Arten und Biotopenschutz

Natürliche Vielfalt

Zauneidechse
Der Arten- und Biotopschutz dient dem Schutz und der Pflege der wildwachsenden Pflanzen und wildlebenden Tiere und ihrer Lebensräume als Teil des Naturhaushaltes. Zahlreiche internationale Vereinbarungen und Rechtsvorschriftern wurden geschlossen, um den Artenrückgang zu verhindern oder abzumildern. Hessen hat eine Biodiversitätsstrategie verabschiedet.

 
Artenschutz in Hanau
In warmen Sommern mit ausgedehnten Regenfällen steht in und rund um Hanau viel Wasser in den Wiesen und Wäldern. Diese feuchten Stellen bieten leider auch gute Entwicklungsmöglichkeiten für Mücken, die dann als echte Plagegeister auftreten können. Wie kann man sich schützen?

Hier finden Sie einige Tipps:

Was sind das für Mücken in Hanau?
Hanau ist umgeben von Wasserflächen und naturnahen Feuchtgebieten wie Erlenbruchwälder, Auwiesen und Auwälder. Mücken gab es hier schon immer – aber bedingt durch die vielen Starkregen in den letzten Wochen, steht nun viel Wasser in den Wäldern und Wiesen. Hier können sich Mücken gut vermehren und in den Wohnbereichen als echte Plagegeister auftreten.
Die Stadt Hanau hat die Mückenbrutgebiete in Hanau kartiert und wird auch weiterhin beobachten, wie sich die "Mückenzentren" entwickeln. Durch gezielte Aktionen und aktives Wassermanagement wird die Mückenpopulation direkt in den Mückenzentren eingedämmt, um erst gar keine Plage aufkommen zu lassen.

Eine Stechmückenart, die Hausmücke (Culex spec.) vermehrt sich speziell im engeren Wohnbereich und in Gärten. Sie kann besonders während der Abendzeit und Nachtruhe empfindlich belästigen.
Hier sind wir auf Ihre Mithilfe angewiesen, denn die Brutstätten der Hausmücken befinden sich im Gegensatz zu denen der Überschwemmungsmücken und Waldmücken meist in unmittelbarer Nähe Ihrer Wohnungen – z.B. in Wasserfässern, Blumenübertöpfen, Gullys.

Der Mückenkreislauf:
Auf stehenden Wasseroberflächen legen die Hausmückenweibchen ihre Eischiffchen (ca. 200 bis 400 Eier pro Gelege) ab. Je nach Temperatur entwickelt sich die Brut nach vier Larvenstadien und einem Puppenstadium zu den uns bekannten Fluginsekten. Die Weibchen fliegen nach erfolgter Begattung sofort zu einer neuen Quelle für eine Blutmahlzeit (Säugetiere, Vögel oder auch Sie) und dringen dabei auch in Häuser ein. Sie orientieren sich an dem Kohlendioxid der Atemluft oder Schweißbestandteile, weniger am Licht. Die Mückenweibchen benötigen nur eine einzige Blutmahlzeit und legen wenige Tage später ein neues Eischiffchen auf eine Wasseroberfläche ab, womit der Kreislauf geschlossen ist. Bei warmen Temperaturen und vielen Wasserflächen führt dieser Kreislauf zu einem raschen Anstieg der Population. Die Mücken werden zur Plage.Hausmücken überwintern in Kellern oder anderen frostgeschützten Räumen.

Was also tun gegen die Mücken?
Unterbrechen Sie den Mückenkreislauf! Es bieten sich folgende Möglichkeiten an:
Beseitigen Sie alle unnötigen Wasserbehälter.
Decken Sie Wasserbehälter ab (z.B. Regenfässer), damit die Stechmücken ihre Eigelege nicht auf die Wasseroberfläche legen können.
Leeren Sie Regentonnen und andere Wasserbehälter (z.B. Vogeltränken, Blumenuntersetzer) regelmäßig restlos aus, damit die Mückenbrut auf das Trockene fällt (alle 10 Tage).
Ab und an hilft ein Tropfen (!!) Spülmittel. Dieser setzt die Oberflächenspannung des Wassers in der Regentonne herab, so dass die Mückenlarven, die unter der Oberfläche sitzen untergehen
Besetzen Sie Ihre Gartenteiche mit Fischen. Diese vertilgen die Mückenbrut am besten. Gartenteiche werden nach und nach von den natürlichen Fressfeinden der Stechmückenlarven besiedelt. Sie sind daher üblicherweise keine Massenbrutstätten der Hausmücken. Neuangelegte Teiche sollten Sie jedoch auf Larvenbesatz überprüfen. Dazu nehmen Sie am besten in einem weißen Gefäß eine Schöpfprobe. Die Mückenlarven sind gut zu erkennen.
Können die genannten Maßnahmen nicht vorgenommen werden, dann empfiehlt sich eine Bekämpfung der Wasserflächen mit umweltverträglichen Präparaten auf biologischer Basis. Im Baumarkt oder Gartenmärkten können Sie Tabs mit einem biologischen Wirkstoff erhalten. Diese Bti-Tabs können Sie in Ihren neuangelegten Teich oder andere Wasserflächen geben. Die Mückenlarven fressen das beigemischte Protein und sterben ab. Allerdings ist ein Neubefall möglich! Hinweise, dass das Präparat in üblicher Dosierung giftig für Fische ist, gibt es derzeit nicht.
Wie helfen die Bti-Tabletten?

