Hanau und die Grimms

Die Brüder Grimm - Universalgelehrte und Sprachforscher

Brueder Grimm Nationaldenmal
Immer wieder fragen sich Besucher zu Füßen des Brüder Grimm-Nationaldenkmals auf dem Marktplatz, welcher der beiden Universalgelehrten welche Position der rund sechseinhalb Meter hohen Doppelstatue einnimmt. Denn nach einer in Hanau verbreiteten Sage tauschen Jacob und Wilhelm jeweils um Mitternacht heimlich ihre Plätze. Wer sich nicht zur „Geisterstunde“ auf die Lauer legen möchte: Wilhelm Grimm sitzt, Jacob Grimm steht.
Grimm-doppelporträt Von Emil Grimm
Die weltberühmten Hanauer Brüder Jacob (1785-1863) und Wilhelm (1786-1859) Grimm waren mehr als „nur“ Märchen-sammler, auch wenn die Übersetzung ihrer Kinder- und Hausmärchen in allen Weltsprachen auflagenstärker nur von der Bibel übertroffen wird. Die beiden Sprachwissenschaftler gelten vor allem wegen ihres Deutschen Wörterbuchs als Gründungsväter der deutschen Philologie und Germanistik. Hanau markiert den Beginn ihres Lebensweges. Hier wurden sie geboren und erlebten ihre frühen Kinderjahre, ehe der Vater 1791 als Amtmann in das nahe Steinau an der Straße versetzt wurde.
 
Die Familie Grimm ist seit dem 16. Jahrhundert in Hanau nachweisbar (als Gaststättenbesitzer, Geistliche). Urgroßvater Friedrich Grimm war 42 Jahre lang 1. Pfarrer an der ev. Marienkirche und Superintendent der ev. Gemeinden der Grafschaft. Vater Philipp Wilhelm Grimm war in Hanau als Hofgerichtsadvokat und Stadtschreiber tätig, ehe er als Amtmann 1791 nach Steinau berufen wurde (und die Familie umzog)
  • Gedenken an der Stelle des Geburtshauses am Freiheitsplatz, das im Zweiten Weltkrieg wie die gesamte Innenstadt zerstört wurde, Tafeln und Gedenkstein gegenüber
  •  Hinweistafel an der Stelle des Geburtshauses von Ludwig Emil in der Langstraße (Rückseite des Rathauses) und der Marienkirche
  • Errichtung des Nationaldenkmals der Brüder Grimm auf dem Marktplatz 1896 durch ein Bürgercomité
  • bedeutende Sammlungen des Geschichtsvereins und der Stadt Hanau im Schloss Philippsruhe, authentische Exponate: Gehrock, Aktentasche, Literatur etc., insgesamt rd. 500 Einzelpositionen, wohl wichtigstes Stück ist das weltweit bekannte Doppelporträt von Jacob und Wilhelm Grimm, eine Zeichnung ihres Bruders Ludwig Emil aus dem Jahre 1843; u. a. befindet sich in Hanau das umfangreichste Konvolut an Zeichnungen Ludwig Emil Grimms weltweit, die Modelle des Nationaldenkmals
  • kontinuierlicher Zukauf bzw. Zustiftung von Grimm-Exponaten (etwa durch die Märtesweinvereinigung: Ankauf eines Skizzenbüchleins von Ludwig Emil Grimm) und rd. 900 Grimm-Büchern (in der landeskundlichen Abteilung der Stadtbibliothek)
  • Zahlreiche Ausstellungen und Symposien zum Thema unter anderem der Stadt Hanau, des Hanauer Geschichtsvereins im Schloss Philippsruhe, des Hanauer Kulturvereins im Altstädter Rathaus, große Jubiläumsschau im Neustädter Rathaus 1985/1986, zum Jubiläum 30 Jahre Märchenstraße in 2005 zusammen mit dem Brüder-Grimm- Museum Kassel und im Oktober 2005 Wanderschau „Die Grimms in Berlin“ mit Begleitprogramm im Neustädter Rathaus
  • Hanauer Poststempel und Einsatz für Briefmarke mit Brüdern Grimm
  • Hanau als Ausgangspunkt der Deutschen Märchenstraße (seit 1975)
  • Hanau ist Gründungsmitglied der AG Deutsche Märchenstraße, arbeitet im Arbeitskreis der Grimm-Städte, ist Mitglied in der Brüder-Grimm-Gesellschaft etc.
  • Vergabe des renommierten Brüder Grimm-Preises für Literatur (seit 1983)
  • Brüder-Grimm-Märchenfestspiele seit 1985 überregional und bundesweit erfolgreich mit Auslandsgastspielen in Japan und Russland, Millionste Besucherin 2006)
  • Zahlreiche Aktionen bürgerschaftliches Engagements durch Brüder-Grimm-Verein (etwa Vertretung auf dem Hessentag, auf Messen und Tagungen), Hanauer Verlage (Herausgabe von Grimm- und Märchenliteratur) etc.
