Przewalski Wildpferde

Przewalskipferde Hanau

Die Przewalskipferde auf Campo Pond

Das Przewalski-Pferd, benannt nach dem russischen Expeditionsreisenden Oberst Przewalski, ist das letzte überlebende echte Wildpferd. Das heißt die evolutionären Wege dieses Pferdes haben sich schon frühzeitig von denen unserer domestizierten Pferde getrennt. Ein Knochenfund in Kanada bestätigt, dass die Przewalski-Pferde dort schon vor etwa 700.000 Jahren lebten und sich während der letzten Eiszeit bis nach Europa verbreiteten.
Das ehemalige US-Army-Trainingsgelände "Campo Pond" im Hanauer Stadtteil Großauheim hat sich über die Jahre hinweg zu einem einzigartigen Biotop entwickelt. Der Name kommt übrigens vom dort extra angelegten "Pond" = See.
Was genau ist das Besondere an Campo Pond?


Campo Pond, die Heimat der Przewalski-Pferde, diente mehr als sechs Morgenstimmung Auf Campo PondJahrzehnte lang als militärisches Trainingsgelände für die US-Armee. Panzer und andere schwere Militärfahrzeuge befuhren regelmäßig das Gelände, Camps wurden errichtet und der Bau von Pontonbrücken am Teich geprobt. Zu besonderen Anlässen nutzte die US-amerikanische Militärgemeinde das Areal auch um Veranstaltungen, wie beispielsweise das deutsch-amerikanische Freundschaftsfest auszurichten.

Als die Amerikaner Ende 2008 aus Hanau abzogen, ging Campo Pond, Campo Pondgenau wie alle anderen amerikanischen Liegenschaften, in das Eigentum des Bundes über, der durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) von der Sparte Bundesforst vertreten wird. Campo Pond ist daher Konversionsgelände und nimmt mit 101 Hektar einen beachtlichen Teil der insgesamt 340 Hektar Konversionsflächen in Hanau ein. Campo Pond umfasst neben den Offenlandflächen auch rund 19 Hektar Wald, dieser gehört zum Teil der Stadt Hanau und dem Land Hessen. Es ist geplant durch einen Waldflächentausch die Gesamtfläche komplett in die Verwaltung des Bundesforstes zu übergeben, um eine einheitliche naturschutzgerechte Pflege und die Verkehrssicherung zu gewährleisten.

Auf dem über viele Jahrzehnte durch Drahtzäune abgeschlossenen Campo Campo Pond LuftbildPond haben zahlreiche besonders geschützte Pflanzen- und Tierarten überlebt. Verursacht durch die stete Befahrung mit schweren Fahrzeugen ist dort ein einzigartiges Biotop entstanden. Unterschiedliche Lebensräume, wie Sand-Magerrasen, Steppenvegetation und nicht forstwirtschaftlich genutzten Wälder bieten Rehen, Kaninchen, Füchsen, Fledermäusen, vielen Insekten und diversen Amphibienarten ein Zuhause.

Rund 70 Hektar des Geländes wurden auf Grund des besonders seltenen „Sand-Magerrasen“, vom Hessischen Naturschutz-Ministerium als FFH-Gebiet (FFH=Fauna-Flora-Habitat) ausgewiesen und sind somit durch EU-Verordnung als "Natura-2000-Gebiet" geschützt. Der gute ökologische Zustand muss gemäß FFH-Richtlinie gehalten werden. Die Verantwortung zum Erhalt und Pflege des FFH-Gebiets obliegt dem Land Hessen in Abstimmung mit dem Eigentümer Bundesforst. Das Land Hessen muss alle sechs Jahre den Zustand der Flächen dokumentieren und zur EU nach Brüssel melden.
Den Monitoringbericht aus 2011 stellen wir Ihnen als Download zur Verfügung.
Um den FFH-Status zu erhalten, entstand die Idee Przewalski-Pferde als Landschaftspfleger anzusiedeln. Sie pflegen das Fauna-Flora-Habitat „Campo Pond“, in dem sie neue Baumtriebe abknabbern („verbeißen“) und das Gelände von Unterholz freihalten. Damit tragen sie zur Offenhaltung des wertvollen Sand-Magerrasens bei. Durch das große Engagement und die finanzielle Unterstützung des Bundesforsts war es möglich das Przewalski-Artenschutzprojekt nach Hanau zu holen.

