175 Jahre Revolution 1848

– auch in Hanau abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm
Hanau 1848 175jahre
Vor 175 Jahren war Revolution in Deutschland. Ab dem 18. Mai tagte die National­versammlung in Frankfurt.
Der Weg dorthin, von der Rebellion mit Aufständen von 1830, und danach bis ins Restaurationsjahr 1850 ist am Beispiel der Geschichte der Brüder-Grimm-Stadt Hanau exemplarisch darstellbar. Um an die Zeitspanne von 1830 bis 1850 in Hanau zu erinnern und die Stadt als "Ort der Demokratiegeschichte" zu präsentieren, hat die Stadt Hanau ein umfangreiches Jubiläumsprogramm mit Vorträgen, Ausstellungen, Gottesdiensten, Schulprojekten, Musik, Theater und vielem mehr vorbereitet:
 

Programm

Vorträge der Interessengemeinschaft Hanauer Altstadt (IGHA), Hanauer Geschichtsverein 1844
e.V. (HGV), Volkshochschule Hanau (VHS)

Im Schlossgartensaal der Karl-Rehbein­ Schule, jeweils 19:30 Uhr:
  • 25. April, Prof. Dr. Barbara Dölemeyer: Emigranten der 1848er-Revolution: Wirkungen und Rückwirkungen
  • 2. Mai, Prof. Dr. Walter Mühlhausen: Keimzellen der Demokratie – Von Frankfurt über Weimar nach Bonn
  • 9. Mai, Richard Schaffer-Hartmann: Das ereignisreiche Revolutionsjahr 1848 in Hanau
  • 23. Mai, Horst Rühl: 1848 - Die soziale Frage und die kirchliche Reaktion
  • 6. Juni, Erhard Bus: Revolutionskultur und -symbole im Vormärz und 1848/49
  • 13. Juni, Joachim Volke: Heinrich Heine und die Philosophie der Freiheit
  • 20. Juni, Prof. Dr. Frank Deppe: Karl Marx und Friedrich Engels in der Revolution von 1848
  • 27. Juni, Dr. Markus Häfn er: Volksversammlungen, Verhandlungen, Verfassungen - Hanau und seine Nachbarn im Streben nach Freiheit 1848/49 (im Rathausfoyer)
  • 4. Juli, Dr. Hans Sarkowicz: Der Kampf gegen die Zensur im Vormärz und 1848/49 (im Rathausfoyer)
  • 11. Juli, Patrick Geiß: 175 Jahre Eisenbahnstadt Hanau 1848-2023 (im Rathausfoyer)
  • 18. Juli, Malte Oberbeck: Ein Sportverein führt Krieg - Der Feldzug der Hanauer Turngemeinde in Baden 1849
  • 25. Juli, Prof. Dr. Heiner Boehncke, Dr. Hans Sarkow icz: Stätten der Demokratie und Revolution im Rhein-Main-Gebiet - Ein historischer Rundgang vom Vormärz 1832 bis zum Ende der Frankfurter Nationalversammlung 1849
Neustädter Rathaus, Wallonisch-Niederländische Kirche, Kurhaus Wilhelmsbad (Daten folgen)
 
3. April, 18:30 Uhr, Wallonisch-Niederländische Kirche, mit Pfr. Horst Rühl
 
 
18. Mai, Brüder Grimm Festspiele und Grimm-Darsteller Ulrich Lüer und Wolfgang Karnberg beim Festakt in Frankfurt am Main (Paulskirchenfest bis 21. Mai)
Rathausneueroeffnung Anspracheob Bilddavidseeger
,,Rebellion, Revolution, Restauration - Hanau in den Jahren 1830 bis 1850"
 
  • 22. Juni bis 16. Juli 2023 - Tafelausstellung mit ausgewählten Originalexponaten im Foyer des Neustädter Rathauses (Fachbereich Kultur, Stadtidentität und Internationale Beziehungen der Stadt Hanau/ Städtische Museen, Hanauer Geschichtsverein 1844 e.V.}, Kuratoren: Erhard Bus, Martin Hoppe
  • 22. Juni, 19.30 Uhr: Eröffnung mit Buchvorstellung „Tagebuch des Georg Dörr 1848" 


Integriert: 16-teilige Roll up-Ausstellung der Gesellschaft zur Erforschung der Demokratiegeschichte e.V. Mainz/ Weimar: Auf dem Weg zur modernen Demokratie - Die deutschen Freiheitsbewegungen von der Französischen Revolution bis zur Mitte des 19. Jahrhundert
 
