Deutsche Limes-Straße und Limesradweg

Eine Einladung den Limes in der Umgebung von Hanau selber zu entdecken.

Am Besten erkundet man die römischen Überreste zu Fuß oder per Fahrrad. Der Limes-Wanderweg und ein Radweg laden hierzu ein.

Deutsche Limes-Straße Nach Oben

Deutsche Limesstrasse

Die Deutsche Limes-Straße begleitet den obergermanisch-rätischen Limes vom Rhein bis zur Donau. Die Kastelle wurden größtenteils zu Beginn des 2. Jahrhunderts bzw. in der Jahrhundertmitte gegründet und bestanden bis zum Limesfall, d.h. dem Ende der römischen Besetzung um 260/270 n. Chr. Von Rheinbrohl bis Regensburg erstreckte sich der Limes über 500 km.

Limes-Radweg Nach Oben

Rauf auf den Sattel und hinein ins römische Geschichtsvergnügen!“ ist das Motto des Limes-Radweges. Wer sich nicht nur für Asterix, Obelix, Caesar & Co. interessiert, sondern gleichzeitig auch eine sportliche Herausforderung sucht, für den ist der Limes-Radweg genau das Richtige. Auf nahezu 800 Kilometern Radweg kann man sich strampelnd auf die Spuren der Römer begeben, welche entlang des einstigen Befestigungswalls führen. Der Radweg ist in allen vier Bundesländern (Rheinland-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg und Bayern) durchgängig mit braunen Hinweisschildern gekennzeichnet, die das Logo – einen von den Buchstaben „D“ und „L“ umfassten Limesturm – tragen.
Ziel der Gesamtroutenfestlegung war, die Radfahrer auf gut ausgebauten Rad- und Waldwegen entlang der Limes-Straße zu führen. Wie schon die Deutsche Limes-Straße folgt auch der Radweg dem obergermanisch-rätischen Limes und verbindet zahlreiche Sehenswürdigkeiten aus der Römerzeit. Also, rauf auf den Sattel oder die Wanderschuhe geschnürt und hinein ins römische Geschichtsvergnügen!


Entlang des Limes von Großkrotzenburg nach Rückingen

Der Ostwetterau-Limes verläuft zu Anfang des zweiten Jahrhunderts zwischen den Kohortenkastellen Großkrotzenburg und Rückingen schnurgerade von Süd nach Nord. Wir beginnen unsere Limes-Tour an den Resten des Kohortenkastells in Großkrotzenburg.

Das vor Überflutungen des Mains sichere, ca. 2 ha große, Kohortenkastell wurde auf einer älteren Mainterrasse unmittelbar oberhalb der Flussaue errichtet. Es bildet den Übergang des Wetterau-Limes zum „nassen“ Limes, dem Main als Grenzfluss. Ähnlich wie bei Mainz und Wiesbaden, legte man bei der Wahl des Standortes Wert darauf, das nahe untere Kinzigtal mit einzubeziehen, um für die an der Kinzigmündung schon angelegten Kastelle und Flussübergänge ein Vorland zu schaffen.

Das Kastell bildete ein ca. 175x123 m großes Rechteck mit abgerundeten Ecken. Es wurde etwa um 105-110 n.Chr. errichtet. Im Bereich des Ortskernes sind Teile der Wehrmauer des Kohortenkastells sichtbar. In der Nähe der Kirche lassen sich die Südwestecke der Garnison sowie der mittelalterlich überarbeitete Eckturm erkennen. Der Limes führte nur ca. 25 m am Kastell vorbei. Ein wenig mainabwärts hatten die Römer in Sichtweite eine auf Steinpfeilern gegründet Brücke errichtet. Sie ermöglichet rasche Truppenbewegungen entlang des Limes. Hauptaufgabe des Kastells dürfte aber die Sicherung des rechtsmainischen Uferweges gewesen sein. Nördlich und westlich des Kastells lag das zugehörige Lagerdorf. Neben einem umfangreichen Ziegeleibetrieb entdeckte man hier ein Mithräum.