Im Sommer 2009 errichtete der Bundesforst die erste rund 26 Hektar große Pferde-Koppel auf dem Gelände. Um Platz für weitere Tiere zu schaffen baute der Bundesforst ein Jahr später eine zweite gleich große Koppel, die mit der ersten durch einen Gang verbunden ist. Der Koppelzaun wurde zudem noch verstärkt, damit auch zukünftigen Fohlen hier ein ausbruchsicheres Zuhause finden. Vier Przewalski-Stuten und ein Hengst beweiden und pflegten aktuell das Gelände.

Beide Koppeln sind durch ein Gatter miteinander verbunden, das nach Bedarf geöffnet werden kann. Auf den Koppeln befinden sich zudem natürliche Teiche, die den Tieren als Wasserstelle dienen.

Pflanzensoziologische Dauerbetrachtung 2011
Vegetations-Monitoring 2014
Przewalski Wildpferde unterscheiden sich vor allem äußerlich von unseren domestizierten Pferden: Sie wiegen nur etwa 200-300kg, also die Hälfte eines Hauspferdes, bei einer Schulterhöhe von 130-145cm. Darüber hinaus haben sie typische Merkmale, an denen man sie erkennen und von anderen Pferden unterscheiden kann:
 
  • Hell- bis dunkelbraune, teilweise sogar weißliche, Fellfärbung
  • Weiße „Mehlschnauze“
  • Heller „Schwalbenbauch“
  • Dunkler Aalstrich als Rückenlinie
  • „Schwanzbürste“ ist primäres Merkmal. Diese wird beim jährlichen Fellwechsel mitgewechselt
  • Stehmähne ohne Stirnschopf
  • Zebrastreifung an der Innenseite der Beine

GalinkaGalinka_CP
  • geboren am: 16.09.2006
  • Herkunft: München (Tierpark Hellabrunn)
  • Geschlecht: w
  • Äußere Kennzeichen: viele braune und schwarze Haare am Kopf und Hals, ausgeprägte Barszeichen, Schulterkreuz, Beinstreifen vorne und hinten
  • Besonderheiten und Charakter: rangniedrigstes Pferd, hält sich oft etwas abseits der Herde auf, sehr zutraulich und neugierig, Mutter von Priska (in die Mongolei ausgewildert) und Oleg (verstorben)

GingerGinger
  • geboren am: 20.05.2006
  • Herkunft: München (Tierpark Hellabrunn)
  • Geschlecht: w
  • Äußere Kennzeichen: groß und stämmig; helles kreisrundes Abzeichen bzw. Narbe im Bereich der Schulter; rundes Abzeichen an der rechten Kruppe
  • Besonderheiten und Charakter: sehr mutig und souverän, selbstbewusst aber freundlich, Mutter von Pepper (in die Mongolei ausgewildert)

JanaJana
  • geboren am: 29.08.2009
  • Herkunft: Nationalpark Bayerischer Wald
  • Geschlecht: w
  • Äußere Kennzeichen: groß und stämmig, großer Kopf, narbe unter dem linken Auge, Beinstreifen vorne, Schulterkreuz
  • Besonderheiten und Charakter: aufgeschlossen und neugierig, zutraulich, manchmal etwas zickig, sehr eng mit Ginger befreundet, Mutter von Nele (verstorben)

JanineJanine
  • geboren am: 08.06.2008
  • Herkunft: München (Tierpark Hellabrunn)
  • Geschlecht: w
  • Äußere Kennzeichen: keine besonderen Abzeichen, Beinstreifen vorne, relativ zierlich
  • Besonderheiten und Charakter: freundlich und zutraulich, selbstbewusst und neugierig

MarieMarie
  • geboren am: 31.07.2005
  • Herkunft: Stuttgart (Tierpark Wilhelma)
  • Geschlecht: w
  • Äußere Kennzeichen: Kippmähne, Beinstreifen, helle Fellfarbe
  • Besonderheiten und Charakter: selbstbewusst und charakterstark, neugierig und aufgeschlossen, verhält sich rangniedrigeren Tieren gegenüber sehr dominant

