Verkehr
HSB-Busse fahren weiter durch die Nürnberger Straße
„Für den seit Jahr und Tag gewohnten Verbleib der HSB-Buslinien in der Fußgängerzone Nürnberger Straße gibt es mehr Argumente als dagegen. Alternativrouten bringen zu starke Nachteile mit sich.“ So fassen Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Verkehrsdezernent Axel Weiss-Thiel das Ergebnis der Güterabwägung zusammen, wie die Hanauer Straßenbahn (HSB) künftig vom Marktplatz zum Hauptbahnhof und zurück fahren soll. Daher soll die Nürnberger Straße beim Umgestalten der Innenstadt abermals einen Unterbau erhalten, der die Last der derzeit dort verkehren Busse zu tragen vermag.
„Der Wettbewerbliche Dialog dient dazu Hanaus Innenstadt noch attraktiver zu machen. Das gilt auch für den Öffentlichen Personennahverkehr“, so Weiss-Thiel. Daher sei entschieden worden, den HSB-Linienverkehr weiter über die Fahrstraße zu führen, um den Marktplatz nicht abzuhängen. Der gehört mit täglich rund 8300 Fahrgästen nach dem Freiheitsplatz (26.000 Fahrgäste) zu den wichtigsten Haltestellen der HSB.
Die Nürnberger Straße mit ihrer Außengastronomie und ihren „Geschäften mit Alleinstellungsmerkmal“ könnten reizvoller werden, wenn dort keine Busse mehr durchführen, so OB Kaminsky. Aber die von Fachleuten untersuchte Route über Kölnische Straße, Französische Allee, Lautenschlägerstraße und Am Ballplatz in die eine sowie Gärtner- und Schützenstraße in die andere Richtung habe sich als „nur bedingt brauchbare Alternative“ erwiesen. Denn verlängerte Fahrzeiten verschlechterten die Betriebs- und Bedienqualität für die HSB-Fahrgäste deutlich, so sei vor allem mit mehr Verspätungen und damit mangelnder Anschlusssicherheit zu rechnen. Darüber hinaus müssten die Straßen für die Umfahrung der Nürnberger Straße umgebaut werden, und es entfiele etwa die Hälfte der meist von 500 bis 800 Anwohnern genutzten Parkplätze.
Als weitere Alternative stand ein Einbahnring zum Entlasten der Nürnberger Straße zur Diskussion, indem in Richtung Freiheitsplatz über Hirsch- und Mühlstraße sowie in Richtung Hauptbahnhof auf gewohnter Strecke die Busse verkehren würden. „Aber damit wäre der Marktplatz für HSB-Fahrgäste deutlich schlechter zu erreichen als heute“, gibt Verkehrsdezernent Weiss-Thiel zu bedenken. Und er fügt hinzu: „Das Liniennetz der HSB wäre weniger gut begreifbar, wenn die Buslinien eine unterschiedliche Hin- und Rückrichtung führen. Das gilt erst recht für Ortsfremde.“
Diese Variante brächte es auch mit sich, dass die Hirschstraße und deren Einmündung in die Nürnberger Straße umzubauen wären. Und es wären rund 100 Anwohner und 30 Geschäftsinhaber oder Gastronomen neu von Busverkehr vor der Tür betroffen.
„Keine der untersuchten Alternativen kann aus allen Blickwinkeln wie dem der Fahrgäste, der HSB, der Fußgänger, der Anwohner und der Stadt wegen Kosten und Stadtentwicklung überzeugen“, fasst OB Kaminsky zusammen und schließt: „Ergo bleiben wir bei der Busroute durch die Nürnberger Straße.“
Hanaus Nahverkehr bis 2017 planen
„Wir wollen die positiven Veränderungen, die der Stadtumbau in Hanau für den Öffentlichen Personennahverkehr mit sich bringt, rechtzeitig auch im neuen Nahverkehrsplan abbilden.“ So begründet Hanaus Verkehrsdezernent Axel Weiss-Thiel die aktuelle Stadtverordnetenvorlage, mit der die Grundlage für einen fortzuschreibenden Nahverkehrsplan (NVP) für die Jahre 2013 bis 2017 geschaffen wird.
Stadtrat Weiss-Thiel kündigte einen begleitenden Arbeitskreis und einen Lenkungsausschuss an, in dem es nach dem Parlamentsbeschluss um frühzeitige und regelmäßige Beteiligung gehe. Den Gremien sollen übergeordnete Institutionen, Nachbarkommunen und -kreise, Verkehrsunternehmen, Verbände, Ortsbeiräte und Fraktionen angehören. Auch Hanaus Bürgerinnen und Bürger sollen kritisieren und anregen können.
Die Hanau Lokale Nahverkehrsorganisation (HLNO) erstellt den NVP und will diesen im dritten Quartal 2012 fertig erstellt haben, damit die Stadtverordneten einen Beschluss fassen können. Die HLNO rechnet mit rund 80.000 Euro, die es kostet den NVP fortzuschreiben. Diese Kosten deckt zum Teil der RMV ab, der Geld gibt den lokalen ÖPNV zu verbessern.
Nach dem Gesetz über den ÖPNV in Hessen ist spätestens nach fünf Jahren zu entscheiden, ob ein neuer NVP aufzustellen ist. Der aktuelle NVP gilt von 2008 bis 2012.
„Da sich durch den Stadtumbau und die Nordmainische S-Bahn die Rahmenbedingungen verändern, brauchen wir eine neue Grundlage für guten, kundenfreundlichen Nahverkehr in Hanau“, so Stadtrat Weiss-Thiel. So erhält der Zentrale Omnibusbahnhof auf dem Freiheitsplatz ein neues Gesicht. Des ÖPNV-Ausbaus bedarf es wegen des Bevölkerungszuwachses auf ehemaligen Militärflächen. Und der Westbahnhof verändert sich mit dem Anbinden der Nordmainischen S-Bahn.
Der fortzuschreibende NVP gibt den Rahmen für den ÖPNV in Hanau vor, analysiert den Gesamtverkehr in der Brüder-Grimm-Stadt und rechnet dessen Weiterentwicklung hoch. Er arbeitet Mängel am bestehenden Verkehrsangebot auf und bewertet verkehrliche, ökologische und wirtschaftliche Konsequenzen. Die HLNO bewertet darüber hinaus die zu erwartende Entwicklung der Fahrtarife im Allgemeinen und des elektronischen Fahrscheinverkaufs im Besonderen. Sie schlägt vor, wie sich die Haltestellen in Hanau weiter verbessern lassen. Und sie plant ein neues Fahrgast-Informationssystem, das an vielen Haltestellen elektronisch die Abfahrzeiten der Buslinien anzeigt.
Schließlich geht es im NVP auch darum den Rahmen vorzugeben, der für die Neuvergabe der Hanauer Stadtbuslinien im Juni 2017 gelten soll.
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