Diese Tabs enthalten ein Protein eines Bakteriums (Bacillus thuringensis israelensis). Das Protein ist ein Fraßgift und wirkt nur, wenn die Mückenlarven das Mittel im Wasser fressen. Die Anwendung ist für Regentonnen oder Gartenteiche gedacht, die keine Fische enthalten.
Ein Versprühen in der Luft, Auftragen auf die Haut oder sogar selbst einnehmen hilft nicht, sondern kann sogar gesundheitsschädigend sein!!
Das Mittel können sie in jedem Baumarkt oder Gartenmarkt für wenige Euro erhalten.
Bürger und Bürgerinnen von Hanau erhalten im Stadtladen geringe Mengen der Bti-Tabs kostenlos.
Einwohner von umliegenden Gemeinden wenden sich bitte an die eigene Gemeindeverwaltung oder an Geschäfte.
 
Vom Kinzigbogen in der Brüder-Grimm-Stadt in die ehemaligen Steinbrüche nach Mühlheim-Dietesheim: Podarcis muralis, gemeinhin besser als Mauereidechse bekannt, musste umziehen. Seit 2008 wurden knapp 3000 der besonders geschützten Tiere auf dem Gelände des ehemaligen Gleisbauhofes gefangen und in den Steinbrüchen wieder ausgesetzt.

Die Mauereidechse - ein Portrait:
Das wärmeliebende kleine Reptil ist in Deutschland als bestandsgefährdete Rarität eingestuft und kommt normalerweise nur in besonders warmen Weinbaugegenden vor, wie etwa im Kaiserstuhl, am Pfälzer Wald und den berühmten Weinlagen an Mosel, Nahe und Mittelrhein.
In Hanau und dem Umland kam die Mauereidechse bisher nicht vor. Sie ist aber, wie schon die Funde am Frankfurter Güterbahnhof im Jahr 1997 und an Bahngleisen im Bereich Bergstrasse und Gießen 2003 zeigen, offensichtlich auf dem Vormarsch.Das trockene und heiße Kleinklima der Schotterbetten der Bahndämme in Zusammenhang mit den warmen Sommern der Vorjahre war offensichtlich für die Ausbreitung der Tiere mit ursprünglicher mediterraner Herkunft sehr förderlich. Höchstwahrscheinlich werden die Eidechsen sogar als blinde Passagiere auf Bahnwaggons - in der Fracht verborgen - transportiert. Mauereidechsen gehören nach den neuen europäischen Naturschutzgesetzen zu den streng geschützten Tierarten.
Weil der ehemalige Gleisbauhof zum Gewerbegebiet "Kinzigbogen" entwickelt wurde, war es zwingend erforderlich die Tiere vor Baubeginn in einen geeigneten Lebensraum umzusiedeln.

Was passierte mit den Mauereidechsen?
Neue Heimat wurde das Gelände der alten Basaltsteinbrüche in Mühlheim-Dietesheim. Diese bieten sich in idealer Weise für das Umsiedlungsvorhaben an, weisen doch die stillgelegten Steinbrüche warme, sonnenenbeschienene Steilfelsen auf, die ein perfektes neues Eidechsen-Quartier abgeben. Im Frühjahr 2008 wurde durch ein Biologenteam in aufwändigen und spannenden Fangaktionen knapp 2000 Eidechsen gefangen. Haushaltsschwämme oder Angeln mit Fangschlingen und viel Geduld waren wichtige Helfer beim verletzungsfreien Eidechsenfang. Die Tiere wurden an mehreren Stellen in den ehemaligen Balsaltsteinbrüchen ausgesetzt. Weitere Tiere wurden in 2011, vor Beginn der Erschließungsarbeiten eigefangen.
Somit wurde durch die Hanauer Naturschutzbehörde sichergestellt, dass bei den Bauarbeiten keine Echsen „unter die Räder“ kommen und eine wirklich lebensfähige, große Startpopulation in den Steinbrüchen Fuß fassen kann.
Beobachtungen zeigten schon im Sommer 2008, unmittelbar nach den Umsetzungen, dass sich die flinken Tiere gut in ihrer neuen Heimat, den Dietesheimer Steinbrüchen eingelebt hatten. Spaziergänger konnten die Eidechsen an ihren Sonnenplätzen in den Steilwänden des Steinbruchs bei geeigneten Wetterbedingungen beim Sonnenbaden beobachten.
Sie hatten sich bereits kurze Zeit später selbständig optimale Liegeplätze erobert, die bis zu fünfhundert Meter von den Aussetz-Stellen entfernt waren.

