Hindemith-Preis der Stadt Hanau

Die Stadt Hanau verleiht den renommierten Hindemith-Preis. Bisher wurden der Jazzposaunist Albert Mangelsdorff, der Komponist Rolf Riehm, der Pianist und Dirigent Daniel Barenboim, die Bratschistin Tabea Zimmermann, der Dirigent Gerd Albrecht, der Violinist Frank Peter Zimmermann, der Dirigent Paavo Järvi, das Zehetmair-Quartett und Christoph Eschenbach ausgezeichnet. Preisträger des Jahres 2019 ist der Dirigent, Komponist und Pianist Olli Mustonen

Hindemith-Preis 2019 geht an Olli Mustonen Nach Oben

Olli Mustonen
Olli Mustonen

Der Hindemith-Preis der Stadt Hanau geht 2019 an den international renommierten Dirigenten, Komponisten und Pianisten Olli Mustonen. Einmütig ist der Magistrat dem gemeinsamen Vorschlag des Stiftungsrats der Hindemith-Stiftung und Oberbürgermeister Claus Kaminsky gefolgt und hat jüngst beschlossen, den renommierten Preis, der mit 10.000 Euro dotiert ist, dieses Jahr dem international hochgeschätzten Maestro zu verleihen. „Mit seinem weltweiten Ansehen für seine herausragenden musikalischen Fähigkeiten ist Olli Mustonen ein sehr würdiger Preisträger des Hindemith-Preises der Stadt Hanau 2019 - ganz im Sinne des großen Sohn Hanaus Paul Hindemith, der sich als Musiker, Komponist und Dirigent Anfang des 20. Jahrhunderts für die alte wie zeitgenössische Musik einsetzte“, kommentierte Oberbürgermeister Kaminsky die Entscheidung.
Die Verleihung des Preises wird am 24. November in Hanau stattfinden. Der Fachbereich Kultur, Stadtidentität und Internationale Beziehungen, die Fondation Hindemith in Blonay und das Hindemith Institut Frankfurt am Main gestalten die feierliche Preisverleihung gemeinsam. „Zu dieser Feierstunde sind bereits heute alle Musikinteressierten aus Nah und Fern sehr herzlich eingeladen", so OB Kaminsky. Der Preisträger Mustonen hat sein Kommen bereits zugesagt. Als Laudator konnte Franz Xaver Ohnesorg gewonnen werden. Ohnesorg war von 1978 an Orchesterdirektor der Münchner Philharmoniker, von 1983 bis1999 Direktor und Intendant der Kölner Philharmonie, gründete 1994 die MusikTriennale Köln, 1999 war er Künstlerischer Direktor der Carnegie Hall und bis 2003 Intendant der Berliner Philharmoniker. Derzeit ist er Intendant des Klavier-Festivals Ruhr.
1967 geboren in Helsiniki, erhielt Olli Mustonen von seinem fünften Lebensjahr an Cembalounterricht, zwei Jahre später begann der Klavierunterricht bei Ralf Gothóni. Bereits mit sechs Jahren unternahm er erste Kompositionsversuche und erhielt ab 1975 Kompositionsunterricht bei Einoiuhani Rautavaara. Mustonen avancierte rasch zu einem gefragten Konzertpianisten (Studium bei Eero Heinonen) und Dirigenten.
Seit 1989 übernimmt Mustonen wichtige Aufgaben im Musikleben seines Heimatlandes: zunächst die künstlerische Leitung des Korsholmer Musik-Festivals und 1990-1992 auch die des Turku Music-Festivals. Er ist Mitbegründer und Leiter des Helsinki Festival Orchestra und seit 2003 Dirigent des Kammerorchesters Tapiola Sinfonietta.
