Grimm-Bürgerdozentur

Zweite Grimm-Bürgerdozentur geht an Dr. Irene Wellershoff
Nils Galle (Stiftung der Sparkasse Hanau), Dr. Claudia Maria Pecher (Institut für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität Frankfurt am Main), Laudator Prof. Dr. Dieter Wiedemann, Oberbürgermeister Claus Kaminsky, Preisträgerin Dr. Irene Wellershoff, Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck und Martin Hoppe, Fachbereichsleiter Kultur (Foto: Bodo Witzke)

Nils Galle (Stiftung der Sparkasse Hanau), Dr. Claudia Maria Pecher (Institut für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität Frankfurt am Main), Laudator Prof. Dr. Dieter Wiedemann, Oberbürgermeister Claus Kaminsky, Preisträgerin Dr. Irene Wellershoff, Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck und Martin Hoppe, Fachbereichsleiter Kultur (Foto: Bodo Witzke)

Zum zweiten Mal haben die Brüder-Grimm-Stadt Hanau und das Institut für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität die Grimm-Bürgerdozentur vergeben. Preisträgerin 2018 ist Dr. Irene Wellershoff, Redaktionsleiterin im ZDF-Kinderprogramm.

Vor rund 30 Jahren hat Irene Wellershoff die sehr beliebte TV-Kinderserie Siebenstein entwickelt. 1988 ging die Sendung mit Frau Siebensteins Trödelladen, in dem „Gegenstände mit Geschichten“ verkauft werden, erstmals an den Start.

In der Begründung zur Verleihung der Grimm-Bürgerdozentur heißt es: „Dr. Irene Wellershoff wurde als Erfinderin der ZDF-Kinderserie Siebenstein und mit Fernseh-Teamproduktionen wie Pettersson und Findus, der Märchenperlen-Reihe, Dschermeni, mit dem Einsatz für den besonderen Kurzfilm wie Chika, die Hündin im Ghetto sowie Kinofilm-Koproduktionen wie etwa Hände weg von Mississippi und Bibi & Tina bekannt. Mit ihr wird eine Persönlichkeit ausgezeichnet, die sich für das populäre und gehaltvolle Erzählen in Kinderfilm- und Medienproduktionen einsetzt. Darunter finden sich zahlreiche filmische Adaptionen von Erzählungen namhafter Kinder- und Jugendbuchautorinnen und -autoren. Gleichzeitig werden Wellershoffs Engagement für die historische Filmarbeit, wie etwa die Unterstützung der Restaurierung von Lotte-Reiniger-Filmen, und ihre Bereitschaft, ihre Beobachtungen zum kinderseriellen Erzählen im Fernsehfilm seit den 1980er Jahren regelmäßigen mit Studierenden der Goethe-Universität zu diskutieren, gewürdigt.“

Die offizielle Übergabe der Dozentur durch Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident der Goethe-Universität, an Dr. Irene Wellershoff fand am 13. Dezember 2018 im Schloss Philippsruhe in Hanau statt. Oberbürgermeister Claus Kaminsky: „Ich freue mich sehr, dass Schloss Philippsruhe, in dem im Frühjahr 2019 das GrimmsMärchenReich eröffnet wird, erneut Gastgeber der Verleihung ist“. Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz: „Der Name Wellershoff ist fester Bestandteil der literarischen Welt. Irene Wellershoff hat sich mit der Kinderserie Siebenstein und deren Binnengeschichten in die Fernsehgeschichte eingeschrieben. Darunter lassen sich Filme von Lotte Reiniger, Scherenschnittfilme des DEFA Studios und viele preisgekrönte Kurzfilme, u.a. auch zum Märchen, finden."