Mauereidechsen erobern Hanau:
Einige Mauereidechsen des Gleisbauhofes sind dem Umzug zuvorgekommen. Beobachtungen im August 2008 zeigten, dass sich die Mauereidechsen entlang der Schienentrassen im Hanauer Stadtgebiet ausbreiten. Am Nordbahnhof und auch unter einer Bahnbrücke an der Kinzig wurden die seltenen Tiere bereits im Schotterbett der Gleise gesichtet.
So scheint sich das Hanauer Stadtgebiet mit seinem milden Klima zu einem neuen Lebensraum für eine besonders geschützte Tierart zu entwickeln

Mauereidechsen wachsen und gedeihen:
Die Umsiedlungsaktion ist sehr erfolgreich verlaufen, die Mauereidechsen haben sich in ihrer neuen Steinbruch-Heimat fortgepflanzt und die Population entwickelt sich kräftig weiter aufwärts !
Bei den Kontrollen der Steinbruchwände konnte wiederholt eine große Zahl von alten und auch jungen Tieren festgestellt werden. Besonders im Jahr 2012 konnten sehr viele Jungechsen beobachtet werden, was belegt, dass der gesamte Steinbruch als neuer Lebensraum akzeptiert und besetzt wurde.
Aber auch in Hanau sind noch Mauereidechsen verblieben.
So konnten Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde die kleinen Echsen sogar an den sonnigen Sandstein-Mauern des technischen Rathauses am Hessen-Homburg-Platz beobachten, wo sie ihrem Namen alle Ehre machen…
Auf dem verbliebenen Gleisbauhof der Bahn wurden spezielle Schotter-Drahtkörbe aufgestellt, um auch hier die Vermehrung der verbliebenen Tiere zu unterstützen.
Die Hanauer Mauereidechsen sind in Fachkreisen mittlerweile so „berühmt“, dass sie sogar in der wissenschaftlich Fachliteratur gewürdigt werden.
Die Störche sind zurück in Hanau.
In einem im September 2007 angelegten Feuchtbiotop zwischen Wilhelmsbad und dem Neubaugebiet Mittelbuchen hat sich in 2014 erstmals ein Storchenpaar in einem Nest hoch oben auf einem 12 m hohen Holzmasten niedergelassen und drei Junge ausgebrütet. In 2016 wurden zwei Junge groß gezogen. Die wenigsten Menschen in Hanau werden sich erinnern können, denn Störche gab es in Hanau bereits seit den 60er Jahren nicht mehr. Augenzeugen berichten, dass in Mittelbuchen zuletzt in 1953 ein Storch gesichtet wurden.
Im April 2014 hat ein Storchenpaar sein Nest in Hanau Mittelbuchen gebaut und Mitte Mai sind drei Jungstörche geschlüpft. Aufmerksame Spaziergänger konnten die Aufzucht, erste Flugversuche und Nahrungssuche der Jungstörche beobachten, bevor sich diese im Spätsommer auf den Weg nach Süden machten.
In 2015 wurde das Nest wieder besiedelt. Leider hat nur ein Jungstorch überlebt. In 2016 konnten zwei Junge groß gezogen werden. Vielleicht kehren sie ja in einigen Jahren zurück, um selbst ein Nest in der Nähe zu besiedeln. Durch Renaturierungsmaßnahmen und Aufstellen von Nisthilfen sind etliche Wiesen rund um Hanau für Störche wieder attraktiv.

Das Feuchtgebiet in Mittelbuchen und die Fallbach Auen:
Mit der Anlage eines neuen Wohngebietes in Mittelbuchen wurde es für die Stadt notwendig, Raum für das abfließende Regenwasser zu schaffen. Durch die Versiegelung von Flächen kann Regenwasser nicht mehr versickern, sondern braucht neue Räume: entweder - als teure Lösung - betonierte Regenrückhaltebecken oder besser und günstiger die Anlage von Wasserspeichern in der Natur. Auf der städtischen Wiese wurden daher im September 2007 mehrere Mulden und Gräben durch Hanau Infrastrukturservice (HIS) ausgebaggert, die sich auch gleich mit Wasser füllten. Bei starkem Regen kann nun das Zuviel an Wasser aus dem städtischen Kanal kurzzeitig in diese Wasserspeicher abfließen.
Die Feuchtwiese bietet einen idealen Lebensraum für Störche: weite Wiesen, ungestört am Rande einer Besiedelung. Daher ließen die Untere Naturschutzbehörde und die Stadtwerke bereits im Jahr 2008 in umliegenden Wiesen zwei 12 m hohen Masten mit 2 m breiten Nestunterlagen errichten.
Jahrelang haben die Störche die Wiesen zwar begutachtet, aber zur Brut auf den Nestern hatte sich erst in 2014 ein Brutpaar niedergelassen.