FuryFury
  • geboren am: 12.05.2007
  • Herkunft: Österreich (Zoo Salzburg)
  • Geschlecht: m
  • Äußere Kennzeichen: Barszeichen, Beinstreifen vorne, Schulterkreuz, rötliche Fellfarbe, groß und stämmig, breiter Hals
  • Besonderheiten und Charakter: freundlich aber zurückhaltend, eher scheu und schreckhaft sowie vorsichtig; Vater von Oleg, Pepper, Priska und Pavel

PavelPavel
  • geboren am: 29.08.2015
  • Herkunft: Campo Pond, Hanau
  • Geschlecht: m
  • Vater: Fury, Mutter: Ilonka
  • Äußere Kennzeichen: keine Beinstreifen, leicht rötlich, kräftiger Hals
  • Besonderheiten und Charakter: freundlich und neugierig, vorsichtig und etwas zurückhaltend, noch recht verspielt und kleiner und zierlicher als Fury
Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben/Sparte Bundesforst stellt als Grundstückseigentümer das Gelände für das Wildpferde-Projekt zur Verfügung und ist der offizielle Tierhalter. Zudem hat der Bundesforst die beiden Koppeln für die Tiere errichten lassen und komplett vorfinanziert. Der Bundesforst trägt zusätzlich die Kosten für den Transport der Tiere und die tierärztliche Versorgung durch den Zoo Frankfurt.

Der Tierpark Hellabrunn stellt die Pferde dem Bundesforst im Rahmen des internationalen Zuchtprogramms EEP kostenlos zur Verfügung, damit sie sich hier in Hanau in einer möglichst artgerechten Umgebung fortpflanzen können.

Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm für Przewalskipferde (EEP) wird derzeit vom Zoo Köln geleitet. Die Mitglieder sind Biologen und Veterinäre der einzelnen Przewalski-Züchter (Zoos + Freilandhaltungen) in ganz Europa. Das EEP-Gremium bestimmt, aus welchen Tieren und an welchem Ort neue Zuchtgruppen gebildet werden und an welcher Stelle die nachgezüchteten Tiere wieder ausgewildert werden.

Der Zoo Frankfurt sorgt mit Hilfe der Tierärztinnen Dr. Schauerte und Dr. Geiger für die tierärztliche Versorgung. Die Kosten trägt der Bundesforst.
Die Deutsche Bahn hat das Wildpferdeprojekt durch Ökopunkte (naturschutzrechtliche Kompensationsmittel) mitfinanziert. Die Ökopunkte, die für bares Geld stehen, hat die Bahn als Ausgleich eingezahlt, um an anderer Stelle Flächen zu versiegeln, um eine neue ICE-Trasse zu legen.

Die Stadt Hanau unterstützt dieses herausragende Projekt mit allen Kräften. So beriet und überwachte die Untere Naturschutzbehörde der Stadt Hanau fachlich die Vorbereitungsarbeiten, die nötig waren, um die Tiere anzusiedeln und publizierte eine detaillierte Broschüre über die Przewalski-Pferde und das Fauna-Flora-Habitat Campo Pond. Die Stadt Hanau gewährleistet zudem die Betreuung der Pferde, indem sie die Biologin Wolter einstellte, die täglich nach den Tieren sieht und sich um ihr Wohlergehen kümmert.

Das Umweltzentrum Hanau bietet regelmäßig Führungen zu den Przewalski-Pferden mit geschulten Referenten an. Diese informieren ausführlich über die Pferde und das Internationale Zuchtprogramm sowie über den einzigartigen Fauna-Flora-Habitat Campo Pond mit seinen vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten.

Frau Dr. Wolter, Biologin
Geboren und aufgewachsen in Hanau. Studium der Biologie mit Schwerpunkten Ökologie und Genetik an der Universität Würzburg. Doktorarbeit über das "Verhalten von Przewalski-Pferden in Semireservaten" an der Universität Regensburg.

Im Auftrag der Stadt Hanau betreut Frau Dr. Wolter seit November 2018 die Przewalski-Pferde auf dem Campo Pond Gelände. Täglich sieht sie nach den Tieren, versorgt sie mit zusätzlichen Mineralien und achtet auf ihr allgemeines Wohlbefinden.
Informationsbroschüre: Urwildpferde als Landschaftspfleger
Führungen zu den Wildpferden
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