Brüder Grimm-Preis


Der Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau rühmt sprachlich herausragende Werke. Er ermutigt Autorinnen und Autoren, ihre literarische Arbeit fortzusetzen.

Der Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau schmückt die Stifterin, weil sie ihr kulturelles Erbe ernst nimmt und weiterträgt. Mit dem Preis verweist sie darauf, dass literarische Kultur große Bedeutung für die Gesellschaft hat.

Der Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau ehrt die Namensgeber:
Vergaberichtlinien und Jury
Die Jury
frühere Preisträger des Brüder-Grimm-Preises
Die Namenspatrone
aktueller Preisträger

Vergaberichtlinien und Jury

Der Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau ist in erster Linie ein Literaturpreis für ein herausragendes Werk in deutscher Sprache aus dem Gebiet der Prosa, Lyrik oder Dramatik (einschließlich Kinder-und Jugendliteratur). Dem wissenschaftlichen Anliegen Jacob und Wilhelm Grimms entsprechend kann aber auch ein herausragendes Werk in deutscher Sprache, das sich außerdem durch hohe sprachliche Qualität und Verständlichkeit auszeichnen muss, aus dem Gebiet der Sprachforschung oder der Volkskunde prämiert werden.

Der Preis dient gleichermaßen der Auszeichnung wie der Förderung. Prämiert wird ein in den beiden vorangegangenen Kalenderjahren bei einem deutschen oder außerdeutschen Verlag erschienenes Werk. Der Magistrat beruft auf die Dauer von drei Jahren (Wiederberufung möglich) eine Jury von fünf Personen,die den Preisträger oder die Preisträgerin benennt. Sie setzt sich wie folgt zusammen: ein Professor oder eine Professorin für Germanistik an einer hessischen Universität, ein weiterer Juror oder eine Jurorin wird von der Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt bestimmt. Von den beiden anderen Juroren soll mindestens einer ein sachkundiger Hanauer Bürger oder eine sachkundige Hanauer Bürgerin sein. Außerdem ist der jeweils letzte Preisträger oder die letzte Preisträgerin in der Jury vertreten.

Der Preisträger wird vom Magistrat aufgefordert, im Jahre der Preisverleihung oder danach eine kulturelle Veranstaltung in Hanau durchzuführen.

Der Preis besteht aus einer Ehrenurkunde und dem Geldbetrag. Er wird in feierlichem Rahmen vom Oberbürgermeister der Stadt Hanau überreicht.

Die Jury

Dr. Karl Corino
Journalist und Schriftsteller, Tübingen

Prof. Dr. R. Wuthenow
Philologe, Mühlheim

Prof. Dr.Klaus Reichert
Philologe, Akademie für Sprache und Dichtung Darmstadt

Aloys Lenz
Großkrotzenburg

Mitglied der Jury als amtierender Preisträger:
Andreas Reimann

frühere Preisträger des Brüder-Grimm-Preises

1983
Wolfgang Hilbig
*1941 in Meuselwitz, † 02.07.2007 in Berlin
Für Abwesenheit. Gedichte (Fischer, 1982) und Unterm Neomond. Erzählungen (Fischer, 1982).

1985
Waltraud Anna Mitgutsch
*1948 in Linz, lebt dort
Für Die Züchtigung (Claassen, 1985).

1987
Wilhelm Bartsch
*1950 in Eberswalde, lebt in Halle an der Saale
Für Übungen im Joch (Gedichte).

1989
Natascha Wodin
*1945 in Fürth, lebt in Berlin
Für Einmal lebt ich (Luchterhand, 1989).

1991
Monika Maron
*1941 in Berlin, lebt dort
Für Stille Zeile sechs (Fischer, 1991).

1993
Harald Weinrich
*1927 in Wismar, lebt in München
Für Textgrammatik der deutschen Sprache.
(Dudenverlag, 1993)

1995
Adolf Endler
*1930 in Düsseldorf, † 02.09.2009 in Berlin
Für Tarzan am Prenzlauer Berg (Reclam, 1994).

1997
Harry Rowohlt
*1945 in Hamburg, lebt dort
Für die Übersetzung von Frank McCourt: Die Asche meiner Mutter (Luchterhand,1996).

