Lamboyfest

Plakat Lamboyfest 2012
Lamboy-Fest: Erinnerung an eine langwierige Belagerung und ihre Aufhebung
In Hanau begegnet man unweigerlich den Namen Ramsay und Lamboy. Nach letzterem – so scheint es – ist gleich ein ganzer Stadtteil und ein Jahrhunderte altes Traditionsfest benannt.
Das Fest erinnert an ein Ereignis während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648), bei dem der namensgebende kaiserliche General Wilhelm von Lamboy den Hanauern allerdings nichts Gutes wollte, denn er war der Kommandeur der Truppen, die die Stadt neun Monate lang belagerten.
Doch der Reihe nach: Die moderne Festung Hanau am Schnittpunkt zwischen Nord- und Süddeutschland sowie die fruchtbare Wetterau weckten wiederholt die Begehrlichkeiten beider Kriegsparteien. Schon in den Anfangsjahren des Krieges hatte Katharina Belgia, Witwe des Neustadtgründers Graf Philipp Ludwig II., versucht, Stadt und Grafschaft aus dem Konflikt herauszuhalten – was aber nur selten gelang.
So wundert es nicht, dass in Hanau mehrfach die Besatzung wechselte. Nach dem Siegeszug König Gustav II. Adolf kam die Festung Ende 1631 in schwedische Hände, die sofort neue Außenwerke und Bastionen anlegen ließen.
Im Spätsommer 1635 zog ein kaiserliches Heer vor Hanau, legte Schanzen an und schloss die Festung ein. Dort hatten sich nicht nur die Hanauer, sondern auch viele Bewohner aus der Umgebung in Sicherheit gebracht. Da es der Belagerungsarmee an schwerer Artillerie fehlte, um eine Bresche in den Wall der Stadtbefestigung zu schießen, versuchte General Lamboy, die Stadt auszuhungern. Doch der energische Stadtkommandant Jacob Ramsay, ein Schotte in schwedischen Diensten, hatte vorsorglich Nahrungsreserven angelegt und bei Ausfällen Beute gemacht.
Fast ein Dreivierteljahr dauerte die Blockade, bis eine hessisch-schwedische Armee unter Landgraf Wilhelm V. von Hessen die Kaiserlichen unter General Lamboy am 13. Juni 1636 in die Flucht schlug und damit die ärgste Not der Eingeschlossenen beseitigte. Möglicherweise spielten dabei Bitten der Landgräfin Amalie Elisabeth, eine Tochter von Katharina Belgia und Philipp Ludwig II., eine Rolle.
Das Gedenken an dieses Ereignis beging man in der Grafschaft Hanau-Münzenberg ursprünglich als religiösen Buß- und Bettag. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts zogen viele Hanauer dann erstmals am 13. Juni in den Wald, um in der Nähe einer von General Lamboy während der Blockade errichteten Brücke ein Volksfest zu feiern, das heute nur noch Lamboyfest genannt wird.
Das Lamboyfest ist eines der ältesten Volksfeste in Hessen. Nach mehreren Standortwechseln findet es heute als kulturelles Stadtfest unter Mitwirkung zahlreicher Hanauer Traditionsvereine in der Altstadt an einem Wochenende um den 13. Juni statt.