Die Großkrotzenburg von Süd nach Nord durchschneidende Kirchstrasse entspricht genau der alten römischen Via principalis. Wir folgen der Bahnhofstrasse nach Norden und unterqueren die Eisenbahn in Richtung Wasserwerk. Etwa 1 km nördlich des Ortes beginnt an der „Schifflache“ der noch erhaltene Limes als Waldweg, „Pfaffendamm“ genannt. Er verläuft von dort schnurgerade durch den Bulauwald bis zum 7 km entfernten Kohortenkastell in Rückingen. Diesem Weg wollen wir folgen.

Im Gelände ist der Limes noch stellenweise als 1 bis 1,5 m hoher Wall erkennbar. In seiner endgültigen Gestalt bestand der Pfahlgraben aus einem Wall mit Palisade und einem vorgelagerten Graben.
Zeichnung Neuwirtshaus
Rekonstruktionszeichnung des Kleinkastells Neuwirtshaus

An der Strasse Großkrotzenburg – Wolfgang wird der Limes durch die vielbefahrene B8 durchschnitten. Aus Sicherheitsgründen überqueren wir die Bundesstrasse an der am Neuwirtshaus gelegenen Ampelanlage, folgen der Beschilderung und erreichen im Wald wieder den Limes. An einem Spiel- und Grillplatz treffen wir am Naturdenkmal „Grenzwalleiche“ auf die „Birkenhainer Strasse“ (Beschilderung durch schwarzes „B“), biegen aber nach links ab. Der Weg verläuft nun direkt auf dem Limes. Nach ca. 300 Metern liegen linkerhand im Nadelgehölz „Torfhaus“ die Reste des Kleinkastells „Neuwirtshaus“.


Etwa 87 m (300 römische Fuß) hinter der römischen Grenze lag das Kleinkastell „Neuwirtshaus“. Reste dieses, etwa zur Regierungszeit Kaiser Hadrians gebauten, Kleinkastells sind noch heute deutlich sichtbar. Möglicherweise entstand das Kastell sowie die Linie zwischen Großkrotzenburg und Rückingen 123 bis 125 n.Chr., als die oberste Heeresleitung mit dem Bau der Limes-Palisade begann.

Mit einer Höhendifferenz von über 2,5 m zwischen Wallkrone und Grabensohle lässt sich der äußere Graben immer noch gut erkennen, während der innere Wall zwischenzeitlich durch Verschüttung nur noch schlecht sichtbar ist. Die 3,5 – 4 m breite Umwehrung wurden durch hölzerne Zuganker und Querstreben verstärkt; die Außenböschungen waren mit Rasensodenplatten abgedeckt. Der Zugang zur 21x25 m großen Anlage markiert heute eine Mulde. Der Tordurchlass war evtl. durch zwei Tortürme gesichert. Den Innenraum nahm ein hufeisenförmiger Barackenkomplex mit einem 11x17 m großen ungepflasterten Zentralhof ein.



Aufgabe dieses, erst später in die Postenkette des Limes eingefügten, Kleinkastells dürfte die Sicherung der in der Nähe den Limes kreuzenden, schon vorgeschichtlich begangenen „Birkenhainer Strasse“ gewesen sein. Eine andere Möglichkeit ist die Unpassierbarkeit weiter Streckenbereiche des Limes zwischen Rückingen und Großkrotzenburg bei schlechten Wetterverhältnissen. Hierfür spricht, dass es genau in der Mitte des Limesabschnittes zwischen den beiden Sumpfgebiete am Doppelbiergraben (Naturschutzgebiet „Rote Lache“) und dem Auheimer Torfbruch („Schifflache“) liegt.