1999
Georg Klein
*1953 in Augsburg, lebt in Ostfriesland und Berlin
Für Libidissi (Alexander Fest Verlag, 1998)

Aus der Begründung der Jury:
"Der Autor entwirft in seinem meisterhaften Erstlingsroman "Libidissi" eine phantastisch-orientalische Welt, die den Leser mit dem Wechsel der Perspektiven in Bann schlägt und vor immer neue Rätsel stellt."

Georg Klein, geboren 1953 in Augsburg, lebt mit seiner Familie in Berlin und in Ostfriesland. "Libidissi" ist sein erster Roman, er gilt als eine der wichtigsten Neuerscheinungen des Jahres 1998. 1999 erschien ein Erzählungsband "Anrufung des Blinden Fisches", im Frühjahr 2001 der Roman "Babar Rosa" (alle Alexander Fest Verlag, Berlin).

Im Juni 2000 wurde Georg Klein mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet.

2001
Heinz Czechowski
* 1935 in Dresden, † 21.10.2009 in Frankfurt
für "Die Zeit steht still. Ausgewählte Gedichte." (Grupello Verlag 2000)
"Das offene Geheimnis. Liebesgedichte" (Grupello Verlag 1999)

2003
Klaus Böldl
*1964 in Passau, lebt in München
für „Die fernen Inseln“ (Fischer Verlag 2003)

Aus der Begründung der Jury:
„Die ebenso ruhig gelassenen wie betörend schönen Beschreibungen des Lichts und der Farben, der Wolken, der Wasser und des Gesteins der Nordländer lassen mythische und metaphysische Landschaften entstehen, die in der Prosa der jüngeren Autoren unserer Tage beispiellos sind, makellos und abseits von allem, was marktgängig ist.“

2005
Felicitas Hoppe
wurde 1960 in Hameln geboren, hat Literatur- und Religionswissenschaften studiert und lebt als freie Schriftstellerin in Berlin.

für „Verbrecher und Versager“

1996 erschien ihr Debüt "Picknick der Friseure". 1999, nach einer viermonatigen Weltreise auf einem Containerschiff, folgte der Roman "Pigafetta".

Felicitas Hoppe veröffentlicht außerdem regelmäßig in Zeitungen und Zeitschriften und arbeitet mit bildenden Künstlern zusammen. Zahlreiche Lese- und Studienreisen führten sie nach Indien, den USA, Indonesien, auf die Philippinen und nach Westafrika

2005
Andreas Reimann
wurde 1946 geboren, er ist Lyriker.
Für "Zwischen den Untergängen"

Zusammen u.a. mit Wilhelm Bartsch und Wolfgang Hilbig gehört er zur "sächsischen Dichterschule". Seine Gedichte konnten in der DDR nur unregelmäßig in Zeitschriften veröffentlicht werden. Er schreibt auch Chansontexte für verschiedene Liedermacher und Rockgruppen und arbeitete als Schriftsetzer, Lagerarbeiter und Lohnbuchhalter.

2007
Björn Kern
*1978 in Schopfheim bei Lörrach/Baden-Württemberg, lebt und arbeitet in Konstanz.
für "Die Erlöser AG"

Aus der Begründung der Jury:
Als einer der ganz wenigen Gegenwartsautoren stellt sich Björn Kern in seinen Buch "Die Erlöser AG" den drängenden und häufig tabuisierten Problemen einer immer beängstigender überalternden Gesellschaft. Was geschieht in naher Zukunft mit den dementen und unheilbar Kranken? Halten bald neue Formen der Euthanasie Einzug? Kern schildert in bedrängenden Bildern die zerfallenden Innenwelten der Kranken und die gesellschaftlichen Veränderungen, die ihre Überzahl mit sich bringt. Der Ästhetik des Häßlichen und Abstoßenden gibt er ihre Würde durch teilnehmende Genauigkeit.

2009
Natascha Wodin
für "Nachtgeschwister"

Die abermalige Wahl von Wodin begründeten die Jurymitglieder Dr. Karl Corino und Professor Dr. Ralph-Rainer Wuthenow mit der hohen stilistischen Qualität des Romans „Nachtgeschwister“. Das Werk zeige, welche Weiterentwicklung Wodin in ihrer Prosa seit 1989 genommen habe. Zudem gelte es, mit einem solchen Preis beim Publikum erhöhte Aufmerksamkeit für das Buch zu wecken.

