Brüder Grimm-Nationaldenkmal

Ein langer Weg, bis 1896 die Brüder Grimm in Bronze gegossen wurden.

Ansicht des Nationaldenkmals der Brüder Grimm auf dem Neustädter Marktplatz.
Ansicht des Nationaldenkmals der Brüder Grimm auf dem Neustädter Marktplatz.

Noch zu Lebzeiten der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, im Jahre 1853, spendete der angesehene Hanauer Bürger und Mäzen Pedro Jung 500 Gulden für ein zu errichtendes Denkmal. Sich anschließende Spendensammlungen und Aufrufe blieben aber weitgehend erfolglos. Am 21. Januar 1884 gründete sich ein sog. Denkmalskomitee und bekräftigte das Vorrecht der Stadt Hanau, Standort für ein Nationaldenkmal der Brüder Grimm gegenüber Kassel, Göttingen oder Berlin zu sein. 1888 wurden elf namhafte Bildhauer aufgefordert, einen entsprechenden Entwurf einzureichen; alle Modelle wurden im Januar 1889 in der Königlichen Zeichenakademie Hanau öffentlich ausgestellt. Die Bevölkerung zeigte starkes Interesse an den Entwürfen. Ein Preisgericht ermittelte die ersten drei Preisträger: Auf Platz 1 gelangte der Entwurf von Max Wiese, Bildhauer und Direktor der Zeichenakademie, der 2. Preis ging an Gustav Eberlein, Professor, Bildhauer und Maler aus Hannoversch-Münden. Den 3. Preis errang Syrius Eberle, Professor und Bildhauer aus München.
Bronzeplatte
Bronzeplatte "Jacob und Wilhelm Grimm" am Nationaldenkmal.

Doch schon bald regten sich Unmut und Gegenstimmen. Es kam zum Streit über den erstplatzierten Entwurf von Bildhauer Wiese. Man entschloss sich, den Sohn Wilhelm Grimms, Herman Grimm, Kunst- und Literaturhistoriker in Berlin, um seine Meinung zu fragen. Dieser begutachtete die Modelle und entschied sich für den Entwurf von Syrius Eberle. So wurde der Auftrag zur Ausführung des Denkmals an Eberle erteilt. Das Denkmal sollte auf dem Neustädter Marktplatz errichtet werden, die Figuren eine Höhe von ca. drei Metern messen und ein neuer Sockel gebaut werden. Das preußische Ministerium zog daraufhin entrüstet seine Finanzzusage zurück.
Bronzeplatte am Sockel des Nationaldenkmals.
Bronzeplatte am Sockel des Nationaldenkmals.

So kam der Künstler in Verzug. Die Anfertigung eines Hilfsmodells in Originalgröße verzögerte sich bis 1894. Bis auf kleine Änderungen waren die Hanauer vom Entwurf angetan, jedoch nicht der Künstler; denn er vernichtete das Hilfsmodell und konnte erst ein Jahr später ein neues präsentieren. In der Eile musste das Denkmal in Teilen zwei Gießereien in Bronze gegossen werden. Am 18. Oktober 1896 fand schließlich die feierliche Denkmalsenthüllung unter großer Anteilsnahme der Bevölkerung statt.
Aus dem Verkauf des originalgroßen Gussmodells aus Gips nach Kassel wurde das schmiedeeiserne Ziergitter bezahlt.
Bronzeplatte am Sockel des Nationaldenkmals.
Bronzeplatte am Sockel des Nationaldenkmals.
Die drei preisgekrönten Modelle des Nationaldenkmals der Brüder Grimm befinden sich heute im Eigentum des Hanauer Geschichtsvereins 1844 e. V. und können neben anderen Grimmensien im Historischen Museum Hanau Schloss Philippsruhe bestaunt werden.

Das Nationaldenkmal bildet heute den Ausgangspunkt der Deutschen Märchenstraße von Hanau nach Bremen.

Die Vorliebe Japans für die Brüder Grimm und ihre Märchensammlung führte 1989 zum Abguss des Denkmals samt Nachbau des Neustädter Rathauses im Maßstab 1:1 für das "Glücks-Königreich" Kofuko, einem Freizeitpark in Obihiro auf der Insel Hokkaido / Japan.

Gesamthöhe des Denkmals: 6,45 m.
Bildhauer der Figurengruppe: Syrius Eberle / München.
Klassizistischer Bronzesockel und Ziergitter: Architekt Friedrich August von Thiersch / München.

Sitzende Figur Wilhelm Grimm und Sockel: Rupp’sche Erzgießerei / München;
stehende Figur Jacob Grimm: Gießerei von Miller / München.

Steinsockel aus schwedischem Granit: Dykerhoff & Naumann / Wetzlar.
Aufstellungsarbeiten: Jäger & Stumpf / Hanau.

Söhne der Stadt - die Brüder Grimm