Louis Paul Amédée Appia (1818 – 1898)

Arzt, Mitbegründer des Roten Kreuzes, Sekretär des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz

Dr. med. Luis Paul Amédée Appia
Dr. med. Luis Paul Amédée Appia

Louis Appia wurde am 13. Oktober 1818 in Hanau als drittes von sechs Kindern des Pfarrers Paul Joseph Appia und seiner Frau Caroline Develey geboren. Der Vater stammte aus Turin und hatte in Genf studiert, bevor er 1811 nach Hanau kam, um die dortige Hugenottengemeinde zu betreuen.

Appia besuchte das Frankfurter Gymnasium und ging im Alter von 18 Jahren nach Genf, um dort die Hochschulreife zu erlangen. 1838 begann er an der Universität in Heidelberg ein Medizinstudium. Nach dessen Abschluss 1843 kehrte er nach Frankfurt zurück.

Wirken Nach Oben

Die Unruhen in der Schweiz 1847 veranlassten Appia aus Sorge um seine Großeltern nach Genf zu reisen. Von hier aus fuhr er nach Paris weiter, wo er den Ausbruch der Märzrevolution 1848 und die Straßenkämpfe erlebte. 1849, nach dem Tod des Vaters, ließ er sich in Genf nieder und wurde später Schweizer Staatsbürger. Sein Interesse für die Probleme der Kriegschirurgie führte ihn 1859 auf den italienischen Kriegsschauplatz, wo er seine Studien auf den Schlachtfeldern und in den Lazaretten betrieb, so auch bei der Schlacht von Solferino, deren Zeuge auch der zufällig anwesende Genfer Kaufmann Henry Dunant wurde. Dessen drei Jahre später erschienener Erlebnisbericht "Eine Erinnerung an Solferino", war ein Appell für die Pflege der Verwundeten und löste eine weltweite Bewegung aus.
Appia und Dunant gründeten, zusammen mit dem Rechtsanwalt Gustav Moynier, dem General Wilhelm Dufour und dem Arzt Theodor Maunoir, im Frühjahr 1863 das "Fünfer-Komitee", den Vorläufer des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, welches die europäischen Mächte zur ersten Genfer Konferenz am 26. Oktober 1863 einlud.

Im deutsch-dänischen Krieg von 1864 erhielt Appia die Erlaubnis, sich auf preußischer Seite als Beobachter des Komitees auf dem Schlachtfeld zu bewegen. Dabei trug er - wie sein niederländischer Kollege van de Velde auf dänischer Seite - eine Armbinde, darauf zum erstenmal das "Rote Kreuz". Er brachte den Generälen und Offizieren die Beschlüsse der ersten Genfer Konferenz näher und leistete praktische ärztliche Hilfe. Seine Erfahrungen schrieb er in einem umfangreichen Bericht nieder. Noch im gleichen Jahr entstand die erste Genfer Konvention, der Grundpfeiler des humanitären Völkerrechts.

Auch im deutsch-österreichischen Krieg 1866 und im deutsch- französischen Krieg 1870/71 war Appia während der Kämpfe vor Ort im Schutz der Rotkreuz-Armbinde tätig. Nach dem Ausschluss Dunants 1867 wurde Appia sein Nachfolger als Sekretär des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (bis 1870). Er war ein unermüdlicher Förderer und Propagandist der Idee des Roten Kreuzes. Im Oktober 1872 reiste er nach Ägypten, um dort die Gründung einer ersten außereuropäischen Rotkreuz - Organisation zu unterstützen. Er schrieb Fachartikel und Broschüren. Auf vielen Kongressen und Konferenzen engagierte er sich für die Prinzipien des Roten Kreuzes und verhalf ihnen somit zum Durchbruch. Appia trat dafür ein, dass über den Einsatz im Krieg hinaus die nationalen Hilfsgesellschaften der Bevölkerung auch bei Naturkatastrophen und Epidemien beistehen sollten. Sein Einsatz galt auch denen, die nach blutigen Unruhen in der Herzegowina 1875 nach Montenegro geflüchtet waren. Bis 1892 nahm er an den Rotkreuz-Konferenzen teil.
Appia starb am 1. Mai 1898 in Genf.

Quellen und Literatur (Auswahl) Nach Oben

Internationales Rotes Kreuz Appia bei Wikipedia


  • Louis Appia: Le chirurgien à l'ambulance ou quelques études pratiques sur les plaies par armes à feu suivies lettres à un collèque sur les blessés de Palestro, Magenta, Marignan et Solferino, Paris 1859.


  • Louis Appia: Les Blessés dans le Schleswig pendant la guerre de 1864 : rapport présenté au comité international de Genève, Genève 1864.


  • Louis Appia, Gustave Moynier: La guerre et la charité. Traité théoritique et pratique de philanthropie appliquée aux armées en campagne, Genève [u.a.] 1867.


  • Louis Appia: La solidarité dans le mal et la justice divine, Paris 1890.


  • Roger Boppe: L´homme et la guerre. Le docteur Louis Appia et les dèbuts de la Croix Rouge, Geneve Paris 1959.


  • Walter Gruber, Der erste Rot-Kreuz-Arzt. Eine Genfer Biographie über Dr. Louis Appia, den Mitbegründer des Roten Kreuzes, von Roger Boppe, in: Mitteilungen des DRK Landesverbandes Baden-Württemberg und Südbaden 11 (1959), November, S. 9-10 und Dezember 7-8.


  • G. Armocida: Louis Appia, in: Préludes et poinniers. Les précurseurs de la Croix-Rouge 1840-1860 Actes du colloque des précurseurs de la Croix-Rouge, tenu à Genève au palais de l'Athénée les 26, 27 et 28 octobre 1988, edités par Roger Durand et Jacques Meurant, Genève 1991, S. 179-185.


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