Als Pianist konzertiert Mustonen international mit den bedeutendsten Orchestern. Er trat gemeinsam mit dem London Symphony Orchestra, dem Koninklijk Concertgebouworkest, dem Chicago Symphony Orchestra, den Berliner Philharmonikern und vielen weiteren Klangkörpern auf. Eine enge Zusammenarbeit pflegt er mit Dirigenten wie Daniel Barenboim, Pierre Boulez und Christoph Eschenbach. 1999 brachte Mustonen mit Esa-Pekka Salonen und dem Los Angeles Philharmonic Orchestra das ihm gewidmete 5. Klavierkonzert von Rodion Shchedrin zur Uraufführung. Für die Einspielung der 24 Präludien und Fugen von Dmitrij Schostakowitsch und der 25 Präludien von Charles-Valentin Alkan erhielt Mustonen 1992 den "Edison Award" und den "Gramophone Award".
Mustonens Vorliebe für kontrapunktisch-verwobene Kompositionen und Werke des 20. Jahrhunderts, die Ideen des 17. und 18. Jahrhunderts aufgreifen (darunter die Bach-Bearbeitungen Ferruccio Busonis und Präludien-und-Fugen-Zyklen von Paul Hindemith oder Schostakowitsch), spiegelt sich auch in den eigenen Werken wider. Die Konzentration der Instrumentierung sowie die Werktitel sind Hinweise auf diese Affinität: Gavotte, Toccata oder Petite Suite. Die Sonate für Cello und Klavier zeigt dabei, wie Mustonen einen Bogen zwischen dem barocken Kontrapunkt bis in die am Ende des Stücks deutlich in Erscheinung tretende Moderne schlägt.
Daneben erkennt man in Mustonens Schaffen eine frische, in der Klanglichkeit seiner Heimat verwurzelte Tonsprache. Wiederum ist der programmatische Heimatsbezug bereits in den Titeln der Stücke erkennbar: Kaksi Metsätunnelmaa ("Zwei Waldstimmungen"), Vanha kirkko Petäjävedellä ("Die alte Kirche bei Petäjävesi") oder Kolme poikaa, kolme puuta ("Drei Bäume, drei Söhne") sind Beispiele dafür.
2011 leistete Mustonen seinen ersten Beitrag zur Gattung der Symphonie. Seine Sinfonia 1 für Bariton und Orchester wurde von der Tampere Filharmonia unter der Leitung des Komponisten in Tampere uraufgeführt und in der Folge sowohl in Helsinki als auch in Russland, Deutschland und Australien nachgespielt. Der gesungene Text basiert auf einem in Finnland sehr bekannten Gedicht von Eino Leino. Auch für seine Sinfonia 2 mit dem Untertitel "Johannes Angelos" ließ sich Mustonen von einem literarischen Werk inspirieren: Der Roman "Der dunkle Engel" von Mika Waltari ist als Programm des rein instrumentalen Werks jedoch verborgener als zuvor. Die zweite Symphonie wurde 2014 vom Helsinki Philharmonic Orchestra unter Mustonens Leitung zur Uraufführung gebracht.
Mustonen gilt aufgrund seiner Vielseitigkeit als eine Ausnahmeerscheinung im internationalen Musikleben. In dieser Vielseitigkeit sieht er in Paul Hindemith ein Vorbild, wie er 2012 in einem Interwiew bekannte. So befasst er sich seit vielen Jahren mit dem OEuvre von Paul Hindemith und platziert es regelmäßig in seinen Konzertprogrammen. Eine hochgelobte Einspielung des grandiosen Klavierzyklus „Ludus tonalis“ publizierte er bereits 1996, 2003 nahm er Hindemiths Konzertwerk „Die vier Temperamente“ auf. Seit 2007 hat er auch Hindemiths lange verschollene, erst 2004 uraufgeführte „Klaviermusik mit Orchester“ op. 29 (Klavier: linke Hand) im Repertoire und spielte 2012 die englische Erstaufführung dieses Werks. In jüngster Zeit setzte er sich außerdem vermehrt als Dirigent mit Hindemith auseinander: Mit dem Orchesterwerk „Symphonic Metamorphosis“ gastierte er zuletzt in Italien, Finnland und Schweden.