Integriert: Geschichtsprojekt der Otto-Hahn-Schule - Auf den Spuren der Revolution in Hanau mit Suche nach historischen Orten, Wohnhäusern der Revolutionäre, Wege zum Wilhelmsbader Fest, Sportplätze etc.: Präsentation der Ergebnisse auf einem Stadtplan

 
Begleitprogramm in der Ausstellung
 
Vorträge 
  • 7. Juli, 17 Uhr: Dekan i.R. Peter Gbiorczyk / Marburg: Jacob Grimm als Abgeordneter der Nationalversammlung 1848
  • Sonntags um 15 Uhr (25.6., 2.7., 9.7., 16.7.): Kuratorenführungen mit Themenschwerpunkten (im Wechsel Bus: Tagebuch Dörr, Hoppe: Wilhelmsbad 1848)
  • 2. Juli, 11 Uhr, Michael Zachcial / Die Grenzgänger aus Bremen: Trotz alledem! Matinee mit Texten und Liedern der 1848er Revolution im Rathausfoyer
  • 8. Juli, 11:30 Uhr, Intervention der BüchnerBühne auf dem Marktplatz (in Kooperation mit der KulturRegion Frankfurt RheinMain, Geist der Freiheit}

 
Vitrinenausstellung
 
,,1848 - Zensur und Pressefreiheit" der Landeskundlichen Abteilung Hanau Hessen/ Stadtarchiv im Kulturforum Hanau, 2. Stock, Am Freiheitsplatz 18a, 63450 Hanau
Ab 17. Juli bis Ende August 2023, montags-freitags 11 bis 20 Uhr, samstags 11 bis 18 Uhr
 
 
 
Turngemeinde Hanau 1837 e.V.: Sportschau (19.11.), Einweihung Sportcampus/ Jula Hof-Anlage, Informationstafel an der Jahn-Eiche/ Rosenau

Tag des offenen Denkmals (bundesweit am 10.9.2023)
 
10. September, 11:30 bis 13 Uhr: Frühschoppen mit der Stadtkapelle Hanau am Fürstenbahnhof Wilhelmsbad, Führung um 12 Uhr
in Kombination mit 175 Jahre Hanauer Hauptbahnhof. Am 10.9.1848 wurde der Wilhelmsbader Bahnhof und damit die Eisenbahnlinie Hanau­ Frankfurt eingeweiht - vor 175 Jahren.
 
Eröffnung der von Studierenden der Brüder Grimm Berufsakademie Hanau (BGBA) neu gestalteten Fußgängerunterführung (Herbst 2023)

Museumseisenbahn/ Eisenbahnbetriebswerk Heideäcker: Lokschuppenfest 3. und 4. Juni, Frühlingsdampflokfahrt am 1. Mai, Internationaler Museumstag und Tag der offenen Tür mit Pendelfahrten am 10. September 2023

 
Deutscher Turnerbund - 15. bis 19. November, Jahrestagung, Symposium und Festakt 175 Jahre DTB im CPH / Neustädter Rathaus/ Wallonisch-Niederländische Kirche
24. April, 10 bis 11:30 Uhr, Stadtrundgang mit Anna Hein-Schwesinger für Seniorinnen und Senioren: Hanauer Schauplätze der 1848er Revolution, Treffpunkt Familienakademie, 10 Euro incl. Kaffee und Kuchen
27. Juni, 13 bis 18 Uhr, Fahrt zur Paulskirche in Frankfurt am Main und Führung mit Silke Wustmann für Seniorinnen und Senioren, Treffpunkt Bushaltestelle Kinopolis, 30 Euro inkl. Bustransfers, Führung und Kaffeetrinken 
 
Hanauer Ultimatum

Abbildung: Hanauer Ultimatum vom 9. März 1848 (copyright: Fachbereich Kultur der Stadt Hanau / Stadtarchiv Hanau, Repro: Martin Hoppe

Über das Hanauer Ultimatum
Nach der Stadtrechtsurkunde 1303 und der Capitulation zur Gründung der Neustadt 1597 ist das „Hanauer Ultimatum“ vom 9. März 1848 wohl das geschichtsträchtigste schriftliche Dokument der Hanauer Stadtgeschichte.
 
Vor 175 Jahren gingen die „Hanauer Revoluzzer“, auch als „Mainfranzosen“ weithin bekannt, forsch voran: Nachdem die Bürgergarde durch ein bewaffnetes Freicorps verstärkt wurde, hatte sich eine Volkskommission als Stadtregierung gebildet. Das Volk wählte am 6. März 24 Honoratioren unter großem Hurra bei einer Versammlung auf dem Neustädter Markt, u.a. Bernhard Eberhard, Karl Röttelberg, Christian Lautenschläger, Pedro Jung und August Rühl (alles auch Straßennamen).
 
