Adhoc Meldung!

07.05.2021

Erreichbarkeiten

- während des Lockdowns.

Brüder-Grimm-Preis

Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau
Valerie Fritsch
Valerie Fritsch erhält den Brüder-Grimm-Preis für Literatur der Stadt Hanau 2020
 
Mit dem Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau 2020 wird Valerie Fritsch aus Graz für ihren Roman "Herzklappen von Johnson & Johnson" ausgezeichnet. Die Jury mit Literaturkritikerin Beate Tröger, der amtierenden Preisträgerin Dr. Barbara Zoeke, Literaturprofessor Dr. Heiner Boehncke, dem ehemaligen Vorsitzenden des hessischen Bibliotheksverbandes Aloys Lenz MdL a.D. und dem Präsidenten der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung Professor Dr. Ernst Osterkamp, votierte Anfang September 2020 - nach eingehender Diskussion der eingereichten Veröffentlichungen - einstimmig für das im Suhrkamp Verlag erschienene Werk. Der Magistrat bestätigte in seiner letzten Sitzung diese den Jury-Entscheid zur Verleihung des Preises, der mit 10.000 Euro dotiert ist. Die öffentliche Preisverleihung durch Oberbürgermeister Claus Kaminsky wird unter Corona-Bedingungen am Freitag, 20. November 2020, 20 Uhr, im Kulturforum Hanau erfolgen. "Der Roman "Herzklappen von Johnson & Johnson", erzählt in einer Prosa von hoher atmosphärischer Dichte und mit einer an der Präzision der Photographie geschulten Genauigkeit der Wahrnehmung die Geschichte einer Familie über drei Generationen hinweg", schreibt die Jury in ihrer Begründung. Mit großem Gespür für Klang und Rhythmus der Sprache schildere Valerie Fritsch "in trennscharfen Bildern die Wirkungen des Schweigens und vergegenwärtige die Notwendigkeit des Schmerzes im Leben: ausdrucksstark, lebensnah und mit beeindruckender Sensibilität für seelische Schattierungen."
Valerie Fritsch wurde 1989 in Graz geboren, hat angewandte Fotografie studiert und bezeichnet sich selbst als Schriftstellerin, Polaroidphotographin und Reisende.  Sie hat bisher Romane, Erzählungen, Essays und Gedichte veröffentlicht. Ihr Schaffen wird stark durch eine intensive Reisetätigkeit beeinflusst und sie verbringt sechs bis sieben Monate im Jahr im Ausland. Für die Recherche ihres  Romans "Herzklappen von Johnson & Johnson" reiste Fritsch 16.000 Kilometer mit dem Auto von Graz nach Kasachstan.
Der Klappentext beschreibt das Buch wie folgt:
"Alma und Friedrich bekommen ein Kind, das keinen Schmerz empfinden kann. In ständiger Sorge um ihren Jungen ist es vor allem Alma, die ihn unaufhörlich auf körperliche Unversehrtheit kontrolliert. Jeden Abend tastet sie das Kind ab, um keine Blessur zu übersehen. Und nichts fürchtet die junge Mutter mehr als die unsichtbare Verletzung eines Organs, die ohne ein Zeichen bleibt. Halt findet Alma bei ihrer Großmutter, die jetzt, hochbetagt und bettlägerig und nach lebenslangem Schweigen, zu erzählen beginnt: vom Aufwachsen im Krieg, von Flucht, Hunger und der Kriegsgefangenschaft des Großvaters. Mit dem Kind auf dem Schoß, das keinen Schmerz kennt, sitzt Alma am Bett der Schwerkranken, die sich nichts mehr wünscht, als ihren Schmerz zu überwinden. Und in den Geschichten der Großmutter findet sie eine Erklärung für jene scheinbar grundlosen Gefühle der Schuld, der Ohnmacht und der Verlorenheit, die sie ihr Leben lang begleiten."
Das Buch "Herzklappen von Johnson & Johnson" von Valerie Fritsch war unabhängig vom Brüder Grimm-Preis für Literatur auch für den Deutschen Buchpreis 2020 nominiert, der kürzlich an Anne Weber für "Annette – ein Heldinnenepos" vergeben wurde. Oberbürgermeister Claus Kaminsky freut sich sehr, dass ein Werk aus dieser Shortlist auch die Hanauer Jury und den Magistrat der Stadt überzeugte. Valerie Fritsch wird den Preis nach heutigem Stand in Hanau persönlich entgegennehmen.  
 
Der Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau ist in erster Linie ein Literaturpreis für ein herausragendes Werk in deutscher Sprache aus dem Gebiet der Prosa, Lyrik oder Dramatik (einschließlich Kinder-und Jugendliteratur). Dem wissenschaftlichen Anliegen Jacob und Wilhelm Grimms entsprechend kann aber auch ein herausragendes Werk in deutscher Sprache, das sich außerdem durch hohe sprachliche Qualität und Verständlichkeit auszeichnen muss, aus dem Gebiet der Sprachforschung oder der Volkskunde prämiert werden.