Neben den Brüdern Grimm, Moritz Daniel Oppenheim, W. C. Heraeus und Rudi Völler ist Paul Hindemith der wohl weltweit bekannteste Hanauer. Der Komponist und Musiker wurde am 16. November 1895 in der Hanauer Vorstadt geboren. Ihm zu Ehren wird seit 2000 der Hindemith-Preis der Stadt Hanau vergeben (bis 2004 Paul Hindemith-Preis für Kunst und Menschlichkeit), immer im Wechsel mit dem Brüder Grimm-Preis für Literatur und dem Ludwig Emil Grimm-Preis für bildende Kunst. Dabei wird der bzw. die Preisträgerin vom Stiftungsrat der Hindemith-Stiftung vorgeschlagen und vom Magistrat der Stadt Hanau bestätigt. Dem Stiftungsrat der Hindemith-Stiftung gehören gegenwärtig Präsident Professor Dr. Andreas Eckhardt, Vizepräsident Francois Margot, Professor Christian Höppner, Dipl. Ing. Andreas Schober und Professor Tabea Zimmermann an. Preisträger waren bisher Albert Mangelsdorff, Rolf Riehm, Daniel Barenboim, Tabea Zimmermann, Gerd Albrecht, Frank Peter Zimmermann, Paavo Järvi, das Zehetmair-Quartett und Christoph Eschenbach.

Composed Paul Hindemith

Paul Hindemith, am 16. November 1895 in Hanau geboren, war Komponist, Instrumentalmusiker und Musikpädagoge.
Er zählt zu den führenden kreativen Köpfen des 20. Jahrhunderts weltweit.
Hindemiths Lebensphilosophie zeichnete sich insbesondere durch große menschliche Zugewandtheit und Sensibilität aus. Als herausragender Musikpädagoge richtete er sein Augenmerk vor allem auf junge Menschen, deren musikalische Erziehung ihm ein wichtiges Anliegen war. Durch sein Wirken hat er die Musik und das kompositorische Schaffen nach seiner Zeit nachhaltig beeinflusst.

Seine Geburtsstadt Hanau fühlt sich dem weltberühmten Komponisten und praktizierenden Musiker in besonderer Weise verbunden.
Zu seinen Ehren und seinem Andenken verleiht der Magistrat der Stadt analog zum Brüder-Grimm-Preis für Literatur und dem Ludwig Emil Grimm-Preis für Bildende Kunst im Wechsel den „Hindemith-Preis“, der in feierlichem Rahmen vom Oberbürgermeister überreicht wird.
Der Hindemith-Preis der Stadt Hanau würdigt somit das Lebenswerk dieses großartigen
Preisträger des Hindemith-Preises

Preisträger des Hindemith-Preises

Hindemith-Preis 2016 geht an Christoph Eschenbach Nach Oben

 Christoph Eschenbach

Feierstunde mit dem Maestro am 12. November im Congress Park Hanau
Der Hindemith-Preis der Stadt Hanau geht 2016 an den international herausragenden Pianisten und Dirigenten Christoph Eschenbach. Einmütig ist der Magistrat dem gemeinsamen Vorschlag des Stiftungsrats der Hindemith-Stiftung und Oberbürgermeister Claus Kaminsky gefolgt und hat jüngst beschlossen, den renommierten Preis dieses Jahr dem international hochgeschätzten Maestro für seine Dirigate von Hindemith-Werken zu verleihen. So erhielt Eschenbach 2014 den Grammy in der Kategorie „Best Classical Compendium“ für die Einspielung von Hindemiths Violinkonzert - Symphonic Metamorphosis - Konzertmusik op. 50 anlässlich dessen 50. Todestags mit Geigerin Midori und dem NDR-Sinfonierorchester. 2015 nahm Eschenbach Hindemiths Sinfonie "Mathis der Maler" (1934) sowie die "Symphonie in Es" (1940) mit dem NDR-Sinfonieorchester auf CD auf.
„Mit seinem weltweiten Ansehen, das er für seine brillanten musikalischen Fähigkeiten genießt, ist Christoph Eschenbach ein würdiger Preisträger des Hindemith-Preises der Stadt Hanau 2016 - ganz im Sinne Paul Hindemiths, eines der berühmtesten und international anerkanntesten Musikers, der sich Anfang des 20. Jahrhunderts für die alte und auch für die zeitgenössische Musik einsetzte“, zitiert Oberbürgermeister und Kulturdezernent Claus Kaminsky aus der Begründung und ergänzt, dass es mit der Entscheidung für Christoph Eschenbach einmal mehr gelungen sei, einen großartigen Preisträger zu küren.