Aus der Begründung der Jury:
Natascha Wodins Roman "Nachtgeschwister" erzählt aus weiblicher Perspektive die Geschichte einer tragischen Verwechslung, der Verwechslung zwischen einem imaginären Ich, wie es Überwältigend aus Versen und Prosa hervortritt, und dem Menschen, der diese faszinierenden Texte erzeugt. Ein amour fou an wechselnden Schauplätzen, der zu einer ebenso langen wie unlebbaren Beziehung führt. Geschrieben in einer Sprache, die beharrlich nach Worten sucht für das, "was nicht sagbar ist".

Die Namenspatrone

Jacob Grimm wurde am 4. Januar 1785 in Hanau geboren, Wilhelm Grimm am 24. Februar 1786. Beide gelten als Begründer der Germanistik und sind am bekanntesten für ihre Sammlung der Kinder- und Hausmärchen. Sie begannen das "Deutsche Wörterbuch", das den deutschen Sprachschatz vollständig sammelt und ethymologisch erläutert. Jacob und Wilhelm Grimm vollendeten die ersten vier Bände, das Werk wurde erst im 20. Jahrhundert abgeschlossen.

Jacob und Wilhelm Grimm waren Mitglieder der "Göttinger Sieben", einer Gruppe von Hochschullehrern, die König Ernst August von Hannover wegen der Aufhebung der Verfassung des Verfassungsbruchs beschuldigt hatten. Alle sieben wurden aus dem Dienst entlassen. Mit der Preisverleihung im November erinnert Hanau an diesen 18. November 1837, an dem die "Göttinger Sieben" ihren mutigen und folgenreichen Protest gegen den Absolutismus ihres Monarchen erhoben.

Brüder Grimm Brüder Grimm-Denkmal

aktueller Preisträger

Reinhard Kaiser - vier Aufnahmen, die während der Preisverleihung entstanden
2011
Reinhard Kaiser
Für seine Übersetzung des Romans „Der abenteuerliche Simplicissimus Deutsch“ von Hans Jacob Christoffel Grimmelshausen aus dem Deutsch des 17. Jahrhunderts.

Aus der Begründung der Jury:
Reinhard Kaiser hat den gelungenen Versuch unternommen, das Hauptwerk von Grimmelshausen in ein modernes Deutsch zu übersetzen und es so der allgemeinen Gleichgültigkeit und dem Staub der Seminare zu entreißen. Dies ist vor allem der einfühlsamen Sprache des Übersetzers zu verdanken, der den ersten deutschen Schelmenroman wieder lesbar gemacht hat.

Reinhard Kaiser wurde 1950 in Viersen geboren, ist Übersetzer, Schriftsteller und Lektor. Er lebt in Frankfurt.
Seit 1975 übersetzt er Texte der Kultur- und Sozialwissenschaften (u.a. Neil Postmann, Richard Sennett), häufiger aber literarische Prosa (u.a. Nancy Mitford, Irene Dische). „Der abenteuerliche Simplicissimus Deutsch“ ist seine erste Übersetzung vom Deutschen ins Deutsche. 2010 erschienen zwei weitere Grimmeslhausen-Übersetzungen, die „Courage“ und „Der seltsame Springinsfeld“.

Seit 1989 veröffentlichte Reinhard Kaiser acht eigene Werke:
Kindskopf. 2007
Unerhörte Rettung. Die Suche nach Edwin Geist. 2004
Mein elektronischer Schreibtisch. 1999
Literarische Spaziergänge im Internet. 1996
Königskinder. Eine wahre Liebe. 1996
Eos' Gelüst. Roman. 1995
Der kalte Sommer des Doktor Polidori. Roman. 1991
Der Zaun am Ende der Welt. 1989

Reinhard Kaiser beschäftigt sich auch mit Fotografie und der Erkundung der gestalterischen Möglichkeiten in der digitalen Dunkelkammer.
Mehr Informationen:

www.reinhardkaiser.com

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