um Kahl, weil infolge der Grundwasserabsenkungen das Moor trockenfiel.
Im NSG und dem umliegenden Bereich gibt es etliche Brunnen. Die ersten entstanden 1890. Bei den Brunnen handelt es sich um Flachbrunnen und drei Tiefbrunnen.
1962 wurde ein Überlauf aus dem 1959 eingerichteten Strandbad zur Schifflache gebaut, der zeitweise nicht mehr funktionstüchtig war, aber 2004 erfolgreich repariert wurde und das Schutzgebiet wieder ausreichend mit Wasser versorgt.
2008 erhielt die Schifflache zusätzlich zum NSG-Schutzstatus den europäischen FFH-Schutzstatus.

FFH-Gebiete

Verordnung vom Nach Oben

NSG-Verordnung vom 20.11.1990, St.Anz. für das Land Hessen Nr. 50/1990, S. 2682 ff.

Literatur Nach Oben

  • Hemm, K.: Großauheimer Schifflache. Floristisch-faunistisches Gutachten zur Schutzwürdigkeit/ Klaus Hemm; J. Herold, - 1984. - 29 S. + Anhang, unveröff. Gutachten
  • Schomberg, A.: Die Pflanzenwelt des Krotzenburger Moores/ A. Schomberg. - Monatsschr. Main-Kinzigtaler Ver. Heimatforsch. 1/2: 1-2, 1933.
  • Aschenbrenner-Lohmann, D.: Pflegeplan für die Schifflache von Großauheim 1987 - 1990 (überarbeitet)/ Dirk Aschenbrenner-Lohmann, Burghard Haueisen. - Frankfurt: Arbeitsgemeinschaft für Sozial- und Umweltplanung, 1987. - 15 S.
  • Aschenbrenner-Lohmann, D.: Ökologisches Gutachten zur Schutzwürdigkeit der Schifflache von Großauheim/ Dirk Aschenbrenner-Lohmann, Burghard Haueisen. Frankfurt: Arbeitsgemeinschaft für Sozial- und Umweltplanung, 1987. - 188 S.