Hindemith-Preis 2014 geht an Zehetmair-Quartett Nach Oben

Zehetmair-Quartett
Zehetmair-Quartett / Foto: Keith Pattison

Thomas Zehetmair, Violine; Kuba Jakowicz, Violine; Ruth Killius, Viola; Christian Elliott, Violoncello
Geschätzt wird das Zehetmair Quartett aufgrund seiner durchdachten, intellektuellen Interpretationen, die durch Klarheit und Kompromisslosigkeit gekennzeichnet sind. Dabei spielen die vier Virtuosen auf höchstem technischem Niveau und finden in ihrer Musik zu einer Wahrhaftigkeit, die gepaart mit ihrer enormen Ausdrucksstärke so schnell keine Nachahmer findet. Neben dem gängigen Repertoire überzeugt das Quartett auch durch sein fantastisches Verständnis für zeitgenössische Musik.
Das Zehetmair Quartett besteht seit 1994 und befindet sich mittlerweile an der Weltspitze der Streichquartette. Gründungsmitglied ist der österreichische Violinist und Dirigent Thomas Zehetmair. Seinem Interesse für klassisch-romantische Violinenstücke, aber auch für zeitgenössische Kompositionen ist die interessante und abwechslungsreiche Zusammenstellung des Repertoires zu verdanken.
Zu den besonderen künstlerischen Herausforderungen gehörten in der Vergangenheit u.a. die zyklische Aufführung aller Streichquartette von Robert Schumann in der Londoner Wigmore Hall, die Uraufführung des Streichquartetts Nr. 2 von Heinz Holliger – ein Auftragswerk der Köln Musik GmbH für das Zehetmair Quartett. Anlässlich der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag von Elliott Carter 2009 konzertierte das Zehetmair Quartett mit großem Erfolg in New York.
Für die Einspielung von Bartóks 4. und Hartmanns 1. Streichquartett sowie des 1. und 3. Streichquartetts von Schumann bei ECM erhielt das Zehetmair Quartett Auszeichnungen wie den Diapason d’Or des Jahres, den Gramophone Award (Record of the Year), den Edison- und den Klara-Preis für die beste internationale Produktion des Jahres.
Eine Aufnahme mit den Streichquartetten Nr. 4 von Hindemith und Nr. 5 von Bartók wurde in den Medien als Referenzaufnahme besprochen und erhielt den Diapason d’Or des Jahres. Das jüngst veröffentlichte Album des Ensembles ist Beethoven, Bruckner, Hartmann und Holliger gewidmet.
Paavo Järvi
Paavo Järvi / Foto: hr/Jean Christophe Uhl