Diese Hoffnung hat auch der Ortsbeirat Nordwest, der in den Fallbach-Auen Anfang März 2015 ein Storchennest aufstellen ließ. Die Fallbach-Auen wurden in 2012 als Ausgleich zum Bau des Kinzigbogens renaturiert. Seit dem finden hier Störche wieder Nahrung und tummeln sich auf den Wiesen. Ein Nest soll nun Anreiz schaffen, nicht nur als Nahrungsgast auf den Wiesen vorbeizuschauen, sondern dort zu brüten.

Störche in Hessen:
Ältere Mitbürger werden sich erinnern, dass früher in vielen Wiesen die königlichen Störche spazierten und nach Nahrung suchten. Aber seit Mitte der 80er Jahre gab es in Hessen keine Störche mehr - in Hanau schon seit den 60er Jahren. Grund war das Zurückdrängen von Lebensraum und starke Zersiedelung der Landschaft.
Mit dem gezielten Anlegen von Feuchtbiotopen, Nistgelegenheiten und Nahrungsteichen kamen nach und nach die Störche zurück. Nach Angaben des Naturschutzbundes Hessen (NABU) beobachtet man seit diesem Jahrtausend einen kontinuerlichen Anstieg der Brutpaare. In Hessen gab es in 2016 bereits wieder 493 Brutpaare mit mehr als 1000 Jungen, die meisten in Südhessen. Im Main-Kinzig Kreis waren es 47 Brutpaare.
Erschreckend sehen Sie ja schon aus, die mächtigen Kastanienbäume, die schon im Sommer ihr verbräuntes Laub verlieren. Schuld daran ist eine kleine Motte, deren Larven sich durch die Blätter fressen.

Gefrässige Mottenlarven:
Die Miniermotte (Cameraria ohridella) ist ein Kleinschmetterling, der sich seit Anfang der 90er Jahre von Südost Europa bis mittlerweile Dänemark und England verbreitet hat.
Die Miniermotte legt ihre Eier auf die Blätter der weißblühenden Rosskastanie. Nach etwa 2 - 3 Wochen schlüpfen winzige Larven, bohren sich in das Blattgewebe und beginnen dort ihr Zerstörungswerk indem sie Gänge (Minen) in das Blattgewebe fressen. Nach einer kurzen Pause als Puppen schlüpfen die ca. 5 mm großen Falter wieder aus und der nächste Zyklus beginnt. Je nach Witterung entstehen 3 - 4 Mottengenerationen im Jahr.

Die Gefräßigkeit der Larven führt zum Austrocknen der Kastanienblätter, die schon im Sommer verbräunen und abgeworfen werden. Verstärkt wird das Schadbild oft durch den Befall mit dem Blattbräunepilz (Guignardia aesculi). Als Folge findet man schon im Spätsommer kahle Kastanien, was besonders in Baumalleen und Biergärten erschreckend auffällt.

Zwar scheinen die Kastanien auch durch starken Befall nicht abzusterben, geschwächt werden sie trotzdem und könnten somit anfälliger sein für andere Krankheitserreger.
Die Miniermotte ist ein Einwanderer aus Südosteuropa. Sie ist sie somit ein Neozoon (neue Art), das sich ohne natürliche Feinde sehr schnell vermehren und ausbreiten kann. Diese ungehinderte Vermehrung sorgt auch für das massenhafte Auftreten und somit die starke Schädigung der Bäume.

Was kann man tun?
Leider sind die Puppen der Motten auch recht resistent gegenüber der Winterkälte, so dass sie im Laub überwintern können, um im nächsten Frühjahr die Kastanien sofort erneut zu befallen.
Die beste Methode, den Neubefall zu verhindern, ist, das Laub unter den Kastanien ganzjährig und besonders im Herbst komplett zu entfernen und zu entsorgen. Eine Kompostierung im eigenen Garten reicht nicht aus. Kompostierungsanlagen scheinen jedoch aufgrund der höheren Temperaturen die Mottenpuppen zu vernichten. Hat man die Mottenpuppen entfernt, so kann man den Befall stark eindämmen.
Chemische Bekämpfung ist zwar erlaubt, aber aufgrund der Größe der Bäume praktisch nur schwer möglich.

Tipp: Pflanzen Sie rosablühende Kastanien. Diese werden nicht durch die Miniermotte befallen
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