Vorlesungsreihe „Märchen, Medien und Magie“

Mit der Verleihung der Grimm-Bürgerdozentur ist eine dreiteilige öffentliche Vorlesungsreihe verbunden, der Wellershoff den Titel „Märchen, Medien und Magie“ gegeben hat: Sie beginnt am 13. Dezember 2018 (Donnerstag) mit der Laudatio „Feuerfunken im Nachthimmel. Filmbiographische Reminiszenzen“ von Prof. Dr. Dieter Wiedemann (Potsdam). Gezeigt werden filmische Stationen, die unter der Redaktionsleitung von Dr. Irene Wellershoff entstanden sind.

Die Reihe wird im neuen Jahr am 30. Januar 2019 (Mittwoch) um 18 Uhr auf dem Campus Westend, Casino, Renate von Metzler-Saal 1.801 fortgesetzt mit einem Vortrag und moderierten Gespräch zu „Von Schlangen, Biestern und Berggeistern – Märchenfilme im Vergleich. Exzerpte aus verschiedenen Märchen-Filmwerkstätten“. Das anschließende Gespräch führt Dr. Christine Lötscher (Berlin).

Im Kulturforum Hanau, Am Freiheitsplatz 18a, sind am 22. Februar 2019 (Freitag) um 10.00 Uhr Schülerinnen und Schüler ab Jahrgangsstufe 5 eingeladen. Wellershoff erläutert wie Rübezahl zum Filmstar wurde (Filmsichtung mit Q &A).

Die Grimm-Bürgerdozentur und die Vortragsreihe werden unterstützt von der Brüder-Grimm-Stiftung der Sparkasse Hanau, dem Institut für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität und der Märchen-Stiftung Walter Kahn. Dr. Claudia Maria Pecher, Märchenforscherin am Institut für Jugendbuchforschung, und Dipl. Pol. Martin Hoppe, Fachbereichsleiter Kultur, Stadtidentität und Internationale Beziehungen der Stadt Hanau, haben die Reihe konzipiert und organisiert.
 
Foto von links nach rechts: Oberbürgermeister Claus Kaminsky, Dr. Tilman Spreckelsen, Uni-Vizepräsident Prof. Dr. Schubert-Zsilavecz (Medienzentrum Hanau / Bildarchiv)

Foto von links nach rechts: Oberbürgermeister Claus Kaminsky, Dr. Tilman Spreckelsen, Uni-Vizepräsident Prof. Dr. Schubert-Zsilavecz (Medienzentrum Hanau / Bildarchiv)

Preisträger des Jahres 2016 war Dr. Tilman Spreckelsen, Literaturredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. In der Begründung zur Verleihung der Grimm-Bürgerdozentur heißt es: „Dr. Tilman Spreckelsen hat sich als ein außergewöhnlich versierter Fürsprecher für die Grimm’schen Märchen und deren Fortwirken, insbesondere in der Kinder- und Jugendliteratur, erwiesen.“ Damit werde eine Persönlichkeit ausgezeichnet, die das Grimm’sche Leben und Werk für die Gegenwart aktualisiert und sichtbar macht. Spreckelsen, Jahrgang 1967, hat immer wieder Jubiläen, Editionsprojekte und andere Anlässe genutzt, um intensiv über Märchen und über die Brüder Grimm zu recherchieren. Die Ergebnisse seiner Nachforschungen machte er einem breiten Publikum in seinen zahlreichen Veröffentlichungen zugängig – sachkundig und stilistisch brillant. Auch sein erzählerisches Talent wird mit dieser Dozentur gewürdigt; er hat sich intensiv mit den nordischen Erzählwelten auseinandergesetzt und diese Erzähltraditionen in einen zeitgemäßen Sprachduktus übertragen. So erschienen im Verlag Galiani seine Nacherzählungen des finnischen Nationalepos „Kalevala“ sowie ausgewählte Isländer-Sagas. Im Verlag S. Fischer gibt er die viel beachtete Kinder- und Jugendbuchreihe „Die Bücher mit dem blauen Band“ heraus. Für sein Krimidebüt „Das Nordseegrab“ erhielt Spreckelsen 2014 den Theodor-Storm-Preis der Stadt Husum.