2012 - Paavo Järvi

Dirigent
*1962

Die Musik wurde dem Preisträger Paavo Järvi bereits in die Wiege gelegt. 1962 als ältestes von drei Kindern in der Stadt Tallinn geboren, die heute wieder Hauptstadt von Estland ist, folgten er und seine Geschwister den musikalischen Fußstapfen des Vaters, Neeme Järvi, der selbst ein bekannter Dirigent ist.
Paavo Järvi begann seine musikalischen Studien bereits, als die Familie noch in Tallin lebte. Die Schwerpunkte waren dabei Percussion und Dirigieren. 1980 entschloss sich die ganz Familie, in die USA auszuwandern. Dort setzte Paavo Järvi sein Studium fort. Zunächst war er am Curtis Institute of Music eingeschrieben. Anschließend schrieb er sich am Los Angeles Philharmonic Institute ein. Dort lernte er unter anderem bei Leonard Bernstein, der als Komponist und Dirigent weltberühmt wurde.
Sehr lange hat Paavo Järvi in einer Band ist Esland Schlagzeug gespielt. Doch nach seiner Ausbildung zum Dirigenten nahm er diese Laufbahn in Angriff. Als einer von zwei Leitern des Kungliga Filharmoniska Orkestern war er in Stockholm in den Jahren 1995 bis 1998 tätig. Inzwischen nimmt Paavo Järvi gleich mehrere Aufgaben wahr: Er ist Chefdirigent des HR Sinfonieorchesters Frankfurt, Music Director des Cincinnati Symphony Orchestra, Künstlerischer Berater des Estonian National Symphony Orchestra und Music Director des Orchestre de Paris und Künstlerischer Leiter der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Neben seinen festen Positionen ist Paavo Järvi als Gastdirigent sehr gefragt.
Seit Beginn seiner Karriere setzt sich Paavo Järvi für die Werke estnischer Komponisten wie Arvo Pärt, Erkki-Sven Tüür, Lep Sumera und Eduard Tubin ein und unterstützt das Estonian National Symphony Orchestra als künstlerischer Berater.

Frank Peter Zimmermann
Frank Peter Zimmermann
2010 - Frank Peter Zimmermann

Violinist
* 1965 in Duisburg

Frank Peter Zimmermann begann im Alter von fünf Jahren mit dem Geigenspiel. Er gab bereits mit 10 Jahren sein erstes Konzert mit Orchester.

Er gastierte bei allen wichtigen internationalen Musik-Festivals, wie beim Schleswig-Holstein Musikfestival und beim Lucerne Festival. Er spielte mit allen berühmten Orchestern: den Berliner Philharmonikern, dem Royal Concertgebouw Orchestra, den Wiener Philharmonikern, dem Boston Symphony Orchestra, dem Chicago Symphony Orchestra, dem New York Philharmonic Orchestra, dem London Symphony Orchestra, der Staatskapelle Berlin, dem Pittsburgh Symphony Orchestra und der Staatskapelle Dresden unter Dirigenten wie Bernhard Haitink, Sir Simon Rattle, Christoph Dohnanyi, Pierre Boulez, Alan Gilbert, Daniel Barenboim, Manfred Honeck und Fabio Luisi. Frank Peter Zimmermann brachte drei Violinkonzerte zur Welturaufführung, beispielweise das Konzert „The Lost Art of Letter Writing“ von Brett Dean.

Sensibles Klanggespür und unbändige Virtuosität macht Zimmermanns Konzerte zu faszinierenden Musikerlebnissen. In einer Zeit, die äußerstes Virtuosentum gern mit Kunst verwechselt, zwingt er zum Hinhören und zur Auseinandersetzung mit den Stücken.

Mit seinen Interpretationen voller Leidenschaft und Emphase ist er ein würdiger Preisträger des Paul Hindemith-Preises der Stadt Hanau 2010.

Weitere Informationen: KünstlerSekretariat am Gasteig


Gerd Albrecht
Gerd Albrecht

2008 - Professor Gerd Albrecht

Dirigent
* 19.07. 1935 in Essen
† 02.02. 2014

Als jüngster Preisträger nahm Gerd Albrecht im Alter von 22 Jahren seine erste Auszeichnung als Dirigent – den Ersten Preis beim internationalen Dirigentenwettbewerb in Besançon – entgegen, womit der Grundstein für seine internationale Karriere gelegt war. Nach Stationen an der Staatsoper Stuttgart und der Oper Mainz wurde der ehemalige Schüler Herbert von-Karajans fünf Jahre später als jüngster Generalmusikdirektor Deutschlands in Lübeck engagiert. In der gleichen Position ging er später ans Staatstheater Kassel, die Deutsche Oper Berlin und von 1988-1997 nach Hamburg, wo er gemeinsam mit Peter Ruzicka die Leitung des Staatsorchester und der Oper übernahm. Gastverträge führten Gerd Albrecht regelmäßig u.a. an die Wiener Staatsoper und zu den Salzburger Festspielen. Als Chefdirigent leitete er des Tonhalle-Orchester in Zürich und von 1993-1996 die Tschechische Philharmonie Prag.