Nach dem Kleinkastell „Neuwirtshaus“ verlässt der Weg den Limes und knickt nach links ab. Würde man geradeaus weitergehen, käme man an die Autobahn Aschaffenburg – Hanau. Ca. 240 m nach der Abzweigung, noch vor der Autobahn sind links vom Weg Holz- und Steinturmreste des Wachpostens WP 5/13 als flacher Hügel mit ca. 10 m Durchmesser erhalten, die zur Zeit jedoch im Unterholz sehr schwer zu erkennen sind. Die Wachposten, die jeweils mit 4-5 Soldaten besetzt waren, gewährleisteten durch ihren Abstand eine direkte Sicht- und damit Nachrichtenverbindung zu den nächstgelegenen Kastellen. Wir folgen mit Umwegen weiter den durch den Autobahnbau durchbrochenen Limes.

Unmittelbar hinter der Brücke über die Autobahn besteht die Möglichkeit den ausgeschilderten und asphaltierten Weg zu verlassen und links auf einen kleinen, mit Gras bewachsenen Waldweg abzubiegen. Diesem folgen wir und treffen nach ca. 150 Metern wieder auf den Limes. Als deutliche Erhebung sichtbar, quert dieser den Waldweg. Wir können ihn nach Norden im Unterholz gut verfolgen. Wenn wir den Weg weitergehen, uns rechts halten, so stoßen wir erneut auf den Grenzwall. Etwa 400 Meter nördlich der Autobahn befinden sich die Überreste eines steinernen Wachpostens (WP 5/12). Da dieser im Naturschutzgebiet „Rote Lache“ liegt, können wir den Ort nicht betreten. Wenige Meter weiter geht die aus Wall, Graben und aus einer Palisade errichtete Grenze in das Sumpfgebiet des „Doppelbier-Grabens“ über. Das Sumpfgebiet zwang die Römer zur Anlage eines Knüppelweges mit davor liegender Palisade. Es ist davon auszugehen, dass bei hohen Grundwasserspiegel dieser Bereich des Limes nicht passierbar war. Wir können nun den Weg wieder zurück gehen oder uns weiterhin rechts halten, bis wir wieder den asphaltierten Limes-Radweg erreichen und diesen nach links in Richtung Forstamt Wolfgang folgen
Die Strecke geht auf einem asphaltierten Weg weiter bis zum Forstamt Wolfgang mit seinem historischen Portal und der Samendarre. Wir biegen nach Nordwesten ab und erreichen kurz danach die Klosterruine Wolfgang. Vor der Straße Wolfgang – Rodenbach nehmen wir die Überführung und lassen so die Straße und Eisenbahnlinie hinter uns. Am Kaiserfeld überqueren wir links die Autobahn Hanau – Gießen und gelangen am Waldrand und durch die Kinzigaue nach Rückingen.
Endpunkt unserer Tour bildet das noch teilweise sichtbare Kastellbad in Rückingen.


Es wurde südlich des Kastells „Altenburg“, das vermutlich zwischen 110 und 125 n. Chr. errichtet wurde, nahe an der Kinzig angelegt. Die Kinzig hatte zur Römerzeit eine gewisse Bedeutung als verkehrsweg, denn sie war für kleinere, flache Transportkräne schiffbar. Es ist anzunehmen, dass auch das Kohortenkastell eine Anlegestelle besaß. Vom Kastell selber ist heute nichts mehr zu sehen, nur die Mauern des dazugehörigen Bades sind restauriert worden. An den in Holz erbauten Auskleideraum schloss sich das Kaltbad mit Kaltwasserbassin im Osten sowie einem von hier aus zugänglichen Schwitzraum in Süden an. Zwei Tepidarien (Laubäder) mit Apsiden bildeten den Übergang zum Warmbad. In den beiden rechteckigen Anbauten dieses Raumes sind die Reste der Warmwasserwannen zu sehen, während in der Nische ein Becken mit kaltem wasser bereitstand. Damit konnte man sich nach dem Bad erfrischen.


Nähere Informationen zur Deutschen Limes-Straße und zum Limes-Radweg bekommen finden Sie hier:

Deutsche Limesstrasse Limes-Radweg