19. März 1945, Zerstörung der Stadt

Am 19. März 1945, 4:20 Uhr morgens schlug der von NS-Propagandaminister Goebbels ausgerufene "totale Krieg" mit aller Härte auf Hanau zurück: die Brüder Grimm-Stadt wurde durch einen alliierten Fliegerangriff in Schutt und Asche gelegt.
Panorama der zerstörten Innenstadt, aufgenommen von der Ruine der Wallonisch-Niederländischen Kirche zum Neustädter Marktplatz 1945

Panorama der zerstörten Innenstadt, aufgenommen von der Ruine der Wallonisch-Niederländischen Kirche zum Neustädter Marktplatz 1945

Die Angriffe auf Hanau im Januar 1945
Nach dem ersten amerikanischen Luftangriff am 25. September 1944 gab es weitere alliierte Luftangriffe im November und Dezember 1944, die Industrieanlagen aber auch die Innenstadt trafen.

Das Schicksalsjahr 1945 begann bereits am 1. Januar mit einem Luftangriff von 24 britischen Mosquito-Maschinen. Am 5. Januar war Hanau auch Ziel von 57 amerikanischen Bombern.

Am Abend des 6. Januar flog das britische Royal Air Force Bomber Command einen Angriff mit 474 Maschinen verschiedenster Typen und warf eine Bombenlast von 1652,9 britischer Tonnen über dem Stadtgebiet ab.

In fast allen Teilen der Stadt gab es durch diesen Angriff starke Zerstörungen. Er führte jedoch nicht zur gänzlichen Vernichtung der Stadt.

Neben unzähligen Einzelschäden waren die Stadthalle, das Stadtschloss, das Stadttheater, die Kaserne (das heutige Behördenhaus) und das Zeughaus ausgebrannt.

Trotz dieses schweren Angriffs und der Bombadierungen im letzten Quartal 1944 hatte Hanau noch sein erkennbares Stadtbild.
19. März 1945
Das brennende Hanau. Luftaufnahme der US-Army, 19. März 1945, 9.15 Uhr morgens

Das brennende Hanau. Luftaufnahme der US-Army, 19. März 1945, 9.15 Uhr morgens

Nach dem Bericht des britischen Bomber Command waren 272 viermotorige Bomber vom Typ "Lancaster" und sieben Maschinen des Typs "Mosquito" eingesetzt. In den 16 Minuten der Bombadierung von 4:24 Uhr bis 4:40 Uhr wurden insgesamt 1181,6 britische Tonnen Bombenlast abgeworfen: 442 Sprengbomben, ca. 360.000 Brandbomben, 70 Zielmarkierungsbomben und 804 Leuchtbomben.

Der Angriff kam für Hanau überraschend. Aufgrund eines Scheinangriffes auf Kassel wurde für Hanau kein Luftalarm gegeben.

Nicht einmal 20 Minuten dauerte der Nachtangriff der Royal Air Force, der die jahrhundertealte Innenstadt Hanaus in eine Trümmerwüste verwandelte und über 2.000 Menschen das Leben kostete.
Innenraum der zerstörten Wallonisch-Niederländischen Kirche Hanau 1945

Innenraum der zerstörten Wallonisch-Niederländischen Kirche Hanau 1945

9 Tage später, am 28. März 1945, marschierte die US-Army in Hanau ein und ordnete das Leben in der Stadt neu.

Ab 18. und 19. August 1945 folgten mehrere Großeinsätze der Hanauer Bevölkerung zur Trümmerbeseitigung (Hanauer Ehrendienst).

Der erste Abschnitt des Wiederaufbaus wurde 1958 mit der Einweihung des Mahnmals in der Martin-Luther-Anlage von Otto Craß ("Wo das Recht gebrochen wird, stirbt die Freiheit!") und der Wiedereröffnung des Deutschen Goldschmiedehauses begangen.

Noch heute sind die Narben des Krieges im Stadtbild ablesbar.
Programm am Donnerstag, 19. März 2020

4:20 Uhr
Gedenkandacht in der Marienkirche mit Glockenläuten


09:00 Uhr · Stadtpfarrkirche Mariae Namen
Katholische Gedenkmesse

16:00 Uhr · Hauptfriedhof
Gedenkveranstaltung in der Trauerhalle des Hanauer Hauptfriedhofs, anschließend Kranzniederlegung

18:00 Uhr · Wallonisch-Niederländische Kirche
Ökumenischer Gedenkgottesdienst in der Wallonisch-Niederländischen Kirche mit anschließendem Gedenken, Kranzniederlegung und Versöhnungsgebet im Innenhof der Wallonisch-Niederländischen Kirche

Literatur zum Thema:

  • Gerhard Flämig: Hanau im Dritten Reich

  • Werner Kurz, Jens Arndt, Roland von Gottschalck: Hanau im Bombenkrieg

  • Marianne Jacoby: Der Wiederaufbau unserer zerstörten Stadt

  • Richard Schaffer-Hartmann: Die Nacht als Hanau unterging

  • Markus Häfner: Der Wiederaufbau der deutschen Mittelstädte nach dem Zweiten Weltkrieg am Beispiel Hanau, in: Neues Magazin für Hanauische Geschichte 2009/I