Der Preis dient gleichermaßen der Auszeichnung wie der Förderung. Prämiert wird ein bei einem deutschen oder außerdeutschen Verlag erschienenes Werk. Der Magistrat beruft auf die Dauer von drei Jahren (Wiederberufung möglich) eine Jury von fünf Personen, die den Preisträger oder die Preisträgerin benennt. Sie setzt sich wie folgt zusammen: ein Professor oder eine Professorin für Germanistik an einer hessischen Universität, ein weiterer Juror oder eine Jurorin wird von der Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt bestimmt. Von den beiden anderen Juroren soll mindestens einer ein sachkundiger Hanauer Bürger oder eine sachkundige Hanauer Bürgerin sein. Außerdem ist der jeweils letzte Preisträger oder die letzte Preisträgerin in der Jury vertreten.

Der Preisträger wird vom Magistrat aufgefordert, im Jahre der Preisverleihung oder danach eine kulturelle Veranstaltung in Hanau durchzuführen.

Der Preis besteht aus einer Ehrenurkunde und dem Geldbetrag i.H.v. 10.000 Euro. Er wird in feierlichem Rahmen vom Oberbürgermeister der Stadt Hanau überreicht.
Seit 2017 wird der Preis in einem dreijährigen Rhythmus im Wechsel mit dem Paul Hindemith-Preis und dem Ludwig Emil Grimm-Preis der Stadt Hanau verliehen.
Prof. Dr. Heiner Boehncke,
Aloys Lenz,
Prof. Dr. Ernst Osterkamp,
Beate Troeger
und Barbara Zoeke als amtierende Preisträgerin
 
1983
Wolfgang Hilbig
Abwesenheit. Gedichte (Fischer, 1982) und Unterm Neomond. Erzählungen (Fischer, 1982).
1985
Waltraud Anna Mitgutsch
Die Züchtigung (Claassen, 1985).
1987
Wilhelm Bartsch
Übungen im Joch (Gedichte).
1989
Natascha Wodin
Einmal lebt ich (Luchterhand, 1989).
1991
Monika Maron
Stille Zeile sechs (Fischer, 1991).
1993
Harald Weinrich
Textgrammatik der deutschen Sprache.
(Dudenverlag, 1993)
1995
Adolf Endler
Tarzan am Prenzlauer Berg (Reclam, 1994).
1997
Harry Rowohlt
Übersetzung von Frank McCourt: Die Asche meiner Mutter (Luchterhand,1996).
1999
Georg Klein
Libidissi (Alexander Fest Verlag, 1998)
2001
Heinz Czechowski
"Die Zeit steht still. Ausgewählte Gedichte." (Grupello Verlag 2000)
"Das offene Geheimnis. Liebesgedichte" (Grupello Verlag 1999)
2003
Klaus Böldl
„Die fernen Inseln“ (Fischer Verlag 2003)
2005
Felicitas Hoppe
„Verbrecher und Versager“
2005
Andreas Reimann
"Zwischen den Untergängen"
2007
Björn Kern
"Die Erlöser AG"
2009
Natascha Wodin
"Nachtgeschwister"
2011
Reinhard Kaiser
Übersetzung des Romans „Der abenteuerliche Simplicissimus Deutsch“ von Hans Jacob Christoffel Grimmelshausen aus dem Deutsch des 17. Jahrhunderts.
2013
Christoph Ransmayr
"Atlas eines ängstlichen Mannes"
2017
Dr. Barbara Zoeke
"Die Stunde der Spezialisten"
Jacob Grimm wurde am 4. Januar 1785 in Hanau geboren, Wilhelm Grimm am 24. Februar 1786. Beide gelten als Begründer der Germanistik und sind am bekanntesten für ihre Sammlung der Kinder- und Hausmärchen. Sie begannen das "Deutsche Wörterbuch", das den deutschen Sprachschatz vollständig sammelt und ethymologisch erläutert. Jacob und Wilhelm Grimm vollendeten die ersten vier Bände, das Werk wurde erst im 20. Jahrhundert abgeschlossen.

Jacob und Wilhelm Grimm waren Mitglieder der "Göttinger Sieben", einer Gruppe von Hochschullehrern, die König Ernst August von Hannover wegen der Aufhebung der Verfassung des Verfassungsbruchs beschuldigt hatten. Alle sieben wurden aus dem Dienst entlassen. Mit der Preisverleihung im November erinnert Hanau an diesen 18. November 1837, an dem die "Göttinger Sieben" ihren mutigen und folgenreichen Protest gegen den Absolutismus ihres Monarchen erhoben.
Brueder-Grimm-Preis
Der Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau rühmt sprachlich herausragende Werke. Er ermutigt Autorinnen und Autoren, ihre literarische Arbeit fortzusetzen.

Der Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau schmückt die Stifterin, weil sie ihr kulturelles Erbe ernst nimmt und weiterträgt. Mit dem Preis verweist sie darauf, dass literarische Kultur große Bedeutung für die Gesellschaft hat.

Der Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau ehrt die Namensgeber.