Von 1998 bis 2007 leitete Gerd Albrecht als Chefdirigent das Yomiuri Nippon Symphony Orchestra in Tokio und parallel dazu von 2000 bis 2004 das Dänische Radio-Symphonieorchester in Kopenhagen. Als Dirigent internationaler Opern- und Konzertorchester gastiert Gerd Albrecht regelmäßig bei Festivals in Salzburg, München, Edinburgh, Luzern und Wien. 2006 und 2007 führten ihn Engagements an die Opera La Fenice in Venedig, auf das Festival Las Canarias, sowie u.a. nach Prag, Brüssel, Moskau, Turin, Bayreuth und München.

In seiner künstlerischen Tätigkeit legt Gerd Albrecht, am 19. Juli 1935 in Essen geboren und vorwiegend in Berlin aufgewachsen, drei Schwerpunkte: Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die Vermittlung zeitgenössischer Musik und das Engagement für zu Unrecht vergessene Kompositionen.

Tabea Zimmermann
Tabea Zimmermann

2006 - Professor Tabea Zimmermann

Bratschistin
* 8.10.1966 in Lahr

Professor Tabea Zimmermann gehört seit vielen Jahren zu den beliebtesten und renommiertesten Musikern unserer Zeit. Ihre charismatische Persönlichkeit, ihr tiefes musikalisches Verständnis und ihr natürliches Spiel werden von den Zuhörern und ihren musikalischen Partnern gleichermaßen geschätzt. Dass sie heute als weltweit führende Bratschistin gilt, gründet nicht nur in ihrer außergewöhnlichen Begabung, sondern ebenso in der frühen und intensiven Förderung durch ihre Eltern, der umfassenden Ausbildung durch exzellente Lehrer und dem unermüdlichen Enthusiasmus, mit dem sie ihr Verständnis der Werke und ihre Liebe zur Musik an ihr Publikum vermittelt.

Tabea Zimmermann erhielt im Alter von 3 Jahren ihren ersten Bratschenunterricht, zwei Jahre später begann sie mit dem Klavierspiel. An ihre Ausbildung bei Ulrich Koch an der Musikhochschule Freiburg schloss sich ein kurzes, intensives Studium bei Sandor Végh am Mozarteum in Salzburg an. Eine Reihe von Wettbewerbserfolgen krönte ihre Ausbildung, darunter erste Preise beim internationalen Wettbewerb "Maurice Vieux" und 1984 in Budapest. In Paris erhielt sie als Preis eine Bratsche des zeitgenössischen Geigenbauers Etienne Vatelot, auf der sie seitdem konzertiert.

In unzähligen Konzerten hat sich die Künstlerin in der ganzen Welt für das Werk von Paul Hindemith eingesetzt. Darüber hinaus vermittelt sie ihr Können und speziell auch die Interpretationskunst der Kompositionen Paul Hindemiths im Rahmen ihrer Lehrtätigkeit an der Hanns-Eisler-Musikhochschule in Berlin, sowie in zahlreichen Meisterkursen im In- und Ausland.

Mehr Informationen unter: www.tabea-zimmermann.de.

