„200 Jahre Kinder- und Hausmärchen“ - Grimm-Programm Hanau 2012/2013

Am 20. Dezember 1812 erschien die Erstausgabe der Grimm´schen Kinder- und Hausmärchen - das neben der Bibel am meist gelesene und übersetzte Druckwerk weltweit. Anlass für die Brüder-Grimm-Stadt Hanau die Sammlung und ihre Väter zu feiern. Denn in Hanau wurden Jacob und Wilhelm geboren, hier wurden die Grundlagen für ihren Lebensweg gelegt. Und die Erinnerungen an die Stadt an Main und Kinzig ihrerseits sind überaus positiv. So erinnerte sich Wilhelm in seinen Memoiren: „Nicht minder lebhaft steht mir noch in Gedanken, wie wir beide, Jacob und ich, Hand in Hand über den Markt der Neustadt zu einem französischen Sprachlehrer gingen, der neben der Kirche wohnte, und in kindischer Freude stehen blieben, um dem goldenen Hahn auf der Spitze des Turmes zuzusehen, der sich im Winde hin und her drehte.“

Veranstaltungsprogramm:
Doppelporträt Grimm 1843 Doppelporträt von Jacob und Wilhelm Grimm, gezeichnet von ihrem Bruder Ludwig Emil in Berlin 1843, im Eigentum des Hanauer Geschichtsvereins 1844 e.V.

1785/86 erblickten die Grimms am Paradeplatz 3 (heute Freiheitsplatz) das Licht der Welt. Als ihr Hanauer Ahn ist im Jahre 1639 der Bürger und Wirt der Gaststätte „Zum Fass“ in der Hanauer Vorstadt belegt. Ihr Urgroßvater Friedrich Grimm prägte über 42 Jahre lang als Pfarrer, Kirchen- und Schulinspektor der Marienkirche das Leben der Stadt. Die Eltern, Hofgerichtsadvokat Philipp Wilhelm Grimm und Dorothea Zimmer, boten ihnen eine behütete Kindheit. Ihre „Tante Schlemmer“ lehrte ihnen in der Fahrstraße Lesen und Schreiben, auch besuchten sie des späteren ihre Großeltern Zimmer nahe der Johanneskirche in der Altstadt.
Jacob und Wilhelm hatten noch sieben weitere Geschwister, von denen ihr „Malerbruder“ Ludwig Emil 1790 in der Langen Gasse 41 geboren wurde und überregionale Bekanntheit errang.

In ihre Hanauer Zeit fällt auch der Kontakt zu einer der wohl prominentesten Beiträgerinnen für ihre Kinder- und Hausmärchenausgaben: Marie Hassenpflug und ihre Familie, die von 1789 bis 1799 am Neustädter Markt wohnte.

Hanau würdigt die Grimms seit langem. 1896 wurde ihnen zu Ehren das Nationaldenkmal auf dem Neustädter Marktplatz errichtet, das den Ausgangspunkt der Deutschen Märchenstraße bildet. Alle zwei Jahre wird seit 1983 der renommierte Brüder Grimm-Preis für Literatur vergeben. Die bekannten Brüder Grimm- Märchenfestspiele wurden 1985 im Schlosspark Philippsruhe Initiiert und zogen bisher über eine Million Besucher aus Nah und Fern in ihren Bann. Ebenfalls zu nennen sind die Grimm-Abteilung im Historischen Museum Schloss Philippsruhe und eine umfangreiche Literatur- und Märchensammlung der Stadtbibliothek. Zahlreiche Hanauer Vereine widmen sich dem Grimmschen Werk, regelmäßig werden Vorträge und Führungen angeboten. Lukullischen Genüssen dienen Brüder Grimm-Sekt und Original Brüder Grimm-Torte.

All diesen Fakten ist es zu verdanken, dass Hanau im Frühjahr 2006 vom Land Hessen die offizielle Zusatzbezeichnung „Brüder Grimm-Stadt“ verliehen bekam. Mit der gleichnamigen „Wortmarke“ kann die Stadt seit 2007 europaweit werben. Zwei Prädikate, die auszeichnen, aber auch zugleich verpflichten, das wissenschaftliche, literarische, politische, gesellschaftliche und künstlerische Erbe der Grimms weiter herausragend zu würdigen. Derzeit wird sehr engagiert die Errichtung eines „Brüder Grimm-Kulturzentrums“ vorbereitet. In Foren und einer Expertenkommission sind unterschiedliche Szenarien für das Projekt entwickelt worden, die nun durch Konzept- und Machbarkeitsstudien weiter geschärft werden. Am vorgesehenen Standort, dem alten Regierungsgebäude am Schlossplatz aus dem 17. Jahrhundert mit Anbauten kann Anfang 2015 realisiert werden; dann, wenn die Stadtbibliothek eine neue Heimat im „Forum Hanau“ auf dem Freiheitsplatz erhalten hat.

Veranstaltungsprogramm:

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