Revolution 1848 und Gründung des Deutschen Turnerbundes

Hanau wollte die Republik

Im Gegensatz zu den meist noch konstitutionell-monarchistisch ausgerichteten politischen Bestrebungen in anderen deutschen Ländern war Hanau stark republikanisch, also politisch links, orientiert. Zu den führenden Persönlichkeiten der demokratischen Bewegung zählten couragierte Bürger wie August Rühl, Verfasser des „Hanauer Ultimatums“ und späterer Oberbürgermeister, sowie der schillernde Revolutionär August Schärttner, Mitbegründer des Deutschen Turnerbundes und Anführer der Hanauer Turnerwehr zur Unterstützung revolutionärer Truppen in Baden. Im Londoner Exil überwarf sich der „unerbittliche Schärttner“ mit Karl Marx und wurde aus dem Bund der Kommunisten ausgeschlossen.
Mehr Informationen finden Sie in der folgenden Publikation:
  • "150 Jahre Revolution und Turnerbewegung Hanau 1848-1998", stadtzeit - Reise durch Hanaus Geschichte, Hanau 1998.
Das Hanauer Ultimatum
August Schärttner und die Hanauer Turner
Die Gründung des Deutschen Turnerbundes

Das Hanauer Ultimatum

Der preußische Botschafter am Kasseler Hof berichtete nach Berlin, dies sei "die frechste Eingabe, die die deutschen Untertanen je an einen Fürsten gerichtet haben".

Der Ausgangspunkt der kurhessischen Revolutionsbewegung war das Gebiet um Hanau. Neben der Bürgergarde bildete sich das bewaffnete Freicorps. Ferner fand sich eine Volkskommission zusammen, die aus 24 durch das auf dem Neustädter Marktplatz versammelte Volk gewählten Honoratioren bestand: u. a. August Schärttner, Karl Röttelberg, Christian Lautenschläger, Pedro Jung und August Rühl. Sie unterzeichneten am 9. März 1848 das "Hanauer Ultimatum". Es erzwang vom hessischen Kurfürsten Presse-, Religions- und Gewissensfreiheit, Wiederherstellung des Petitions-, Einigungs- und Versammlungsrechts, Amnestie für politische Vergehen sowie die Besetzung aller Ministerien mit Männern, die das Vertrauen des Volkes genießen und Neuwahl der Ständeversammlung - und zwar "binnen dreier Tage!".
Eine Deputation überbrachte das Papier an Kurfürst Wilhelm II. von Hessen-Kassel. Ihren Forderungen verliehen die Hanauer damit Nachdruck, dass „bewaffneter Zuzug aus den Nachbarstädten“ bereits vorhanden sei. Ferner solle sich der Kurfürst „mit dem Gedanken einer Lostrennung vertraut“ machen.

August Schärttner und die Hanauer Turner

August Ferdinand Schärttner, geb. am 31. Januar 1817, war der Sohn des Küfermeisters und Weinhändlers Corel Lodewigk Schärttner, einem Nachkommen flämischer Hugenotten, und der Hanauerin Maria Christina Hörner.

Bei seinem Vater erlernte er das Küferhandwerk und ging nach Abschluß der Lehre auf Wanderschaft, „auf die Walz“. Nach seiner Rückkehr 1837 schloß er sich sofort der kurz vorher gegründeten Hanauer Turngemeinde an. Bereits 1841 wurde er deren Vorsitzender. Da im Verein nicht nur geturnt wurde, sondern auch Wehrübungen stattfanden, war dies für den kräftigen und intelligenten Revolutionär Schärttner das geeignete Forum, seine politischen Ansichten zu verbreiten. Er knüpfte Beziehungen zu vielen anderen Turnvereinen. So kam es bereits im Winter 1840, zwei Jahre vor der Aufhebung der sogenannten Turnsperre, zu ersten Zusammenkünften in Deutschland von Turnern aus Frankfurt, Hanau, Mainz und Offenbach auf der Mainkur, einem Hofgut vor den Toren Frankfurts.
Aus diesen Zusammenkünften entstand der erste Turnverband in Deutschland: der Rheinisch-hessische Turnbezirk.

August Schärttner – ein Lebensbild

Die Gründung des Deutschen Turnerbundes

Die von Friedrich Ludwig Jahn, landläufig als „Turnvater“ bekannt, initiierte Turnerbewegung spielte für die revolutionären Ereignisse von 1848/49 eine wesentliche Rolle. In den Vereinen wurde nicht nur geturnt. Auf dem Programm standen auch Wehrübungen.
Im Zuge der eingeschränkten Versammlungsfreiheit der damaligen Zeit entwickelten sich die Turnvereine zu politischen Foren.
1837 gründeten auch die Hanauer einen Turnverein. Die Idee eines nationalen Turnerbundes verwirklichte August Schärttner. Am 3. April 1848 entstand in der Wallonischen Kirche zu Hanau im Beisein von Jahn und Abgeordneten der Turngemeinden aus allen deutschen Ländern der erste Deutsche Turnerbund. Eine Tafel an der Kirchenruine erinnert daran.

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