  • Brüder Grimm-Schule, -Straße, -Apotheke, -Torte, -Sekt, -Stollen –Taler
  • das Nationaldenkmal samt Neustädter Rathaus steht als originalgetreue Replik im Glücks-Königreich auf der japanischen Insel Hokkaido
  • Hanau war 2004 im Rahmen der Innenstadtoffensive Hessen „Ab in die Mitte“ Landessieger und stellte das Thema Grimm in einem breitgefächerten Programm mit Vorträgen Aktionen etc. vor
  • seit Mai 2005 wird in Hanau intensiv und konkret über ein Brüder-Grimm-Kulturzentrum in der Bürgerschaft diskutiert, Einberufung einer Expertenkommisson 2006, Vorlage einer Konzept- und Machbarkeitsstudie im Juni 2008
  • Verleihung der Zusatzbezeichnung "Brüder-Grimm-Stadt Hanau" durch den Hessischen Minister des Inneren und für Sport im Mai 2006
  • Zuteilung des Markenrechts an der Bezeichnung „Brüder Grimm-Stadt“ durch das EU-Harmonisierungsamt Alicante (März 2006)
  • Größter Weihnachtskalender Hessens am Neustädter Rathaus mit Märchenmotiven von Jörg Eyfferth
  • Bürgerfest zum Thema „Hanau und die Brüder Grimm“ mit vielfältigen Aktionen, Ausstellung und Bildkatalog (September 2007)
  • Neues corporate design mit Grimm-Logo (2008)
  • Auflage des Hanauer Stadtmagazins „Grimms“ (2008)
  • Aufnahme des Brüder-Grimm-Kulturzentrums als Pflichtaufgabe in das europaweite Ausschreibungsverfahren „Wettbewerblicher Dialog“ zur Gestaltung der Hanauer innenstadt (2009), Weiterentwicklung der Konzeption und Wirtschaftlichkeitsprüfungen 2010/2011
  • 25. Brüder-Grimm-Märchenfestspiele im Amphitheater mit Begleitausstellung „Italienische Märchen“ des Brüder-Grimm-Museums Kassel (2009)
  •  Gestaltung eines Heißluftballons „Brüder-Grimm-Stadt“ (2009)
  •  Initiierung der Brüder-Grimm-Berufsakademie gGmbH als Teil der Staatlichen Zeichenakademie (2009)
  •  Vortrag von Prof. Dr. Heiner Boehncke zum 150. Todestag Wilhelm Grimms am 16.12.2009 im Schloss Philippsruhe
  •  Zum 225. Geburtstag Jacob Grimms: Wanderausstellung „Märchenschloss und Zauberwald“ der Brüder-Grimm-Gesellschaft e.V. im Neustädter Rathausfoyer, ergänzt um Hanauer Beigaben (Januar 2010)
  •  Erweiterung der historischen Kostümführungen um das Angebot "Brüder Grimm" (2010)
  •  Mitarbeit in mehreren Arbeitskreisen des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst zur Profilierung einer "Landesmarke Grimm" (2010)
  • Gestaltung von Innenstadtwänden mit Märchenmotiven durch Comic-Künstler Rautie als Projekt des Jugendbildungswerkes mit finanzieller Unterstützung der Bürgerstiftung Hanau Stadt und Land der Sparkasse Hanau / Brüder-Grimm-Stiftungsfonds (April 2010)
  •  Digital-Inventarisierung des Grimm-Bestandes von Historischem Museum Schloss Philippsruhe und Hanauer Geschichtsverein 1844 e.V. mit finanzieller Unterstützung der Bürgerstiftung Hanau Stadt und Land der Sparkasse Hanau / Brüder Grimm-Stiftungsfonds (Mai 2010)
  •  26. Brüder-Grimm-Märchenfestspiele im Amphitheater mit Begleitausstellung „Russische Märchen“ des Brüder-Grimm-Museums Kassel (Mai bis Juli 2010
  •  "Tage der Sprache" mit Würdigung der Grimms in den Hanauer Kindertagesstätten (November 2010)
  • Aufführungen von "Das magische Buch der Balletschule Bladin im Congress Park Hanau (Dezember 2010)
  • Sendung "... trifft Grimm" von hr2 mit Prof. Dr. Heiner Boehncke, Johann Kaiser und Walter Renneisen mit Überreichung der Plakette Ort der Literatur durch Staatsministerin Kühne-Hörmann an Oberbürgermeister Kaminsky für das Historische Museum Hanau(Februar 2011)
Als ihr Hanauer Ahn ist bereits 1639 der Bürger und Wirt der Gaststätte „Zum Fass“ in der Hanauer Vorstadt belegt. Ihr Urgroßvater Friedrich Grimm prägte über 42 Jahre lang als Pfarrer der Marienkirche, Kirchen- und Schulinspektor das Leben der Stadt. Die Eltern, Hofgerichtsadvokat Philipp Wilhelm Grimm und Dorothea Zimmer, boten ihnen eine behütete Kindheit. „Tante Schlemmer“ lehrte sie in der Fahrstraße Lesen und Schreiben, auch besuchten sie oft ihre Großeltern Zimmer nahe der Johanneskirche in der Altstadt. Jacob und Wilhelm hatten sieben Geschwister, von denen ihr ebenfalls in Hanau geborener „Malerbruder“ Ludwig Emil 1790 auch überregionale Bekanntheit errang. In die Hanauer Zeit fällt auch der Kontakt zu einer der wohl prominentesten Zuträgerinnen für die berühmte Kinder- und Hausmärchen- sammlung: Marie Hassenpflug und ihre Familie, die von 1789 bis 1799 am Neustädter Markt wohnte.