Sie sind auch Unterzeichner des „Hanauer Ultimatums“ an den Kurfürsten vom 9. März 1848. Mit Drohung von Aufruhr forderten sie: Besetzung der Ministerien mit Männern, die das Vertrauen des Volkes haben; Auflösung der Ständeversammlung; Presse-, Religions-, Gewissensfreiheit; Wiederherstellung des Petitions-, Einigungs-, Versammlungsrechts; Amnestie für politische Vergehen seit 1830; Bildung einer Deutschen Volkskammer. Der Aufruf schließt mit: „Jetzt ist die Stunde gekommen, wo Sie zu zeigen haben, Königliche Hoheit, wie Sie es mit dem Volke meinen. Zögern Sie nicht einen Augenblick zu gewähren, vollständig zu gewähren! Lenke Gott Ihr Herz!“
 
Eine 8-köpfige Delegation fuhr zum Kurfürst nach Kassel, 4 Mann über Marburg, 4 über Fulda in schwarz-rot-golden-geschmückten Kutschen. Friedrich Wilhelm I. gab kleinbei und rettete seinen Thron. Die Delegation kam am 12. März 1848 auf den Neustädter Marktplatz zurück und wurde jubelnd von der Bürgerschaft empfangen. August Rühl verkündete vom Balkon des Rathauses den „Sieg der Basis“. Tausende Menschen feierten mit Böllerschüssen, gewappnet mit Sensen, Groß und Klein, Mann und Frau. Der preußische Gesandte sprach „von der frechsten Eingabe, die deutsche Untertanen je an ihren Fürsten gerichtet hätten“.
 
Das Ultimatum löste einen Regierungswechsel in Kassel mit aus: Der verhasste kurhessische Ministerpräsident Ludwig Hassenpflug, ein Onkel der Grimms, „Hessenfluch“ genannt, musste weichen. Oberbürgermeister Bernhard Eberhard wurde zum Vorstand des Innenministeriums ernannt. Am 22. März folgte die Wahl von August Rühl zum neuen Hanauer Stadtoberhaupt, der wenig später auch Mitglied der Paulskirchenversammlung wurde.
Zeitleiste/ Themenkreise der Sonderausstellung vom 22. Juni bis 17. Juli 2023 im Foyer Neustädter Rathaus:
 
  • Zerstörung Licentamt /Maut= Hanauer Krawalle 24.9.1830
  • Schießerei am Nürnberger Tor am 21.11. und Befreiung der Aufrührer am 30.11.1830 Verfassungsfeier Johanneskirche 7./8.1.1831 (kurhessische Verfassung)
  • Fahnenweihe 5.4.1831
  • Wilhelmsbader Fest 22. Juni 1832 Hanauer Ultimatum 9./12. März 1848
  • Zerstörung des Prügelbocks am 18. März 1848 (Nachbildung vorhanden) Streik der Schneider, später Bijouteries und Tabakarbeiter im April 1848
  • Erster Deutscher Turntag am 2.13. April 1848, Zug von der Wirtschaft „Zur großen Krone" über den Marktplatz in die Wallonische Kirche, Gründung Deutscher Turnerbund,
  • „Turnvater" Jahn in Hanau
  • Gründung Arbeiterverein 20. April 1848, Association der Zigarrenarbeiter 1848 etc. Gründung des Politischen Vereins im Mai 1848
  • Gründung des Demokratischen Vereins am 8. Juni 1848
  • OB Bernhard Eberhard wird Innenminister/ Ministerpräsident des liberalen kurhessischen Kabinetts 1848
  • OB August Rühl als Abgeordneter der Paulskirche 1848
  • Zweiter Deutscher Turntag am 2. Juli 1848 in der Wallonischen Kirche Eröffnung der Bahnstrecke Hanau-Wilhelmsbad-Frankfurt 10. September 1848 Vereinigung der politischen Vereine am 30. April 1849
  • Marsch der Hanauer Turner nach Baden 2. Juni 1849 / Schlacht bei Waghäusel 21. Juni 1849
  • Wechsel von Bernhard Eberhard zu Ludwig Hassenpflug (,,Hessenfluch") am 22. Februar 1850 - zwei Hanauer an der Spitze der kurhessischen Regierung)
  • Wilhelmsbad wird Regierungssitz der reaktionären Staatsregierung im September 1850 Einzug der Bundestruppen/ Strafbayern durch das Nürnberger Tor am 1.11.1850