2004 - Daniel Barenboim

Pianist, Dirigent
* 15.11.1942 in Buenos Aires

Daniel Barenboim wurde 1942 als Sohn von Eltern jüdisch-russischer Abstammung in Buenos Aires geboren. Im Alter von fünf Jahren begann seine Mutter ihn im Klavierspiel zu unterrichten, später studierte er bei seinem Vater, der sein einziger Klavierlehrer blieb. Im Alter von sieben Jahren, 1950, gab er sein Debüt als Pianist.
1952 Umzug nach Israel. Zwei Jahre später, im Sommer 1954, Beginn der Dirigentenausbildung bei Igor Markevich in Salzburg. Wilhelm Furtwängler urteilte über ihn: »Der elfjährige Daniel Barenboim ist ein Phänomen.« Ab 1955 Studien der Harmonielehre und Komposition in Paris. In den 1960er Jahren Einspielungen der Solokonzerte von Mozart, Beethoven und Brahms.
Dirigierdebüt 1967 in London mit dem Philharmonic Orchestra. 1975 als Nachfolger von Sir Georg Solti Chefdirigent des Orchestre de Paris. 1987 künstlerischer Direktor der neuen Bastille-Oper Paris. 1991 Chefdirigent des Chicago Symphony Orchestra, seit 1992 künstlerischer Leiter und Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper Unter den Linden. Chefdirigent der Staatskapelle Berlin auf Lebenszeit.

Zusammen mit dem palästinensischen Literaturwissenschaftler Edward Said setzt er sich durch gemeinsame Konzerte jüdischer und arabischer Musiker im Rahmen des von beiden begründeten West-Eastern Divan Orchestra für eine Annäherung der verfeindeten Volksgruppen im Nahostkonflikt ein. Auch für dieses Projekt erhielt er den Preis Prinz von Asturien (2002), den Haviva-Raik-Friedenspreis (2004), die Buber-Rosenzweig-Medaille (2004), den Ernst-von-Siemens-Musikpreis (2006) und den Hessischen Friedenspreis (2006).

Mehr Informationen unter: www.danielbarenboim.com.

2002 - Professor Rolf Riehm

Komponist
* 15.6.1937 in Saarbrücken

Rolf Riehm studierte zunächst Schulmusik in Frankfurt/Main und ab 1958 Komposition bei Wolfgang Fortner in Freiburg. Danach Tätigkeit als Solo-Oboist (u.a. mit "Ungebräuchliches" bei den Internationalen Ferienkursen Darmstadt 1966). Riehm ist Mitbegründer der Frankfurter Vereinigung für Musik, die von 1964 bis 1970 existierte. Nach kurzem Schuldienst ab 1968 Dozent an der Rheinischen Musikschule Köln, wo er bis 1972 auch Mitglied der "Gruppe 8" - einem Zusammenschluss Kölner Komponisten - war. 1968 erhielt er die Auszeichnung "Premio Marzotto per la Musica" und ein Stipendium der Villa Massimo, das ihm einen Aufenthalt in Rom ermöglichte. Von 1974 bis 2000 Professor für Komposition und Tonsatz an der Musikhochschule Frankfurt/Main, 1976 bis 1981 Mitglied des legendären "Sogenannten Linksradikalen Blasorchesters" Frankfurt. Konzertreisen, Vorträge und Workshops führten ihn u.a. nach Mittel- bzw. Südamerika und Japan. 1992 Kunstpreis des Saarlandes.

Mehr Informationen unter: www.rolf-riehm.de.

2000 - Professor Albert Mangelsdorff

Jazzposaunist
* 5.9.1928 in Frankfurt am Main
† 25.7.2005 in Frankfurt am Main

1957 wird Mangelsdorff Leiter des Jazz Ensembles des Hessischen Rundfunks, 1958 nimmt er als Mitglied der "International Youth Band" am Newport Jazz Festival in den USA teil. 1961 Gründung des "Albert Mangelsdorff Quintetts". Ende der 60er Jahre spielt er verstärkt Free Jazz und wird international bekannt. 1993 Ernennung zum Honorarprofessor für Jazz an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Seit 1995 künstlerischer Leiter des Jazzfestes Berlin.
Zahlreiche Auszeichnungen, u. a. das Bundesverdienstkreuz, Auszeichnung als weltbester Jazzposaunist durch das amerikanische Fachmagazin "Downbeat", die Goetheplakette der Stadt Frankfurt am Main sowie die Benennung des alljährlich von der "Union Deutscher Jazzmusiker" verliehenen "Albert-Mangelsdorff-Preises".
Albert Mangelsdorff galt als "wichtigster Erneuerer des Posaunenspiels". Als Musiker und Persönlichkeit genoss Albert Mangelsdorff weltweit hohes Ansehen.