Nach ihrer Jugendzeit in Steinau an der Straße zogen die Brüder Grimm nach Kassel, studierten in Marburg und wirkten als Professo- ren in Göttingen und Berlin. Sie waren Germanisten, Sprachwissen-schaftler, Demokraten und Freiheitskämpfer. Sie erforschten die Rechtsaltertümer, die Poesie des Mittelalters und des Volksgutes. Ihr größtes Werk wurde neben der Deutschen Grammatik das Deutsche Wörterbuch. Auch politisch waren sie engagiert. So war Jacob Legationssekretär in Paris und 1814/15 Gesandter beim Wiener Kongress, der Europa nach den Freiheitskriegen neu ord- nen sollte. 1848 wurde er Abgeordneter der ersten deutschen Nationalversammlung, dem Paulskirchenparlament in Frankfurt am Main, wo er seinen – abgelehnten – Verbesserungsantrag zu Artikel 1 der Verfassung formulierte: „Das deutsche Volk ist ein Volk von Freien und deutscher Boden duldet keine Knechtschaft. Fremde Unfreie, die auf ihm verweilen, macht er frei.“ Wilhelm starb am 16. Dezember 1859, Jacob am 20. September 1863. Ihre gemeinsame Grabstätte befindet sich auf dem Alten St. Matthäus Kirchhof in Berlin-Schöneberg.



Hanau ehrt die Grimms seit langer Zeit. 1896 wurde das Brüder Grimm- Bronzedenkmal auf dem Neustädter Marktplatz enthüllt: Damit hatte die Stadt ihr Vorrecht als Standort für ein solches Nationaldenkmal vor Kassel, Göttingen und Berlin behauptet. Entworfen hat es der Münchner Kunstprofessor und Bild- hauer Syrius Eberle. Ein Abguss steht auf der japanischen Insel Hok- kaido. Das Denkmal ist Ausgangs- punkt der rund 600 Kilometer lan- gen Deutschen Märchenstraße, die von Hanau nach Bremen führt. In zweijährigem Turnus wird seit 1983 der renommierte Brüder Grimm- Preis für Literatur vergeben. Um das Lebenswerk des „Malerbruders“ zu würdigen, hat die Stadt zudem den Ludwig Emil Grimm-Preis für Bildende Kunst geschaffen, der anlässlich seines 222. Geburtstages 2012 erstmals vergeben wurde. Die erste Aufführung der Brüder Grimm Märchenfestspiele war 1985 im Schlosspark von Philippsruhe zu erleben. Ins Amphitheater strömten bisher knapp anderthalb Millionen Besucher. Sehenswert sind auch die Grimm-Abteilung im Historischen Museum Schloss Philippsruhe und die umfangreiche Literatur- und Märchen-sammlung der Stadtbibliothek. Zahlreiche Vereine widmen sich dem Grimmschen Werk, es gibt Vorträge und Führungen. 2006 verlieh das Land Hessen Hanau die offizielle Zusatzbezeichnung „Brüder-Grimm- Stadt“. Mit der gleichnamigen „Wortmarke“ und dem fein gezeichneten Doppelbildnis der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm im städtischen Logo sowie auf allen Drucksachen und touristischen Verkaufsartikeln wirbt Hanau seit 2007 europaweit – die Grimms prägen somit die „Corporate Identity“ der Kommune. Auch zahlreiche Infotafeln im Stadtgebiet erinnern an die berühmten Sprachforscher und Märchensammler.